Eigentlich sollte der Flughafen Friedrichshafen mit der 2017 von den Gesellschaftern beschlossenen Finanzspritze von mehr als 17 Millionen Euro wieder durchstarten. Da lag die Intersky-Pleite schon zwei Jahre zurück. Doch dann „kam ein Tiefschlag nach dem anderen“, sagte Landrat Lothar Wölfle am Dienstagnachmittag im Finanzausschuss des Kreistags, wo der Jahresabschluss 2019 zur Debatte stand. Neue Partner von VLM bis Germania gingen ebenfalls pleite und hinterließen große Löcher im Flugplan. Allein die Germania steuerte zuletzt ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens am Bodensee Airport bei.

Erstmals Defizit im operativen Geschäft

Ergebnis: Selbst das operative Betriebsergebnis der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG) landete erstmals, so Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr, mit knapp 70 000 Euro in den Miesen. Und ohne den Kredit von einer Million Euro fürs laufende Geschäft wäre der Flughafen wohl kaum um die Runden gekommen.

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Trotzdem zollte nicht nur der Landrat dem Flughafenchef und seinem Team Respekt: „Ohne ihr Engagement würde es deutlich schlechter aussehen“, sagte er. Der FFG gelang es, Passagier- und Umsatzverluste durch die Insolvenz von Germania ein großes Stück weit zu kompensieren. Am Ende des Jahres blieb dennoch ein Fehlbetrag von rund 2,8 Millionen Euro in den Büchern.

Luftfahrtbranche erholt sich nur schleppend

2020 wird allerdings noch schlechter, nahm Claus-Dieter Wehr kein Blatt vor den Mund. Ab Mitte März gingen praktisch keine Flüge mehr. Auch der Häfler Flughafen stellte den Betrieb ein, schickte fast alle Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Die Luftfahrtbranche erholt sich aktuell nur schleppend von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. So gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts in der Woche vom 6. Juli 2020 weltweit rund 55 Prozent weniger geplante Flüge als in der Vorjahreswoche.

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In Friedrichshafen startete am 5. Juni der Betrieb mit dem ersten Flug der Wizz Air nach Tuzla. Dafür hat die Lufthansa nach anderthalb Wochen die Flüge nach Frankfurt vorläufig wieder eingestellt – zu geringe Nachfrage. Von 14 Zielen, die derzeit im Sommerflugplan stehen, werden aktuell nur fünf bedient.

Grundsatz-Debatte wird im Spätsommer geführt

Bis Jahresende bleibe der Flughafen Friedrichshafen nach aktuellem Stand liquide, wenn er seine Kreditlinie ausschöpfe, so Wehr. Im Spätsommer werden die Hauptgesellschafter – der Bodenseekreis und die Stadt Friedrichshafen – in ihren Gremien über die Zukunft des Airports beraten. Bereits Ende Juli soll dem Aufsichtsrat das Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger vorliegen. Das soll Auskunft darüber geben, ob – und wenn ja, mit welcher Strategie – der Flughafen eine Chance am Markt hat.

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Kreistags-Fraktionen wollen Gutachten abwarten

Zu einer Grundsatz-Debatte kam es deshalb in dieser Sitzung nicht. Die Kreistags-Fraktionen wollen zuerst das Gutachten abwarten. Das soll viele Fragen klären, die auch Norbert Zeller (SDP) stellte: Wie hoch ist der Anteil der Geschäftsreisenden? Bleibt es bei der Anbindung ans Drehkreuz Frankfurt? Wie hoch ist der Investitionsstau? Wo liegt die verkraftbare Untergrenze bei den Passagierzahlen?

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Klar zum Flughafen positionierte sich Georg Riedmann für die CDU. „Der Flughafen bleibt für uns wesentlicher Teil der Verkehrs-Infrastruktur. Deshalb investieren wir auch nicht in ein Fass ohne Boden“, sagte er. „Auch die Freien Wähler stehen zum Flughafen“, erklärte Fraktionschef Henrik Wengert, allerdings wohl nicht zu jedem Preis. Er hoffe, dass die Gesellschafter weiter in der Lage sein werden, den Flughafen zu erhalten. Auch die AfD steht zum Flughafen und hofft nach Vorlage des Gutachtens, „dass die Zukunft gesichert werden kann“, sagte Christoph Högel. Für Gaby Lamparski (FDP) hingegen bleibt das „Geschäftsmodell Regional-Flughafen“ in Friedrichshafen ein „durchaus schwieriges“.