Als 1997 der Film Titanic über die Kinoleinwände flimmerte und Millionen in die Kassen spülte, da sah das Donaueschinger Publikum im Gebäude des heutigen Museum Art Plus, wie Leonardo DiCaprio im eiskalten Atlantikwasser in der Tiefe verschwand. Das Kino hatte hier jedoch keine Zukunft, schloss seine Pforten. 

Als quasi kinolose Stadt versorgten sich Donaueschinger Cineasten im Guckloch Kino im alten Cinema der Franzosen mit ihren Streifen. Bis zum Oktober 2017. Da kam ein weiterer Anbieter: Leopold Winterhalder, Betreiber des Krone-Theaters in Titisee-Neustadt, bietet seitdem unter der Bezeichnung „Cinebaar“ ebenfalls im Saal in der Friedhofstraße immer wochenends Kinofilme an.

Wie läuft es mittlerweile im Kino?

„Hinsichtlich der Umsatz- und Besucherzahlen haben wir ein wenig mehr erwartet“, erklärt Winterhalder. Der Saal mit insgesamt 250 Plätzen sei bisher zwar schon einige Male sehr voll gewesen, allerdings nie komplett ausgebucht. Allerdings habe man ein großes Stammkino und sei in dieser Hinsicht zufrieden. Besonders viele Besucher habe man im Saal, wenn auch die Regisseure des Filmes mit dabei sind. Veranstaltungen dieser Art gab es schon einige, etwa mit dem Löffinger Naturfilmer Simon Straetker, der in Donaueschingen das Wirtschaftsgymnasium besucht hat, oder kürzlich Benjamin Eicher, der als erster Weißer dazu eingeladen wurde, in Kenia ein Krieger der Massai zu werden.

Einen Durchhänger

„Herbst-Winter 2019 hatten wir ein bisschen einen Durchhänger, über den wir uns gewundert haben. Jetzt geht es gerade wieder aufwärts, das Einzugsgebiet nimmt zu“, erklärt der Betreiber. Mit Angebot und Profil grenze man sich bewusst von den Kinos in Tuttlingen und Villingen-Schwenningen ab. „Wir dachten, dass das in Donaueschingen ein Vorteil sein wird.“ Einen richtigen A-Blockbuster zu bringen, das sei an völlig andere Auflagen der Verleiher geknüpft. Die müssen dann etwa jede Vorstellung über einen bestimmten Zeitraum zu sehen sein: „Das ginge vielleicht bei Star Wars mal. Aber da ist dann wieder eine andere Technik notwendig“, so Winterhalder.

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In einem belebten Gebiet

„Das Umfeld ist halt noch ungünstig“, so der Betreiber. Doch das soll sich in geraumer Zeit ändern. Momentan befindet sich das Kino neben dem Friedhof und der ehemaligen Erstaufnahme für Flüchtlinge, die mittlerweile leer steht. Dort wird allerdings der neue Stadtteil Am Buchberg entstehen. Dann stünde das Cinebaar plötzlich in einem belebten Gebiet zwischen potenziellen Kinogängern in der Nachbarschaft.

So habe man bisher in das Gebäude nicht viel investieren können: „Bisher war der Bund immer Eigentümer. Die wollten nicht, dass was gemacht wird. In die Technik haben wir investiert, die ist neu. Sonst konnten wir nichts machen“, so Winterhalder. Machen könnte man allerdings etwas daraus. Und Ideen hätte Winterhalder genügend. „Wir haben vieles auch schon durchgespielt.“

Interesse ist da

Der Stand-by-Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung ist auf den 31. Januar hin offiziell beendet und der Rückbau der Einrichtung wird beginnen. Spätestens zum 30. Juni soll das Gelände dann an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergeben werden. Im Anschluss will die Stadt hier weiter an dem neuen Stadtteil arbeiten. Ein Stadtteil, in dem auch ein Kino Platz hätte? „Wir haben definitiv Interesse“, erklärt Winterhalder. Er gehe davon aus, dass das auch seitens der Stadt der Fall sei: „Jetzt müssen wir einen Termin ausmachen und darüber reden.“

Wie geht‘s weiter

Zum 31. Januar 2020 wird der Stand-by-Betrieb beendet und der endgültige Rückbau der Aufnahmeeinrichtung erfolgen. „Das Gebäude liegt im südlichen Bereich des Konversionsgebiets und befindet sich derzeit noch im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)“, erklärt Rathaussprecherin Beatrix Grüninger. Zusammen mit dem Südteil wird es zum 30. Juni ins Eigentum der Konversions- und Entwicklungsgesellschaft mbH Donaueschingen (KEG) übergehen.

Ein Kino im Konzept

„Sobald sich das Gebäude im Eigentum der KEG befindet wird diese mit den Nutzern dann einen entsprechenden Mietvertrag abschließen“, so Grüninger weiter. Der Rahmenplan zur Gestaltung des neuen Areals verfolge auch das Ziel, ein lebendiges Quartier zu entwickeln, das neben Wohnraum auch Bildungseinrichtungen, eine Kultureinrichtung sowie einen Nahversorger beheimate: „Das Kino ist Teil dieses Konzepts und eine willkommene Freizeiteinrichtung“. Gespräche mit dem Kinobetreiber habe es noch nicht gegeben, grundsätzlich sei eine Sanierung des Gebäudes eine Thematik, die zu prüfen sein werde.

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