Weit über 40 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind lebensverkürzend erkrankt, und dennoch sind Einrichtungen wie Kinderhospize und spezielle Kinderpflegedienste noch Inseln in Deutschland, die den steigenden Bedarf nicht decken können. „Mit der Kampagne ,Kinder-Lebens-Lauf’ möchten wir aufzeigen, wie vielfältig und lebendig Kinderhospizarbeit ist“, sagt Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz und ehrenamtliche Vorsitzende und Gründungsmitglied des internationalen Kinderpalliativnetzwerkes ICPCN.

  • Der Kinder-Lebens-Lauf: Er führt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Rollstuhl in 132 Tagen auf einer Strecke von rund 6000 Kilometern einmal rund durch Deutschland – mit einer Fackel, die von Läufer zu Läufer und von Kinderhospiz zu Kinderhospiz weitergegeben wird. Die Fackel trägt den englischen Namen Angel nach ihrer Namensgeberin Angelina, die 2013 mit 17 Jahren an einem Hirntumor starb. Ihr Vater gestaltete die Skulptur Angel – was auch Engel bedeutet – in Engelsform, die er dem Bundesverband Kinderhospiz schenkte. „Alle sind eingeladen, eine Strecke mit zu gehen oder zu fahren, denn nur durch gemeinsames Auftreten schaffen wir mehr Bekanntheit für die Kinderhospizarbeit“, so Kraft.
  • Der Streckenplan: Am 4. Juni war der Start in Berlin, seither führte der Fackellauf über Hamburg, Hannover, Wiesbaden, Mannheim, Stuttgart, Freiburg und Lenzkirch jetzt am Montag bis nach Villingen-Schwenningen. 60 Einrichtungen in 46 Städten wurden bis dahin besucht und 4000 Kilometer zurückgelegt.

In Villingen machte die Fackel Halt beim Kinderpflegedienst Kidi, um dort die Erinnerungstafel „Ich bin doch noch da“ des Freiburger Künstlers Christoph von Stein vorzustellen. Nächstes Ziel für die Fackel ist das Kinderhospiz Sternschnuppe in Schwenningen. Dann geht es über Donaueschingen weiter nach München und in weitere 27 Städte.

Der Abschluss findet dann am 13. Oktober – dem Welthospiztag – im Europapark in Rust statt. Mauritia Mack, Ehefrau des Europa-Park-Inhabers Jürgen Mack und Botschafterin des Bundesverbands Kinderhospiz, hat hierzu 500 Freikarten für betroffene Familien zur Verfügung gestellt.

  • Die Erinnerungstafel: Die kreisrunde Tafel beschreibt den Übergang vom Tod eines Kindes in den Himmel. Unabhängig davon, welcher Religionsgemeinschaft das Kind angehörte, wird es am Himmelstor von Engeln abgeholt und findet einen Platz auf der Wolke.

„Leider passiert es, dass Kinder sterben, aber in dem Moment, in dem sie sterben, sind sie wieder gesund, und sie leben in den Herzen der Eltern weiter“, beschreibt der Künstler Christoph von Stein sein Werk. Auf der Erinnerungstafel können die Eltern den Namen ihres Kindes auf die Wolke schreiben. „Ich bin doch noch da“ gab der Künstler den Titel seines Werkes, nämlich in den Herzen der Eltern. Aus vielen bunten Mosaiksteinen, die von Stein aus aller Welt gesammelt hat, hat er die Erinnerungstafel geschaffen.

  • Der Kinderpflegedienst Kidi: Seit 2014 betreut Kidi 35 bis 40 kranke Kinder und Jugendliche. „Wir haben an den Standorten Villingen, Freiburg und Singen 120 Mitarbeiter, um die Patienten in der häuslichen Pflegen zu betreuen“, sagt Sebastian Pietsch, geschäftsführender Gesellschafter von Kidi: Viele seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kämen aus Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen.

„Für unsere Mitarbeiter ist es wichtig, Zeit für die Kinder zu haben, in dem sie ein Kind über acht Stunden betreuen können und nicht im Zeitdruck einer Klinik stehen in der das Pflegepersonal für mehrere Patienten da sein müssen“, so Pietsch, selbst Kinderkrankenpfleger mit zusätzlichem betriebswirtschaftlichem Studium.

„Die Erinnerungstafel hilft unseren Betreuern und den Eltern beim letzten Gespräch, wenn ein Kind verstorben ist. Es wird auch der Einrichtung immer in Erinnerung bleiben“, erläuterte Pietsch.