Wie geht es weiter mit dem Bodensee Airport? Diese Frage werden sich spätestens im Herbst die Häfler Gemeinderäte und die Kreisräte des Bodenseekreises stellen müssen. Denn ein „Weiter so“ wird es nicht geben. Die Corona-Krise und der damit einhergehende Lockdown brachten den Flugverkehr weltweit zum Erliegen. Und der sowieso schon von vielen unglücklichen Insolvenzen gebeutelte Flughafen Friedrichshafen musste ebenfalls in den Notbetrieb versetzt werden. Wochenlang gab es keine Passagiere, die abgefertigt werden mussten, wochenlang kaum ein Flieger, der in Friedrichshafen landete.

Auch 2020 wird ein Verlustjahr

War schon das Geschäftjahr 2019 eine „Herausforderung“, wie es Airport-Chef Claus-Dieter Wehr formuliert, so wird das Geschäftsjahr 2020 noch einmal weitaus schlechter. 2019 gab es erstmals auch eine Verlust beim operativen Geschäft, insgesamt ergab sich ein Jahresverlust von knapp 2,8 Millionen Euro.

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„Wir werden beim Flughafen einen signifikanten Rückgang haben, und der Verlust wird sehr signifikant über dem Ergebnis von 2019 liegen“, kündigte Oberbürgermeister Andreas Brand in der Sitzung des Finanzausschusses am Montag an. Weitere Millionenzahlungen werden die Gesellschafter leisten müssen, um die Liquidität des Airports überhaupt aufrecht zu erhalten.

Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand
Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand | Bild: Stadt Friedrichshafen
„Wir werden beim Flughafen einen signifikanten Rückgang haben, und der Verlust wird sehr signifikant über dem Ergebnis von 2019 liegen.“
Andreas Brand, Oberbürgermeister

Weitere Mittel sind unbedingt nötig

„Für den Fortbestand des Flughafens ist es unumgänglich, dass die Gesellschafter weitere Mittel in Form von Eigen- oder Fremdkapital zur Abdeckung von Fehlbeträgen und zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit zur Verfügung stellen müssen“, heißt es im Lagebericht des Flughafens unter dem Punkt „Bestandsgefährdende Risiken“. Weiter heißt es: „Es besteht das Risiko, dass der Flughafen möglicherweise nicht in der Lage sein wird ... seine Schulden zu decken.“

Eigenkapitalquote bei 9,5 Prozent

Auf Nachfrage von Jürgen Holeksa (Netzwerk) erläuterte Wehr, dass die Eigenkapitalquote des Flughafens derzeit bei 9,5 Prozent läge. „Dieser Wert ist natürlich nicht befriedigend, da werden die Gesellschafter helfen müssen. 50 Prozent wären natürlich schön“, sagte der Airport-Chef.

Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen
Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen | Bild: Bömelburg, Christina
„Nach dem herausfordernden Jahr 2019 wird das Jahr 2020 erneut herausfordernd. Wir brauchen im Herbst eine schnelle Entscheidung.“
Claus-Dieter Wehr, Flughafen-Geschäftsführer

Flughafen-Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr machte auch deutlich, dass – obwohl der Flugbetrieb langsam wieder anläuft – die Zukunft alles andere als rosig aussieht. „Der Sommerflugplan wird sehr volatil sein, eine gewisse Stabilität gibt es frühestens im Winter“, so Wehr.

Nun haben der Airport und seine Gesellschafter (der Landkreis und die Stadt Friedrichshafen halten 78,76 Prozent der Anteile) eine externe Unternehmensberatung eingeschaltet. Die Münchner Beratungsgesellschaft Roland Berger wird nun bis zum Herbst ein Gutachten erstellen, das dann den Kreis- und Gemeinderäten vorgestellt werden soll. „Die Kosten dafür übernimmt der Flughafen“, bestätigte Claus-Dieter Wehr nach der Sitzung dieser Zeitung.

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Gutachten soll im Herbst vorliegen

Mit der Expertise von Roland Berger soll nun ermittelt werden, wie viel Geld in den nächsten Jahren nötig sein wird, nicht nur für Investitionen, sondern auch für den laufenden Betrieb. „Wir werden uns dann die Lage des Flughafens genau anschauen. Danach entscheiden wir, ob wir mehr Geld geben werden oder was die Folgen wären, wenn wir dies nicht tun“, erkärte OB Andreas Brand. Auch ein bereits zugesagtes Darlehen des Landes in Höhe von einer Million Euro hängt davon ab, wie die Entscheidung im Herbst aussehen wird.

Finanzielle Folgen der Corona-Krise für andere städtische Gesellschaften

Fraktionen bewerten die Lage unterschiedlich

Die Gemeinderäte nahmen den Bericht von Flughafen-Chef Claus-Dieter Wehr zur Kenntnis und genehmigten den Jahresabschluss 2019. Was die Zukunft betrifft, so waren sich die Fraktionen uneinig. Die CDU bekannte sich zum Airport: „Von dem Gedanken, dass der Flughafen Gewinn machen wird, müssen wir uns verabschieden“, sagte Norbert Fröhlich. Die Grünen dagegen forderten die Einstellung des Flugbetriebes. Alle anderen Fraktionen wollen erst einmal abwarten, welche Handlungsoptionen ihnen im Herbst von Roland Berger vorgestellt werden.

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