Man sieht es dieser Tage landauf und landab. Apfel-, Birnen- oder Zwetschgenbäume hängen voll mit Früchten. Doch wohin mit dem ganzen Obst? Jedes Jahr verderben Unmengen an Obst am Baum oder verfaulen als Fallobst am Boden. Die Bäume können oft aus den unterschiedlichsten Gründen von ihren Eigentümern nicht abgeerntet werden. Und Menschen, die sich gerne um das Obst kümmern würden, trauen sich nicht.

So war das bis vor kurzem auch in Riedböhringen. Im Pfarrgarten stehen Obstbäume, die in diesem Jahr reichlich Frucht tragen. Sie sind mit gelben Bändern versehen. Die Bänder sind äußeres Kennzeichen für das Projekt „Gelbes Band“.

Der pensionierte Pfarrer Erwin Roser (von links), Pfarrgemeinderätin Birgit Greif sowie Peter und Luzia Baumann lesen im Pfarrgarten in Riedböhringen Äpfel auf.
Der pensionierte Pfarrer Erwin Roser (von links), Pfarrgemeinderätin Birgit Greif sowie Peter und Luzia Baumann lesen im Pfarrgarten in Riedböhringen Äpfel auf. | Bild: Lena-Marie Baschnagel

Die Teilnahme ist denkbar einfach. Eigentlich gehört das Obst nur dem Eigentümer des Baums und darf rechtlich gesehen auch nur von diesem gepflückt und aufgelesen werden. Mit einem gelben Band, das er am Baum drapiert, markiert der Eigentümer das Obst als Allgemeingut und jede Person darf sich ohne weitere Rücksprache mit dem Eigentümer jederzeit gratis an dem Obst bedienen.

Ziel ist es, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Dazu kommt, dass es mit der Aktion „Gelbes Band“ auch gelingen soll, das Obst von Streuobstwiesen noch besser zu verwerten.

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Am Projekt kann man ganz unverbindlich teilnehmen. So treffen Interessierte seit Kurzem auch im Riedböhringer Pfarrgarten auf gelbe Bänder an den Obstbäumen. „Das Obst ist sowieso da“, sagt Luzia Baumann, die sich gemeinsam mit ihrem Mann Peter um den Pfarrgarten in Riedböhringen kümmert. „Wir haben bereits viele Bewohner darauf angesprochen, sich zu bedienen, doch viele scheinen sich einfach nicht zu trauen“, bedauert sie ein wenig.

Im Gemeindeteam besprach man diese schüchterne Bescheidenheit an und stieß dann auf das Projekt „Gelbes Band“. „Das Obst wäre viel zu schade dafür, am Boden zu verfaulen“, betont Luzia Baumann.

Im Riedböhringer Pfarrgarten sind die gelben Bänder statt an den Stämmen an Ästen angebracht, damit sie von der Straße aus besser sichtbar sind.
Im Riedböhringer Pfarrgarten sind die gelben Bänder statt an den Stämmen an Ästen angebracht, damit sie von der Straße aus besser sichtbar sind. | Bild: Lena-Marie Baschnagel

Birgit Greif, eine der beiden Pfarrgemeinderätinnen aus Riedböhringen, erklärt, dass sich viele sicherlich nicht trauen würden, da es unangenehm sei, sich an fremden Bäumen zu bedienen. Man habe zwar eine Erlaubnis erhalten, doch das wüssten die Menschen in der Umgebung nicht, wodurch diese Situation schnell unangenehm werden könne.

Abernten nicht nur erlaubt, sondern sogar sehr erwünscht

Die gelben Schleifen könnten da Unsicherheit abbauen. „Durch dieses Projekt ist für jede und jeden klar ersichtlich, dass es erlaubt ist, Obst von diesem Baum mitzunehmen“, freut sich Birgit Greif.

Damit die gelben Bänder im Pfarrgarten von der Straße aus besser ersichtlich sind, wurden sie nicht um den Stamm gebunden, sondern hängen an den Ästen. Auch hier gilt die Regel: Die Bäume, welche mit Bändern gekennzeichnet sind, dürfen gern von jedem, der mag, abgeerntet werden. Das ist sogar sehr erwünscht.

So findet Obst Verwendung

  • Gelbes Band: Um der Verschwendung von Lebensmitteln etwas entgegen zu setzen, entstand 2019 das Projekt „Gelbes Band“. Im Landkreis Esslingen wurde es vor ungefähr einem Jahr ins Leben gerufen und hat sich im Südwesten bereits in vielen Orten etabliert. Ende Mai wurde das Ernteprojekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Bundespreis „Zu gut für die Tonne!“ ausgezeichnet. Der Ursprung der Symbolik des gelben Bandes liegt in der Zeit der Weltkriege. Hier standen gelbe Tücher Soldaten gegenüber für Solidarität und Verbundenheit. Oft wurden mit Glückwünschen bestickte gelbe Stoffe an Gartenzäune gehängt. In Anlehnung an diese Solidarität in schweren Zeiten stammt die Symbolik der Aktion „Gelbes Band“.
  • Streuobst-Projekt: Sven Hinterseh, Landrat im Schwarzwald-Baar-Kreis, hat diesen Beitrag zur Artenvielfalt initiiert, der Landschaftserhaltungverband Schwarzwald-Baar und Bad Dürrheimer Mineralbrunnen setzen dabei auf das Projekt „Streuobstschorle“: Das Unternehmen kauft Streuobst weit über Marktpreis zu 20 Euro je 100 Kilogramm auf, verarbeitet das Obst zur Schorle und spendet je Flasche zehn Cent für die Förderung von Streuobstwiesen und andere regionale Naturschutzprojekte. Der Landschaftserhaltungsverband koordiniert die Obstannahme und die Auswahl der Wiesen und Bäume. Für die Ernte dieses Jahres sei das Kontingent nahezu erschöpft. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (07 71) 92 91 85 05.

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