Beim Welttheatertag ermöglichten die Akteure im Theater am Turm (TaT) einen spannenden, ausgedehnten Blick hinter die Kulissen der Bretter, die die Welt bedeuten. Dieser reichte von der Geschichte des Theaters, über einen Blick in Technik und Bühnenbau, bis hin zu einem Clown-Workshop und einem Schauspielschnellkurs.

Das kleine Theater an der Stadtmauer, eigentlich müsste es heißen mit der Stadtmauer, nahm zum ersten Mal an dem seit 1961 weltweit begangenen Tag teil. Mit der Stadtmauer deshalb, weil die hintere Längswand des Theaters direkt Teil der inneren Stadtmauer ist. Das und vieles mehr erfuhren die Besucher auf Nachfrage beim Exkurs in die Geschichte des Hauses. So war auch zu erfahren, dass in diesem Gebäude irgendwann in den 1920er-Jahren von der Druckerei Müller dort die erste Villinger Zeitung gedruckt wurde.

Bevor mit Henry Greif und dem Clown-Workshop das offizielle Vergnügen losging, plauderten TaT-Vorsitzender Jens Swadzba, die künstlerische Leiterin Liliana Valla und Reinhard Gackowski ein wenig aus dem Nähkästchen, und zwar über alles: Die Urväter des Theaters waren Eberhard Zimmermann und Walter Eichner, damaliger Kulturamtsleiter. Auf deren Initiative wurde 1987 das Sommertheater Villingen ins Leben gerufen, berichtete Jens Swazdba. Das Ziel, das kulturelle Sommerloch der Stadt zu stopfen sei erreicht worden. Erfolg und Zuspruch hätten im November 1991 zur Gründung der Kleinkunstbühne "Theater am Turm" geführt. Eine Auslastung von nahezu 95 Prozent spiegele Erfolg wie auch Akzeptanz bei den Bürgern wider.

Jörg Schlenker, Sohn Matti und Bernhard Fleig falten sich ihren eigenen Clown-Koffer.
Jörg Schlenker, Sohn Matti und Bernhard Fleig falten sich ihren eigenen Clown-Koffer. | Bild: Sabine Naiemi

"Es ist für Villingen wichtig, dass es eine Alternativkultur zum Theater am Ring gibt", findet Liliana Valla und ergänzt selbstbewusst: "Wir sind einfach gut." Reinhard Gackowski schaltete sich in das angeregte Gespräch ein: "Die Profis machen das, weil sie Geld verdienen müssen." Dadurch könne eine Rolle auch durchaus fehlbesetzt sein. Die Amateurschauspieler des TaT würden aus Begeisterung spielen, sich manchmal regelrecht auf eine Rolle "draufschmeißen". Die Leidenschaft halte alle zusammen. So ist Liliana Valla zum Beispiel seit 1992 beim Theater am Turm, Reinhard Gackowski seit 1993. Die gemeinsame Begeisterung aller schlägt deutlich spürbar durch.

Schließlich zückte Henry Greif, alias Clown Enrico, die rote Nase. Derer hatte er zehn Stück dabei, ebenso mehrere Meter Schnur, jede Menge Luftballons, Papiertüten, zehn Clown-Bücher und zehn Clown-Koffer im Miniformat. Nach einer Einführung ohne Worte, bei der er allein durch Pantomime mit dem Publikum spielte, durften sich kleine und große Besucher selbst versuchen und später selbst als Clown auf der Bühne die Kunst der Unterhaltung zelebrieren. Später gab es mit Ulrike Riesterer und Cornelia Burkart einen Schauspielschnellkurs mit vielen Übungen. Vielleicht bemerkte ja der eine oder andere dabei, dass ihm die Schauspielerei doch im Blut liegt, was aus Sicht der Theaterleute gar nicht schlecht wäre, da ständig schauspielerische Verstärkung gesucht wird.

 

Aktuelles Programm

Aktuell läuft im Theater am Turm die Komödie "Boeing Boeing". Nächster Termin ist heute, 28. März, um 20 Uhr. Weitere Aufführungstermine sind am 4., 6., 7., 11., 13. und 14. April. Der Eintritt kostet 14, ermäßigt 9 Euro. Seit Kurzem informiert übrigens eine Theater-App fürs Handy über Neuigkeiten.