Wie kann man den Straßenverkehr auch für Fußgänger sicherer machen? Zebrastreifen sind ein Mittel, um Vorrang für Fußgänger zu schaffen und beispielsweise Kindern zu ermöglichen, sicher über die Straße zu kommen. Im Stockacher Ortsteil Wahlwies wird ein solcher Zebrastreifen an der Leonhardstraße auf Höhe des Gasthauses Frieden in die Jahnstraße schon lange gewünscht. Das ist der direkte Weg zur Schule. Elternvertreter und die Ortschaftsverwaltung sprechen sich seit vielen Jahren dafür aus.

Die rechtliche Hürde für den Zebrastreifen ist weg

Bisher gab es eine große Hürde: Die Anordnung eines Zebrastreifens kam nur in Betracht, wenn bestimmte Mengen an Verkehr vorlagen, also an einer Stelle mindestens 50 Fußgängerüberquerungen in der Spitzenstunde stattfanden. Carsten Tilsner von der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Stockach sagt: „Wir waren uns einig, dass wir die Zahlen im Bereich der Einmündung Jahnstraße nicht annähernd erreichen. Damit war ein Zebrastreifen früher nicht möglich.“

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Seit dem vergangenen Jahr gibt es einige Neuerungen. Mit dem per Erlass eingeführten Leitfaden habe die Landesregierung bestimmt, dass Fußgängerüberwege unter bestimmten Bedingungen auch bei weniger als 50 Fußgängerüberquerungen in der Spitzenstunde in Frage kommen. Tilsner erklärt: „Aus meiner Sicht ist die Anlage eines Zebrastreifens über die Leonhardstraße seitdem rechtlich zulässig, weil es noch keine gesicherte Querungsmöglichkeit gibt und weil es mit Schülern besonders schutzbedürftige Nutzer gibt.“ Seit diese Möglichkeit bekannt war, hätten sich insbesondere die Vorsitzende des Grundschul-Fördervereins Anne Storm sowie Ortsvorsteher Udo Pelkner mehrfach bei ihm gemeldet und daran erinnert.

Wo die Kinder zur Schule gehen

Die Aussagen betroffener Eltern hören sich alle ähnlich an. Christine Derschka sagt: „Die Leonhardstraße ist, insbesondere morgens, wenn die Kinder zur Schule gehen, stark befahren.“ Durch die Nähe zum Ortseingang seien die Autos dort zügig unterwegs. „Es ist kein beruhigendes Gefühl, dass die Kinder da täglich mehrmals alleine kreuzen müssen“, sagt Christine Derschka. Sie weist darauf hin, dass die Straße auch nachmittags, wenn sich die Kinder gegenseitig besuchen oder auf dem Schulhof zum Spielen treffen, überquert werden muss. Ariane Schruttke und Sohn Arthus (6) haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie arbeitet im Waldorfkindergarten, er ging bisher in den Pestalozzi-Kindergarten. „Morgens muss man lange warten, bis sich eine Lücke auftut. Ich habe das Gefühl, dass die Autos oft schneller als 50 Kilometer in der Stunde unterwegs sind.“ Die zweifache Mutter Marion Mattes sieht zusätzlich in den nahegelegenen Bushaltestellen eine Gefahr.

Hier geht auch das Dorf über die Straße

Fördervereinsvorsitzende Anne Storm betont, nicht nur Schüler würden von einem Zebrastreifen am Gasthaus Frieden profitieren: „Auch ältere Menschen hätten es leichter, wenn sie zum Arzt, zur Kirche, zum Friedhof oder zum Einkaufen wollen.“ Wäre das Gewerbegebiet Seeda am Ortseingang realisiert worden, hätte der geplante Kreisverkehr schon für eine Reduzierung der Einfahrtsgeschwindigkeit gesorgt, glaubt Udo Pelkner. Er plädiert ebenfalls seit Jahren für einen Zebrastreifen auf Höhe des Gasthofs Frieden.

Endlich positive Signale aus dem Rathaus

Nun gibt es endlich positive Signale aus dem Stockacher Rathaus: Carsten Tilsner berichtet, für Ende September habe er einen Behördentermin vereinbaren können, an dem – so hoffe er – gleich eine Entscheidung getroffen werde. „Geprüft werden alle Voraussetzungen.“ Weiter würde besprochen, was außer der Beschilderung und Markierung noch erledigt werden müsse wie Beleuchtung, Gehwegabsenkung und Zuständigkeit der einzelnen Arbeitsschritte.

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Tilsner sagt aber auch, dass ein Zebrastreifen die Querung der Straße „nicht automatisch sicher macht“. Der Zebrastreifen räume dem Fußgänger aber einen Vorrang ein. Nach der Straßenverkehrsordnung dürften Autofahrer nicht überholen und müssten langsam heranfahren. Auch am Zebrastreifen müsse man den Verkehr auf der Straße beachten. Carsten Tilsner rät den Fußgängern: „Erst auf die Straße gehen, wenn man sicher ist, dass sie frei ist oder die Autofahrer anhalten.“ Kleine Kinder sollten nur über die Straße gehen, wenn die Autos komplett halten, sie könnten oft die Geschwindigkeit noch nicht richtig einschätzen. Der Vorrang gilt übrigens nicht für Radfahrer. Auch wenn kleinere Kinder mit dem Rad berechtigt auf dem Gehweg fahren dürfen, müssen sie am Zebrastreifen absteigen und schieben.

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