Wo ist die Gefahr für Hochwasser in Stockach und den Ortsteilen am größten? Diese Frage und welche Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen möglich wären, standen im Fokus einer Präsentation der Flussgebietsuntersuchung für das Einzugsgebiet der Stockacher Aach im Gemeinderat. Dabei zeigte sich, dass die Kernstadt und jeder Ortsteil Bedarf hätte – mal nur bei einzelnen Gebäuden, mal aber auch großflächig und mit Kosten im Millionenbereich. Es ging allerdings zunächst nur um den Überblick und noch nicht um konkrete Baumaßnahmen.

Situation und Vorschläge

Sune Wlokas und Martin Beinhorn vom Ingenieurbüro Wald und Corbe aus Hügelsheim stellten die Ergebnisse der Flussgebietsuntersuchung vor. In der Betrachtung ging es um eine Bestandsanalyse, ein Konzept für Maßnahmen und auch eine Kosten-Nutzen-Analyse. Es gebe drei Möglichkeiten des Hochwasserschutzes, stellte Wlokas dar. Diese seien der Ausbau der Gewässer, der Schutz einzelner Objekte und Rückhaltemaßnahmen. „Das Ziel ist, die Kurve abzuflachen“, sagte er.

Mögliche Standorte für Rückhaltebecken seien verworfen worden, da die notwendigen Dimensionen, wie zum Beispiel 110.000 Kubikmeter Fassungsvermögen und elf Meter Dammhöhe bei Zizenhausen, nicht realisierbar wären.

Der Gemeinderat von Stockach tagt mit entsprechenden Abständen im Bürgerhaus Adler Post.
Der Gemeinderat von Stockach tagt mit entsprechenden Abständen im Bürgerhaus Adler Post. | Bild: Löffler, Ramona

Martin Beinhorn stellte einige Kartenmodelle vor, die zeigen, wie viel in einem Bereich bei einem bestimmten Hochwassergrad (siehe untten) überflutet wäre. Im Bereich des Kanals an der Bahnhofstraße liegt der Schutzgrad momentan bei HQ 20. Bei einem HQ 100 wären zum Beispiel große Teile um den Bahnhof, die Bahnhofstraße und die Heinrich-Fahr-Straße unter Wasser. Als mögliche Lösung nannte Beinhorn unter anderem ein Absperrbauwerk im Bereich zwischen der Einmündung Höllstraße und der Doppel-Baustelle ZG/Aldi.

In der Waldstraße könnte laut Beinhorn eine Gewässeraufweitung um circa 10 Meter auf einer Länge von rund 350 Metern gegen Überflutungen schützen. Beim Freibad gäbe es bei einem HQ 100 ebenfalls Überschwemmungen. Dort wären vor allem der Tennisplatz und Wiesenflächen betroffen. Ein anderes Beispiel war die Straße „Im Winkel“ in Wahlwies. Dort wäre es etwas schwieriger, etwas zu tun, weil die Stockacher Aach aufgeweitet und die Brücke breiter werden müsste, so Beinhorn.

Mögliche Kosten

Alle aufgelisteten Maßnahmen in der Kernstadt und den Ortsteilen lägen bei 6,6 Millionen Euro, erklärte Martin Beinhorn. Davon wären im Kernstadtbereich 3,12 Millionen Euro notwendig. In Wahlwies wären es 1,48 Millionen Euro, wozu Ortsvorsteher Udo Pelker (FWV) bemerkte: „Das ist jeden Cent wert.“

Der Gemeinderat tagt mit entsprechenden Abständen im Bürgerhaus Adler Post. Dabei gibt es nur Stühle – keine Tische. Für Wortmeldungen sind Mikrophone aufgebaut.
Der Gemeinderat tagt mit entsprechenden Abständen im Bürgerhaus Adler Post. Dabei gibt es nur Stühle – keine Tische. Für Wortmeldungen sind Mikrophone aufgebaut. | Bild: Löffler, Ramona

In Winterspüren lägen die Kosten bei 1,52 Millionen Euro, in Espasingen bei 62.000 Euro, in Zizenhausen bei 217.000 Euro, in Mahlspüren im Tal bei 180.000 Euro und in Hoppetenzell bei 25.000 Euro. Insgesamt geht es in den genannten Ortsteilen um 22 Bereiche, an denen teilweise ein Objektschutz reichen würde. An anderen Stellen wären es Gewässeraufweitungen, Verwallungen, ein Bypass oder Ablaufbauwerke.

Förderungen

Das Land fördere den Hochwasserschutz mit bis zu 70 Prozent der Kosten, erklärte Beinhorn. Dazu müsse aber die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden. Das sei mit dem Gesamtkonzeption nicht möglich – nur in den Bereichen Hoppetenzell, Zizenhausen, Winterspüren, Mahlspüren im Tal/Seelfingen. In Stockach seien aufgrund der Pro-Kopf-Belastung rund 60 Prozent Zuschüsse möglich.

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Anregungen der Räte

Jürgen Kragler (CDU) sprach den Bereich der Grundschule Winterspüren an, wo schon öfters Wasser übergetreten sei. Beinhorn erklärte jedoch, dass die Untersuchung sich auf die Aach beschränkte, neben der Schule aber der Tobel fließe. Er erkundigte sich, ob die Maßnahmen negative Auswirkungen auf andere Gebiete haben könnten. Beinhorn erklärte, dass es deshalb ein Verschlechterungsverbot gebe.

Udo Pelkner (FWV) sagte zu Wahlwies: „Bei uns kommt alles an.“ Er erkundigte sich daher nach einer Wanne oder einem Deich, damit das Wasser zurückgehalten werden und geordnet fließen könnte. Seine Hoffnung war, dass dann andere Maßnahmen entfallen könnten. Die Referenten erläuterten jedoch, dass ein sehr großes Volumen notwendig wäre und die Kosten schnell bei fünf bis sechs Millionen lägen.

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Claudia Weber-Bastong (SPD) wies auf den Erfolg von Renaturierungen hin. Laut Beinhorn brauche das allerdings viel Platz.

Wie es jetzt weitergeht

„Wir schauen, was an Geld zur Verfügung steht“, sagte Willi Schirmeister, Leiter des Stadtbauamts. Im Bereich der Baustelle der ZG und des zweiten Aldis „machen wir schon etwas“. Bürgermeister Rainer Stolz ergänzte: „Wir machen eine Priorisierung.“ Im Hinblick auf die notwendigen Mittel müsse eine Reihenfolge festgelegt und über mehrere Jahre verteilt werden.

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