Ein beeindruckendes Bild bot sich Passanten beim „Ochsen“ in Vöhrenbach: Rund 20 farbenprächtige Motorrad-Gespanne hatten sich zum Erinnerungsfoto aufgestellt.

Diese Motorräder stammen alle aus der Schweizer Manufaktur HMO und sind durchweg 35 Jahre und älter, also alles Oldtimer. Jedes Jahr treffen sich Freunde und Besitzer dieser exklusiven Motorrad-Marke zu gemeinsamen Unternehmungen. Am Samstagmorgen war der Ausgangspunkt wieder einmal das Gasthaus "Ochsen" in Vöhrenbach. Denn auch Ochsenwirt Klaus Ketterer – seit 1980 stolzer Besitzer eines solchen Motorrad-Gespanns – ist immer wieder bei diesen Treffen dabei.

HMO steht für Hegetschweiler Motos Ottenbach

Dieses Mal waren es HMO-Besitzer von Norddeutschland bis in die Schweiz, die in Vöhrenbach zusammenkamen. Die kleine, aber feine Schweizer Seitenwagen-Manufaktur HMO gehörte in den 1970er-Jahren zu den Wegbereitern des modernen Gespanns. 1975 eröffnete Firmengründer Paul Hegetschweiler in Ottenbach bei Zürich sein Motorradgeschäft. Schon vorher hatte er Beiwagen an Motorräder gebaut. Und so entstand auch der Marken-Name „HMO“ als Abkürzung aus „Hegetschweiler Motos Ottenbach“.

Seine Gespanne aus jener Ära besaßen bereits Schwingengabeln und – damals noch unübliche – Räder aus dem Pkw-Bau. Mittels spezieller Stahlnaben machte er diese für seine Zwecke passend. Dann entwickelte Hegetschweiler eigene Räder, zunächst aus Stahl, später in Leichtmetall-Legierung. Auch der verschiedentlich kopierte einsitzige Seitenwagen mit dem Türchen als Markenzeichen und dem Haupttank unterhalb des Gepäckabteils stammt aus dieser Zeit.

Nur 220 Exemplare

Insgesamt wurden rund 220 Exemplare dieser handwerklich gefertigten Motorrad-Gespanne hergestellt. Und 20 davon waren nun in Vöhrenbach zu Gast.

Die Fahrer sind zumeist älteren Semesters, denn wie einer der begeisterten HMO-Fahrer sagte: „Eine HMO hat man einmal und gibt sie nie wieder her!“ So sind die Besitzer, wie einer von ihnen sagte „mit unserer Maschine älter geworden“. Nach einer Tasse Kaffee im „Ochsen“ ging es auf Tour, erst einmal ins Hexenloch und dann weiter über St. Peter auf die Platte und zum Kandel. Weitere Stationen waren Bleibach, Freiamt und Elzach, bevor man in der Heimat von Rita Ketterer landete, dem Farnberg in Schönwald.

Die meisten Fahrer werden mit ihren Maschinen alt

Auch Ochsenwirt Klaus Ketterer kann einiges über sein HMO-Gespann erzählen, das er 1980 erworben hat. Das begann schon bei der Produktion der Maschine. Verschiedene Bauteile brachte er dafür aus Deutschland in die Schweizer Werkstatt von Paul Hegetschweiler. Doch dabei gab es ein Problem, denn die Teile mussten (in Form des fertig gestellten Gespanns oder einzeln) nach einer gewissen Frist wieder aus der Schweiz ausgeführt werden, damit kein Zoll fällig wurde.

Nachdem die Maschine aber zu diesem Stichtag noch nicht fertig war, fand man mit dem Produzenten Paul Hegetschweiler eine sehr spezielle, aber effektive Lösung: das unfertige Gespann und die übrigen Teile wurden wieder zurück nach Vöhrenbach gebracht. Der Motorradbauer kam gleich selbst mit und baute das Gerät in der Garage des Gasthauses "Ochsen" zusammen. Beim Tüv in Rastatt erfolgte die Abnahme.

Die Ski im Beiwagen

Klaus Ketterer war zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht verheiratet, doch besuchte er mit dieser Maschine dann seine Freundin Rita mehrfach an ihrem Arbeitsplatz in der Schweiz, bevor sie wenig später heirateten. Im Beiwagen waren manchmal auch die Ski mit unterwegs in die Schweiz.

Klaus Ketterer ging natürlich mit den HMO-Fans mit auf Tour durch den Südschwarzwald, mit seiner Frau Rita auf dem Sozius und Sohn Ludwig im Beiwagen.