An der B 523 bei Tuningen dröhnen im Sekundentakt Lastwagen und Autos vorbei. Über die Bundesstraße führt eine Brücke, gut 60 Meter lang. Hier quert die K 5711, die Tuningen mit dem Gewerbegebiet verbindet. Bernd Weimer inspiziert das Bauwerk von oben und von unten. Der 56-jährige gebürtige Schwenninger ist Bauwerkprüfingenieur. Er weiß aus Erfahrung um die Schwachstellen von Brücken. „Diese hier stammt aus den Siebzigerjahren und ist typisch für die damalige Bauweise. Sie ist aus Spannbeton. Im Inneren befinden sich zusätzlich zu der üblichen Stahlbewehrung hochfeste, gespannte Drähte. So soll der Beton unter Last quasi rissfrei bleiben", erklärt Weimer.

Brückenarbeiten an der B 523 bei Tuningen: Damit der Verkehr nicht allzu sehr behindert wird, müssen wichtige Arbeiten nachts ausgeführt werden.
Brückenarbeiten an der B 523 bei Tuningen: Damit der Verkehr nicht allzu sehr behindert wird, müssen wichtige Arbeiten nachts ausgeführt werden. | Bild: Joachim Mahrholdt

Aber auch an dieser Brücke nage der Zahn der Zeit, wenn im Laufe der Jahre Hunderttausende Fahrzeuge für Belastungen sorgen. „Brücken werden alle drei Jahre inspiziert im Zuge einer einfachen Prüfung, alle sechs Jahre in einer Hauptprüfung, entsprechend dem Regelwerk DIN 1076. Nach rund 35 Jahren besteht dann in aller Regel Sanierungsbedarf.“

 

Der Ingenieur zeigt auf die Aufkantungen zu beiden Seiten der Fahrbahn. In diese klammerartigen Brückenkappen sind die Geländer und die Schutzplanken eingelassen, dazwischen verläuft ein schmaler Fußweg. Sie dienen der Sicherheit und seien keine tragenden Teile der Brückenkonstruktion, so Weimer. „Im Laufe der Jahre leidet die Abdichtung zwischen Brückenkörper, Fahrbahnbelag und unter den Kappen. Dann kann Wasser eindringen. Durch die Tausalze des Winterdienstes bilden sich Chloride, die den Stahl im Beton angreifen", erklärt Bernd Weimer.

Tropfsteine unter der Brücke

Unter der Brücke wird klar, was er meint: Dort hängen Stalaktiten, Tropfsteine, der längste etwa 20 cm lang. Hier tritt Wasser aus, und das nicht erst seit gestern. Eigentlich, so Weimer, sollte man die Kappen ersetzen, aber das sei hier seitens des Auftraggebers nicht vorgesehen – aus Kostengründen. Deshalb werde nur ordentlich abgedichtet. Die Brücke über die B 523 ist eine von insgesamt elf Bauwerken, die bis Ende November 2018 saniert werden. Insgesamt kosten die Maßnahmen laut Regierungspräsidium Freiburg 3,7 Millionen Euro. Die Kosten übernimmt der Bund.

Ingenieur Bernd Weimer prüft eine Brücke bei Tuningen.
Ingenieur Bernd Weimer prüft eine Brücke bei Tuningen. | Bild: Joachim Mahrholdt

Alle Brücken entlang der B 523 seien vergleichbar und hätten ähnliche Dichtigkeitsprobleme, erklärt Weimer. Ihre Stabilität sei nicht gefährdet, aber eindringendes Wasser verkürze die Lebensdauer der Bauwerke. Deshalb würden neben den Randkappen insbesondere auch die Widerlager und die Pfeiler der Brücken geprüft. „Wenn hier auch nur leiseste Zweifel bestehen, werden entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Teilweise werden Bohrkerne entnommen und Spannglieder im Inneren mit dem Endoskop oder mittels Geo-Radar untersucht", erklärt Weimer. An dieser Brücke sei der Oberbau in Ordnung, er müsse an den Rändern und später mit einer neuen Fahrbahndecke nur abgedichtet werden: „Das hält dann wieder einige Jahre.“

Viele Brücken müssen bald saniert werden

Unterdessen zeigen Daten des Bundesamtes für Straßenwesen mit Sitz in Bergisch Gladbach, dass die Brücken im Kreis zwar sicher, aber mehrheitlich nicht frei von Mängeln sind. Das Bundesamt führt eine detaillierte Statistik, in der der Zeustand der meisten Brücken mit Schulnoten bewertet wird. Mit Blick auf die größeren Bauwerke der Region fällt auf, dass viele nur ein befriedigendes Ergebnis erzielen. So werden die Brücke der B 27 über die Donau bei Donaueschingen und die Eschachtal- und Donautalbrücke auf der A 81 nur mit 3,0 bewertet. Dagegen die die Brücke der B 500 oberhalb von Furtwangen mit einer Note von 1,1 fast makellos. Viele weitere Brücken erzielen Werte im Zweier-Bereich.

Bild: Ute Schönlein

Welche Mängel die Brücken genau aufweisen, wird in der Statistik nicht erwähnt. Die Benotung lasse die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen erkennen, gebe jedoch keinen Aufschluss über Art und Umfang der Schäden, heißt es zur Erklärung. "Eine Zustandsnote von 3,0 bis 3,4 (nicht ausreichender Bauwerkszustand) bedeutet somit nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern ist vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen ist", so das Bundesamt. Das bestätigt auch das Regierungspräsidium Freiburg. "Es gibt hier keine einsturzgefährdeten Brücken", betont Pressesprecher Matthias Henrich. Klar ist indes, dass viele Brücken mit mäßiger Bewertung in den kommenden Jahren saniert werden müssen.

Diese Brücken wurden jüngst saniert

Elf größere Bauprojekte im Zusammenhang mit Brücken wurden laut Regierungspräsidium Freiburg in den vergangenen drei Jahren umgesetzt. 2015 wurde die Fußgängerbrücke an der Bundesstraße 33 in Gremmelsbach instand gesetzt. Zudem wurde die Brücke der B 500 an der Kalten Herberge und die Brücken südlich von Schweizergrund und die Brücke über die B 500 bei Neukirch saniert. Außerdem wurde die Brücke der B 500 an der Ortsdurchfahrt von Furtwangen über Breg und Schützenbach gemacht.

2017 wurde die Brücke der L 180, die über die B 27 führt, renoviert. Im selben Jahr wurde die Brücke der B 523 über die L 429 bei Tuningen und die Brücken in den Ortsdurchfahrten von Vöhrenbach und Hüfingen saniert.

2018 wurden neben den elf Brücken bei Tuningen die Brücke der B 523 über die B 27 bei der Schwenninger Messe saniert. Im Schwarzwald wurde außerdem die Verdohlung der Gutach bei Gremmelsbach neu gemacht. Hier führt die B 33 über den Bach. (kbr)