Pfohren – Donald Trump würde ihn vermutlich schätzen und hätte ihn vielleicht sogar zum CIA-Chef oder Justizminister in seiner Regierung gemacht, wenn Andreas Willmann nicht 200 Jahre zu früh geboren worden wäre. Willmann war Republikaner wie Donald Trump und unterstützte sogar drei Präsidentschaftskandidaten aktiv und teilweise auch effektiv in deren jeweiligen Wahlkampagnen. Zuerst John C. Frémont, der 1856 als erster Republikaner für das hohe Staatsamt kandidierte, bei der Wahl aber dem Bewerber der Demokraten unterlag. Auch in den Wahlkämpfen von Abraham Lincoln 1961 und 1964 und Ulysses S. Grant 1868, die jeweils zu US-Präsidenten gewählt wurden, war Willmann eifriger Unterstützer.

Er und seine Mitstreiter, Forty-Eighters und Schnurrbärte genannt, hatten am Wahlerfolg der beiden sogar einen wesentlichen Anteil. Sie waren es nämlich, die den Wahlkämpfen den notwendigen Schwung gaben und insbesondere die deutschen Einwanderer mit Bierzelt-Events à la politischer Aschermittwoch für die Wahl mobilisierten. Immer noch beseelt von ihrem revolutionären Kampf im Großherzogtum Baden und in anderen deutschen Fürstenstaaten und Königreichen hatten sie in den USA mit der Forderung nach der Befreiung der Sklaven aus dem Joch der Grundherren ein Wahlkampfthema gefunden, das ihrem revolutionären Einsatz in Deutschland nicht unähnlich war. Im amerikanischen Bürgerkrieg kämpfte Andreas Willmann dann mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für dieses Ziel. So hatte er maßgeblichen Anteil an der Aufstellung von mehreren Freiwilligen-Regimenten, die sich aus deutschen Auswanderern rekrutierten sowie der Neuorganisation des 7. New Yorker Infanterie-Regiments, des Steuben-Regiments.

In dem nach dem Tod von Andreas Willmann in der New York Times am 5. März 1878 abgedruckten Nachruf wurde Andreas Willmann als einer der bekanntesten Deutschen in den USA bezeichnet.

Und wie wurde der wohl berühmteste Pfohrener in seiner Heimat gewürdigt? Lange Zeit überhaupt nicht, er schien sogar in Vergessenheit geraten zu sein. Es könnte aber auch sein, dass man sich hier an die Revolutionszeit nicht mehr so gerne erinnerte. Bei deren Aufarbeitung hatten nämlich die badischen Justizbehörden gegen 32 Pfohrener, die der „Umsturzpartei“ zugerechnet wurden, strafrechtlich ermittelt, wie der Ortschronik entnommen werden kann.

Auch hatte die Gemeinde noch Jahre nach den revolutionären Ereignissen mit einer Finanzumlage an den dem Großherzogtum Baden durch die Revolution entstandenen Kosten zu beteiligen. In der Pfohrener Ortschronik ist auch nachzulesen, dass ein so genannter Freischärler, der am Heckerzug beteiligt war, sich in der Zeit nach der Revolution vom Revolutionär zum braven Monarchisten gewandelt und als solcher dann auch die Meinung vertreten hatte, dass die Revolution von „verrückten Advokaten und anderem Gesindel“ ausgelöst worden war.

Umfassend über den Einsatz von Andreas Willmann für die Menschenrechte, in Form von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie sie in der Französischen Revolution in Frankreich erkämpft worden waren, haben die Pfohrener erstmals in der im Jahr 2001 herausgegebenen Ortschronik erfahren. Die Stadt Donaueschingen war es schließlich, die diesen Einsatz des berühmtesten Pfohreners mit der Benennung des Platzes hinter dem Bahnhof im Sommer 2012 („Andreas-Willmann-Platz“) und einem Denkmal würdigte. Dort, im Gewann Rübäcker, hatten sich die Revolutionäre der Baar 1848 zu einer großen Versammlung getroffen. Pfohren zog später mit einem kleinen Denkmal vor dem Rathaus nach.

Großer Sohn der Gemeinde und ein großes Fest

  • Der Revolutionär: Der Revolutionär Andreas Willmann wurde am 18. November 1819 in Pfohren geboren. Seine Eltern waren Jakob Willmann und Katharina Willmann. Gestorben ist er am 4. März 1878 in New York. Er war zuerst Schüler am Fürstenberg Gymnasium (damals noch Progymnasium) in Donaueschingen und machte sein Abitur in Rastatt. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg, Heidelberg und Bonn. Mit Beginn der Revolution von 1848 war er mit abgeschlossenem Jura-Studium Rechtskandidat. Im März 1848 wurde er für den Seekreis zum Abgeordneten für das Vorparlament in Frankfurt bestimmt. Beim so genannten Heckerzug von Konstanz in Richtung Landeshauptstadt Karlsruhe im April 1848 war er an der Seite von Friedrich Hecker.Nach dem Gefecht bei Kandern floh er zusammen mit Hecker in die Schweiz. Während der zunächst erfolgreichen Mai-Revolution von 1849 war Andreas Willmann Oberzivil- und Oberkriegskommissär für den Seekreis (Konstanz) und den Oberrheinkreis (Freiburg) und ab Mai 1849 sogar Mitglied des Landesausschusses (Minister der revolutionären Regierung) in Karlsruhe und im Juni 1849 Mitglied der Badischen verfassungsgebenden Versammlung. Nach Niederschlagung der Revolution verurteilte ihn das Badische Hofgericht in Bruchsal 1850 wegen Hochverrats zu einer langjährigen Zuchthausstrafe. Mit der Flucht und der Auswanderung 1851 in die USA entzog sich Andreas Willmann der Strafverbüßung. Seine ersten Dollars verdiente er sich in New York als Weinhändler und Privatlehrer. Danach war er als Buchhalter, Gerichtsdolmetscher, Zeitungsherausgeber, Finanzamtschef und Hotelier tätig. Nach seiner Einbürgerung schloss er sich 1857 der 1854 gegründeten Republikanischen Partei an. 1860 gründete er zusammen mit 30 weiteren Personen die Stadtsparkasse New York. Zeitweise war er deren Vizedirektor.
  • Das Dorffest: Vom 30. Juni bis 2. Juli wird das 1200-Jahr-Jubiläum Pfohrens gefeiert. Rund um die Entenburg gibt es eine Zeitreise ins Mittelalter: Handwerker, Händler und Gaukler werden ihre Zelte aufschlagen. Die Besucher können einen Markt und ein mittelalterliches Lager mit zahlreichen Gruppen erleben. Die Tavernen der Pfohrener Vereine laden zum Verweilen ein und auf zwei Bühnen gibt es Musik, Tanz, Gesang, keltische Modenschauen, Schwertkämpfe, Feuer- und Falknershows. (zim/gvo)