BSZ. Berufsschulzentrum. Der erste Teil des großen Gebäudekomplexes, den heute viele kennen, entstand in den 1960er-Jahren als Handelsschule. Renate Rösgen, ehemalige stellvertretende Schulleiterin, hat die Ereignisse, die zum Bau der Schule führten, aus Erzählungen und Zeitungsberichten zusammengetragen. Alles begann 1955: Die gewerblichen, haus- und landwirtschaftlichen sowie die kaufmännischen Berufsschulklassen seien damals im ganzen Kreis verteilt gewesen. Daher habe der Kreistag des damaligen Landkreises Stockach den Bau einer großen Berufsschule beschlossen.

Das Berufsschulzentrum Stockach ist über die Jahrzehnte stark gewachsen. Hinten ist das heutige Kerngebäude (1967 das einzige Gebäude) mit Eingang. Links ist einer der Anbauten zu sehen. Bild: Ramona Löffler
Das Berufsschulzentrum Stockach ist über die Jahrzehnte stark gewachsen. Hinten ist das heutige Kerngebäude (1967 das einzige Gebäude) mit Eingang. Links ist einer der Anbauten zu sehen. | Bild: Löffler, Ramona

Im Jahr 1958 war bereits die Einweihung der Gewerbeschule mit einem Werkstattgebäude (heute Goldäckerschule) als erster Bauabschnitt. 1965 wurde der Bauantrag für den zweiten Bauabschnitt, die Handelslehranstalt, gestellt. "Dies war dringend notwendig, da die kaufmännische Berufsschule 1966 wegen Platzmangels aus der Volksschule in die Gewerbeschule umziehen musste", fasst Renate Rösgen die Geschehnisse in ihrer Recherche zusammen. Die Volkschule war die heutige Grund- und Werkrealschule.

Es ging dann recht zügig. Am 14. Oktober 1966 war Richtfest, das mit einem zünftigen Richtessen im Hotel Adler Post gefeiert wurde. Das fertige Schulgebäude, das heutige Hauptgebäude des BSZ, wurde rund ein Jahr später am 17. Oktober 1967 übergeben. Die Baukosten inklusive Grunderwerb betrugen rund 2,6 Millionen D-Mark. Der SÜDKURIER berichtete am 17. Oktober 1967, Stockach habe nun "ein modernes Berufsschulzentrum, das allen Erfordernissen gerecht werde". In einer Beschreibung des Gebäudes hieß es, dass im Erdgeschoss die landwirtschaftliche Schule mit zwei Lehrküchen und im Obergeschoss die Handelslehranstalt war. Im Keller wurde die Kreisbildstelle untergebracht. Es gab außerdem Fahrradräume und Strahlenschutzbunker. "Das Glanzstück ist wohl die elektrisch-akustische Anlage mit Kommandopult für den Maschinenschreibunterricht", so der SÜDKURIER weiter. Die am Bau beteiligten Unternehmen machten Stadt und Kreis einen römischen Brunnen im Innenhof zum Geschenk, heißt es in einem weiteren Artikel vom 19. Oktober über eine schlichte Einweihungsfeier.

Kurt Thoma war Schulleiter für die Kaufmännische Schule und Monika Roth leitete die Hauswirtschaftliche Schule. Thoma sei es zu verdanken, dass in Stockach zum Schuljahr 1967/68 die zweijährige zur mittleren Reife führenden Berufsfachschule eingerichtet worden sei, so Rösgen. Er habe es wichtig gefunden, dass junge Leute eine fundierte kaufmännische Grundbildung mit mittlerer Reife in Stockach bekommen. Bis dahin mussten die Stockacher Schüler diese Schulart (Handelsschule) in Radolfzell besuchen.

Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre waren in dem Neubau auch fünf Klassen des neuen Stockacher Gymnasiums untergebracht. 1968 fand das erste Abitur statt. Anfang der 1970er-Jahre entstand dann an der Dillstraße eine weitere Schule für die Stadt: Das Gymnasium. Mit der Kreisreform 1972/73 veränderte sich dann einiges. Altbürgermeister Franz Ziwey habe in den entsprechenden Sitzungen zum Schulentwicklungsplan II für den Erhalt der beruflichen Schulen gekämpft, fasst Rösgen über die Entwicklungen zusammen. "Nur die gewerbliche Berufsschule musste schwer Federn lassen. Bis auf die Grundstufe Metall blieb keine weitere Klasse in Stockach." 1973 wurde aus den gewerblichen, hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Schulen eines der ersten echten Berufsschulzentren mit mehreren Schultypen unter Leitung von Werner Huger.