Seit einigen Jahren schon stand das Haus Oberndorfer Straße 5 leer. Die Stadt hatte das Gebäude an prominenter Stelle am oberen Ende des Rathausplatzes im Dezember 2012 gekauft, um es vor dem weiteren Verfall zu retten. Bis auf den Celik Market im Untergeschoss waren im Laufe der Zeit alle Mieter ausgezogen. Vor genau zwei Jahren hatte der Gemeinderat jedoch beschlossen, das Hutter-Haus wieder zu verkaufen.

Der Herzblut-Schramberger

Dieser Tage nun haben Handwerker begonnen, das Gebäude leer zu räumen. Auf Anfrage berichtet die Sprecherin der Stadt Schramberg, Susanne Gorgs-Mager, dass der neue Eigentümer der Unternehmer Thilo Albrecht sei, der Vertrag sei „in trockenen Tüchern“. Albrecht möchte Büros und Wohnungen in dem Haus einrichten. Der Celic Market solle „auf jeden Fall“ bleiben: „Ich habe momentan die Priorität auf die anderen Geschosse gelegt.“ Der Werbefachmann (“ich bin ein Herzblut-Schramberger“) hatte das Haus gekauft, weil „abreißen, wie schon zu oft geschehen, keine Option ist“, wie er sagt.

Gutachten wird erstellt

Weil das Hutter-Haus unter Denkmalschutz steht, wird es noch eine Weile dauern, bis die ersten neuen Mieter einziehen können, so Albrecht. Die Bauhandwerker hätten die in den Jahren hinzugekommenen Einbauten entfernt und „alles mal soweit freigelegt, dass man sieht, was aus der guten alten Zeit noch sichtbar oder erhalten ist“. Um die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllen zu können, lässt Albrecht gerade von einem Restaurator ein Gutachten erstellen. „Erst danach werden die weiteren Schritte geplant.“ Dafür hat er sich zwei in Denkmalschutzangelegenheiten erfahrene Fachleute geholt: den Architekten Jürgen Bihlmaier und den Innenarchitekten Arkas Förstner. Die beiden haben den Umbau des Junghans-Terrassenbau in ein Museum geplant und durchgezogen.

Der Gebäude-Pate

Albrecht hofft, dass seinem Beispiel auch andere folgen werden: „Ich sehe mich auch als Paten dieses stadtgeschichtlich sehr interessanten Gebäudes, und würde mir wünschen, dass noch weitere Schramberger Patenschaften für historisch wertvolle Gebäude übernehmen würden.“

Das Hutter-Haus

1876 hat der Wundarzt Anton Hezel das Haus für sich bauen lassen. Bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts diente es als Ärztehaus. Ein Äskulapstab am Gebäude zeigt dies bis heute. Der Bau gilt als eines der schönsten Bürgerhäuser Schrambergs aus der wilhelminischen Zeit. Der letzte Arzt, der hier seine Praxis hatte, Ernst Hermann, verkaufte das Haus an den Geschäftsmann Albert Hutter. Daher kommt der Name „Hutter-Haus“. (him)