Stockach Schüler des Nellenburg-Gymnasiusm lernen über Burundi

Der Journalist und Aktivist Philipp Ziser hält einen Vortrag über Burundi. Die Schüler lernen den afrikanischen Kleinstaat kennen und wie sie den Menschen dort helfen können.

Am Beispiel Burundis, dem laut IWF ärmsten Land der Welt, lernten die Schüler der elften und zwölften Klassen des Nellenburg-Gymnasiums, was Armut tatsächlich bedeutet, wie Entwicklungshilfe geleistet wird und auch was sie selbst tun können, um zu helfen. Der Journalist Philipp Ziser war bei den Schülern zu Besuch und hat von seinen Erfahrungen in dem afrikanischen Kleinstaat erzählt. Ziser sollte den angehenden Abiturienten das Schwerpunktthema Entwicklungszusammenarbeit und Armut greifbar machen. Ein Thema, das die Schüler im Fach Geografie beschäftigt. Der Besuch des Hauptverantwortlichen der Organisation burundikids, der neun Jahre lang in Burundi gelebt hat, sei dem Förderverein des Nellenburg-Gymnasiums zu verdanken, sagte Geografie-Lehrerin Claudia Weber-Bastong, die in den Jahrgangsstufen elf und zwölf unterrichtet.

Zisers Verein burundikids hilft ehemaligen Kindersoldaten in Burundi eine Ausbildung zu erlangen. Die Kinder lernen durch den Verein ein Handwerk, durch das sie Geld verdienen können und das ihnen wieder ein normales Leben ermöglichen soll. Denn viele von ihnen seien während 15 Jahren Bürgerkrieg aufgewachsen und hätten nie eine Schule besucht, erzählte Ziser. "Alles was sie kennen und können, ist ihre Kalaschnikow", sagte Philipp Ziser. Zwischen 1993 und 2008 herrschte in Burundi ein Krieg zwischen den Hutus und den Tutsi, der nicht nur Einfluss auf Wirtschaft und Infrastruktur hatte, sondern auch auf die Moral der Bevölkerung. "Es gibt keine Familie mehr, die keine Opfer oder Täter zu beklagen hat", sagte Philipp Ziser.

2015 gab es in Burundi erneut politische Unruhen, weil der Präsident Burundis entgegen der gesetzlichen Regelung zu einer dritten Amtszeit antrat. "Die dank Internet und Facebook sehr aufgeklärte burundische Jugend wehrte sich, sah sich aber im Rahmen ihrer brutal niedergeschlagenen Proteste nicht nur Tränengas, sondern auch scharfer Munition gegenüber", sagte Ziser. Das Stichwort Internet sorgte unter den Schülern für Verwirrung. Laut Ziser verfügten nur drei Prozent der Bevölkerung über Elektrizität im Haus, dennoch hätte ein Großteil der jungen Leute ein Facebook-Profil. "Wie kann das sein?", wunderte sich die Schülerin Sonja Klassen. "Mindestens eine Person im Dorf verfügt über einen Weg, Strom zu erzeugen", erklärte Ziser. Dort könne dann jeder im Umkreis sein Handy laden. Gegen Gebühr natürlich. Diese Erklärung brachte die Schüler zum Lachen.

Zahlreiche Fragen der Schüler richteten sich an Ziser, um von ihm mehr über Entwicklungsarbeit zu erfahren: "Was kann man denn konkret tun, um zu helfen? Wie kann man sich aktiv einbringen?". Spenden seien, so Ziser, nach wie vor der einfachste, aber auch nützlichste Weg, zu helfen. Es gebe allerdings auch Alternativen. "Engagiert euch!", lautete sein Appell. Er empfahl den Schülern, einen Infostand in der Aula oder auf dem Wochenmarkt aufzustellen, um Aufmerksamkeit für die Situation in Ländern der dritten Welt zu schaffen und dort gefertigte Produkte zu verkaufen. Dies weckte sofort das Interesse der Jugendlichen. "Wo kann ich denn Burundi-Kaffee kaufen, um so ihre Organisation zu unterstützen?", wollte Schüler Yousif Al-Kafawi wissen.

Dieser Kaffee sei in jedem Weltladen zu erhalten, sagte Philipp Ziser. Einige Schüler fragten, ob sie auch ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Zisers Hilfsorganisation in Burundi absolvieren könnten. Ziser sagte, er freue sich über jeden, der sich nach seinem Abitur bei ihm melde.

 

Der Verein burundikids

Der im Mai 2003 gegründete Verein burundikids soll Kindern in Burundi die Chance auf eine lebenswerte Zukunft geben. Als Inspiration diente die von Verena Stamm gegründete Foundation Stamm, die sich für Straßenkinder in Burundi einsetzt. Neben den Projekten in Burundi klärt burundikids an Schulen und Universitäten in Deutschland und Europa über Entwicklungsarbeit auf. Der einzige Hauptamtliche der Organisation in Deutschland ist Philipp Ziser. Er kommt aus Eggenstein bei Karlsruhe und ist Journalist, Autor und Entwicklungshelfer. Im Jahr 2006 reiste er mit 24 Jahren, kurz nach Ende seines Bachelor-Studiums in Karlsruhe, nach Burundi. Es sollte ein einjähriger Freiwilligendienst werden, doch letztlich blieb er neun Jahre dort, bevor er 2015 mit seiner Frau, einer gebürtigen Burundierin, nach Deutschland zurückkehrte. (ssc)

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