Viel mehr Gäste passen nicht in die Buchhandlung "Bücher am Markt". Fast 100 sind gekommen, um Fabiana Striffler und Quique Sinesi zu hören. Auf der kleinen Bühne mit zwei Klappstühlen und vier Instrumenten nehmen die 29-Jährige und ihr 57-jähriger Duo-Partner Platz. "Eine Wucht, was hier heute passiert", hat Veranstalter Thomas Hahn zuvor gesagt. Fabiana Striffler erkennt in den dichten Reihen viele vertraute Gesichter. Kein Wunder, sie wuchs in Wahlwies auf und besuchte die Waldorfschule. Viele Eltern ehemaliger Mitschüler sind hier und auch einige Schulfreunde wollen die CD-Präsentation der beiden Saitenvirtuosen hören.

Fabiana Striffler begann mit sechs Jahren, Geige zu spielen. Sie studierte in Berlin an der Universität der Künste und der Staatlichen Hochschule für Musik Hanns Eisler Jazz und klassische Violine. Seit etwa zehn Jahren komponiert sie auch. Den Argentinier Quique Sinesi hat sie vor rund fünf Jahren in Berlin bei argentinischen Musikerfreunden kennengelernt. "Wir haben gleich eine gute Verbindung gespürt. Wir drücken uns musikalisch sehr ähnlich aus", erzählt sie. Und das, obwohl sie aus zwei verschiedenen Kontinenten kommen, zwei unterschiedlichen Generationen angehören und eine andere Sprache sprechen.

Die Stücke der CD haben sie teilweisen füreinander geschrieben, einige wurden für die Aufnahme neu arrangiert. Im Funkhaus Berlin entstanden die Aufnahmen in zwei Nachtsessions. "Mahagoni", das namensgebende Stück, beziehe sich nicht auf die Holzinstrumente. Der Grund sei romantisch: "Ich habe das Stück für die Augen eines Mannes komponiert", verrät die Künstlerin. Wenn sie nicht auf der Bühne steht oder zum nächsten Auftrittsort reist, verbringt sie den ganzen Tag mit Musik. Sie bezeichnet sich selbst fast als obsessiv: "Mich beschäftigt die Auseinandersetzung mit Musik, mit den Emotionen, mit den Einflüssen auf mich und meine Zuhörer."

Ihre Darbietungen faszinieren das Publikum. Die Finger flirren über die Saiten, zupfen, trommeln auf dem Holz, der Bogen streicht zart, dann wieder kraftvoll über die Saiten. Sinesi lässt seine Finger auf der siebensaitigen spanischen Gitarre laufen. Beide entlocken ihren Instrumenten ganz unbekannte Töne. Sie halten viel Augenkontakt, dann wieder ist jeder in seinem Spiel versunken. Die Harmonie zwischen ihnen scheint greifbar. Alles passt zusammen, egal ob Geige und Gitarre oder Mandoline und Charango, ein kleines Zupfinstrument aus der südamerikanischen Andenregion, zum Einsatz kommen. Und egal, ob sie improvisieren oder ein arrangiertes Stück spielen. Kleine Anekdoten geben den Zuhörern Einblicke in die Entstehung der einzelnen Werke und bringen sie zum Schmunzeln.

Striffler empfindet das Spielen in kleinen Räumen als eine besondere Herausforderung. "Das ist die Königsdisziplin. Hier kann etwas ganz Feines entstehen." Sie mag die Abwechslung zwischen großen Konzerten und der kleinen Bühne. Die Zuhörer reagierten durchaus unterschiedlich. Mal schüchtern, mal euphorisch, aber immer spüre sie ganz viel Liebe.

Die Besucher äußern sich positiv. Michael Frank, ein ehemaliger Mitschüler, findet diese Art von Musik ungewöhnlich, sie rege die Fantasie und Emotionen an. Gaby Vandenburg sagt: "Vieles hört sich improvisiert an. So etwas habe ich noch nie gehört." Isolde Arnold aus Radolfzell erlebt die beiden Künstler zum ersten Mal: "Mir gefällt diese Leichtigkeit." Ihr Mann Alois ergänzt, die Darbietung sei technisch auf höchstem Niveau. Auch deshalb kauft nicht nur Michaela Schäfer aus Nenzingen eine CD. "Die Musik ist sehr schön. Es ist toll, ganz nah an der Bühne zu sitzen."

Auch für Fabiana Striffler geht nach zwei Zugaben ein gelungener Konzertabend zu Ende. "Es war total schön. Viele für mich wichtige Menschen aus meinem Leben waren hier. Ich habe eine große Unterstützung gespürt."

 

Die Künstler

Fabiana Striffler, geboren 1988 in Schwäbisch Hall, ist in Italien und Wahlwies aufgewachsen. Sie teilte bereits Bühnen und Studios mit namhaften Musikern aus der Jazz-, Klassik- und Popszene. Ihr erstes Album als Komponistin heißt "Mahagoni".

Quique Sinesi (geboren 1960), Gitarrenvirtuose aus Argentinien und Strifflers Duo-Partner, zählt zu den einflussreichsten Gitarristen Südamerikas. Seine Musik lehnt an argentinische Folklore und an den Candombe an. Durch den Einsatz von erweiterten Harmonien, Dissonanzen und Kontrapunkten definieren er und Striffler ihren ganz eigenen Stil. (wig)

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