Für Frank Sauer ist der 29. Juli der letzte Schultag vor den Sommerferien. Was für tausende von Lehrern und Schülern in ganz Baden-Württemberg gilt, hat für Sauer aber eine andere Tragweite. Nach fünf Jahren endet für ihn seine Zeit als Leiter der Stockacher Grundschule mit ihrer Außenstelle in Zizenhausen. Der Pädagoge, der im nächsten Schuljahr 60 Jahre alt wird, gibt seinem Leben eine neue Richtung und geht wieder in den Auslandsschuldienst, dieses Mal an die deutsche Schule in Lissabon. Dort wird er, zunächst befristet für drei Jahre, Leiter der Abteilung Grundschule.

Dabei hätte er jetzt auch einfach bis zum Ruhestand in Stockach weitermachen können. Die Grundschule in Stockach sei eine sehr gute Wahl für ihn gewesen, sagt Sauer. Die Größe der Schule und die Lage in der Nähe des Bodensees hätten super gepasst, erzählt der Mann, der in der Freizeit gerne segelt. Und seine Frau gebe für den Umzug nach Portugal ihren Traumjob als Schulsozialarbeiterin in Überlingen auf. Dennoch habe sie beide die Möglichkeit gereizt, noch ein neues Kapitel aufzuschlagen, auch wenn es dafür keine echte Notwendigkeit gegeben habe: „Das ist jetzt noch einmal eine Chance.“

„Die Stockacher Grundschule steht sehr gut da“

Natürlich gehe er auch mit Bedauern von Stockach weg, erzählt Sauer, zumal die Lehrer derzeit unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Krise arbeiten. Ein bisschen schlechtes Gewissen schwinge da schon mit. Auch das Kollegium werde er sehr vermissen. Doch die Schule stehe sehr gut da, weshalb er auch mit einem guten Gefühl die nächste Station ansteuere. Sauer beschreibt den Reiz des Auslandsschulwesens: „Man kann in einen anderen Kulturkreis nicht tiefer eintauchen, als im Ausland zu arbeiten“, sagt er, der mit Kritik an der heimischen Schulpolitik nie hinter dem Berg gehalten hat. Und er betont, dass der neue Schritt keine Entscheidung gegen Stockach, sondern für Lissabon gewesen sei.

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Den Reiz der Arbeit im Ausland kann man auch an Sauers bisherigem Karriereweg ablesen. Ende der 1980er-Jahre habe es kaum Einstellungschancen im baden-württembergischen Schuldienst gegeben, erzählt er. Da sei er zunächst für ein paar Jahre nach Argentinien gegangen, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Nach einer kurzen Zeit in Deutschland ging er ab 1994 für sieben Jahre nach Singapur, wo er seine Frau kennenlernte und wo die inzwischen erwachsenen Kinder des Paares zur Welt kamen. 2001 wurde er Leiter der Deutschen Schule in Tripolis, 2004 ging es zurück in den baden-württembergischen Schuldienst, als Leiter einer Grund-, Haupt- und Werkrealschule im Raum Tübingen. 2007 habe ihm dann die Schule in Singapur, mittlerweile unter dem Namen Deutsche Europäische Schule Singapur, die Leitung ihres Grundschulzweiges angeboten. Die Familie zog wieder um. 2015 folgte die bislang jüngste Station in Stockach.

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Nun geht Sauer als Abteilungsleiter Grundschule in die zweite Reihe, allerdings an einer sehr viel größeren Schule. Die Einrichtung in Lissabon habe mehr als 1000 Kindergartenkinder und Schüler im Alter bis zum Abitur, etwa 140 Lehrkräfte und 30 weitere Mitarbeiter. Wie in Stockach hat die Grundschule auch eine Zweigstelle, im Küstenort Estoril. Eine Wohnung zu finden, sei nicht so schwierig gewesen, denn aufgrund der Corona-Krise kämen viel weniger Touristen nach Portugal. Und auch die Sprache wolle er lernen, sagt Sauer. Aus der Zeit in Argentinien könne er noch fließend Spanisch. Und wenn er höflich frage, sprächen auch Portugiesen Spanisch mit ihm.

Konrektorin leitet die Grundschule erst einmal kommissarisch

Und wie geht es an der Stockacher Grundschule weiter? Konrektorin Sonja Hartmann werde die Schule zunächst kommissarisch leiten, erzählt der scheidende Schulleiter. Doch die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger läuft: Die Ausschreibung sei in dieser Woche veröffentlicht worden, sagt Sauer. Für ihn heißt es nun Kofferpacken: Anfang August bringt eine Spedition den Hausstand nach Lissabon. Und im September beginnt der Unterricht – ebenfalls unter Corona-Bedingungen.

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