Psychische Erkrankungen sind ein Tabuthema. Man spricht nicht darüber: Dieses Schweigen gilt, obwohl viele Menschen unter depressiven Störungen leiden, sowohl für Betroffene wie auch die öffentliche Diskussion. Deshalb stehen die Wolterdinger Lydia Egle und Michael Demond vor einem riesengroßen Schritt. Am Freitag, 15. Februar, sprechen sie im Rahmen eines Vortrags im Feuerwehrgerätehaus Wolterdingen offen über ihre Krankheit. Sie sind der Meinung, dass man über diese Krankheit reden musss.

Lydia Egle lebt seit etwa 20 Jahren mit dieser Krankheit. Doch habe es lange gedauert, bis man dahinter kam, dass sie an Depressionen leidet, erzählt die 60-Jährige. Ein ausschlaggebender Punkt sei der frühe Tod ihres ersten Ehemanns gewesen, den sie nicht verarbeiten konnte. Die gelernte Drogistin fühlte sich geschäftlich und auch im Alltag überfordert. Und sie hatte panische Angst vor Urlaub. "Dies hat meinen normalen geregelten Tagesablauf durcheinander gebracht, und damit bin ich nicht mehr klar gekommen. Von heute auf morgen herrschte verdrehte Welt. Die einfachsten Dinge habe sie nicht mehr auf die Reihe gebracht."

"Ich muss trotzdem achtsam sein"

Sehr schlimm empfunden habe die verheiratete Mutter eines Sohnes auch, dass sie sich auch nicht mehr darüber freuen konnte, wenn ihr Angehörige eine Freude bereiten wollten. Erst nach vielen Gesprächen mit kompetenten Menschen, Medikamenten, einer zweijährige Therapie und zwei Rehabilitations-Aufenthalten, komme sie jetzt gut damit zurecht. "Doch ich muss trotzdem auch achtsam sein, denn zu viele Anforderungen können mich wieder aus der Bahn werfen", erklärt sie.

Bewundernswert offen spricht auch Michael Demond über seine Krankheit, deren Ursprung wohl in der Pubertät liegt. Demond nennt eine unterbundene Persönlichkeitsfindung. "Man wird innerlich ein Wrack, ist traurig, leidet unter Stimmungsschwankungen, der Alltag lässt sich kaum mehr bewältigen. Man ist den Anforderungen nicht mehr gewachsen und stellt auch überhöhte Ansprüche an sich selbst", erzählt der 56-jährige Forstwirt.

Auch massive Suizidgedanken hätten sich bei ihm eingeschlichen. Er fiel in ein Loch und geriet in Panik. "Die Depression spielt mit dem Menschen. In einer Höhenphase habe ich sogar einen neuen Traktor gekauft, ohne dies vorher mit meiner Familie abzusprechen", fügt der zweifache Familienvater an. Dann habe er bemerkt, dass diese Krankheit kein Schnupfen oder eine Grippe sei. Ohne fremde Hilfe ging es nicht mehr. Und so nahm der Ortschaftsrat für mehrere Monate einen stationären Klinikaufenthalt auf sich. Zudem sei auch noch ein stabiles Umfeld sehr wichtig.

Lydia Egle und Michael Demond haben vor einiger Zeit in Villingen an einem Vortrag zu diesem Thema teilgenommen. Nun wollen sie, indem sie mit der eigenen Lebensgeschichte an die Öffentlichkeit gehen, Betroffenen Mut machen. Den eigentlichen Vortrag über Depressionen und depressive Störungen hält die Psychotherapeutin und Ärztin Marianne Kammerer-Hoch aus Bräunlingen. Beginn ist um 19 Uhr.