Stockach Dasselbe Tier wie bei Überlingen? Auch im Raum Stockach ist ein Wolf unterwegs

Wolfssichtungen nun auch in Stockach: Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg hat bestätigt, dass es sich auch bei dem bei Stockach gesichteten Tier um einen Wolf handelt. Ist es dasselbe Tier wie jenes, das vergangene Woche in Überlingen gesichtet wurde?

Der Wolf ist nun auch in Stockach: Nördlich der Stadt, beim Ortsteil Zizenhausen und nördlich von Windegg, wurde ein Wolf gesehen. Mehrere Jäger hätten den Wolf in den vergangenen Tagen gesichtet, berichtet Kurt Kirchmann, Kreisjägermeister aus Mühlingen. Und Peter Riegel aus Orsingen hat nach eigenen Angaben das Tier am Sonntagabend zwischen dem Stockacher Ortsteil Raithaslach und Mühlingen gesehen und geistesgegenwärtig ein Foto gemacht. Dass es sich dabei um eine Wolfssichtung handelt, bestätigte nun der Wildökologe Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg. Diese Landeseinrichtung ist mit dem Wolfsmonitoring beauftragt. "Es handelt sich zweifelsfrei um einen Wolf", so Herdtfelder.
Nachdem die FVA bereits eine Sichtung bei Überlingen bestätigt hat, sei nun anzunehmen, dass es sich bei den Sichtungen im Raum Stockach um dasselbe Tier handle, so Herdtfelder. Die geografischen Angaben würden jedenfalls zu den Strecken passen, die ein wandernder Wolf zurücklegen kann – etwa 40 Kilometer am Tag. In jedem Fall sei es deutlich wahrscheinlicher, dass dasselbe Tier an verschiedenen Orten gesehen wurde, als dass zwei Wölfe unabhängig voneinander wandern. Einen wirklichen Nachweis könne man aber nur über genetisches Material führen, also beispielsweise über Kotspuren oder Rückstände an gerissenen Tieren. Beides liegt noch nicht vor.

Nach früheren Einschätzungen von Experten handelt es sich um einen jungen Wolf, der am Bodensee auf Partnersuche unterwegs ist. Das ruft bei Menschen Begeisterung und Bedenken hervor. Fakt ist aber: Wölfe stehen unter Naturschutz. Das erklärte auch Kirchmann, bei dem die Meldungen aus dem Raum Stockach zusammenlaufen. "Ich koordiniere die Wolfssichtungen", sagt er. Es habe zum Beispiel eine an der Bundesstraße 313 bei Zizenhausen gesehen. Kirchmann sagt, er rate allen seinen Jägern, sich so zu verhalten, wie es das Wolfshandbuch verlangt. Die Tiere dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Die Sichtung bei Überlingen macht bereits seit einigen Tagen die Runde und es kursieren zum Beispiel im sozialen Netzwerk Facebook Fotos und Videos. Solches Bildmaterial nutzen auch die Experten, um die Situation einschätzen zu können. Denn einen DNA-Beweis gibt es bisher nicht. Dazu wäre, so Kirchmann, Kot nötig oder es müsste ein gerissenes Tier gefunden werden. Das bestätigt auch Herdtfelder von der FVA. Kreisjägermeister Kirchmann halte die Jäger daher an, zu melden, falls sie Tiere finden, die der Wolf auf der Nahrungssuche getötet haben könnte. Was Bedrohungen für Menschen angeht, sagt er: "Es ist ein Jungtier und momentan ungefährlich." Kirchmann ist am Monitoring für Luchse und Wölfe beteiligt und steht dazu laufend in Kontakt mit der FVA in Freiburg.

Das baden-württembergische Umweltministerium reagierte bereits nach der ersten Sichtung bei Überlingen mit einer Pressemitteilung, in der Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller so zitiert wird: „Wenn der Wolf wieder bei uns eine Heimat fände, wäre dies ein Gewinn für die Artenvielfalt im Land.“ Bei mittlerweile 50 Wolfsrudeln in Deutschland sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er wieder in Baden-Württemberg unterwegs sei. „Die Landesregierung hat sich daher auf die Ankunft des Wolfes gut vorbereitet. Unser Ziel ist es, ein möglichst sinnvolles Miteinander von Mensch und Wolf zu gewährleisten.“ Es gibt einen "Handlungsleitladen Wolf", der im Internet kostenlos zum Download verfügbar ist, und es gibt einen Landesprojekt, um Tiere in Freilandhaltung vor Wolfsangriffen zu schützen. Sollte etwas geschehen, gibt es den Wolfsausgleichsfonds der Naturschutz- und Jagdverbände, an dem das Land beteiligt ist.
 

Das sagt das Gesetz

Wölfe galten seit 200 Jahren in Deutschland als praktisch ausgerottet. Doch inzwischen gibt es wieder etwa 50 Rudel bundesweit und die Tiere stehen unter Naturschutz. Der Wolf ist laut Paragraf 7 Absatz 2 Nummer 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) besonders sowie streng geschützt. Es ist verboten, Wölfe zu fangen, verletzen oder töten. Darauf stehen laut des Bußgeldkatalogs bis zu 50.000 Euro Strafe.

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