Unter dem sperrigen Projektnamen "Destinationsmanagement" erstellte die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen für das Narrengericht eine Medien-Analyse, eine Social-Media-Analyse sowie eine Image-Analyse. Ziel sei es, herauszufinden, ob die touristische Vermarktung der Stadt Stockach mithilfe des Narrengerichts sinnvoll sei, erklärte die Studentin Edyta Gawelda gegenüber dem SÜDKURIER. Gawelda studiert an der Hochschule Gesundheits- und Tourismusmanagement im sechsten Semester. Die gebürtige Polin wählte den Studiengang, weil sie die "Verknüpfung von Gesundheit und Tourismus interessant fand".

Von der Idee zur Umsetzung

Mit ihr haben zehn Studentinnen mit ihrem Professor, Dennis Hürten, in einer zweistündigen Präsentation im Narrenstüble des Bürgerhauses die Ergebnisse dargelegt. "Es ging in der Untersuchung nicht um den Bekanntheitsgrad, sondern um die Präsenz des Narrengerichts und der Stadt in den Medien", betonte Gastgeber und Narrenrichter Jürgen Koterzyna, der die Analyse in Auftrag gegeben hat. "Vor einem Jahr hatten wir im Gremium die Idee, wissenschaftlich herausfinden zu lassen, welche Stellung das Narrengericht als Werbeträger für die Stadt hat", erklärte Koterzyna. Nach mehreren Anfragen bei Universitäten habe er bei der Hochschule in Geislingen ein offenes Ohr für sein Anliegen gefunden. "Ich war sofort bereit, diese interessante Aufgabenstellung als Semesterarbeit von meinen Studentinnen in Angriff nehmen zu lassen", erklärte Professor Hürten, und ergänzte, dass die Materie Fasnacht für ihn kein unbeschriebenes Blatt sei, stamme er doch aus der Karnevalshochburg Köln. "Interessant war für mich herauszufinden, ob das Alleinstellungsmerkmal einer Institution wie dem Narrengericht einen touristischen Wert für eine Stadt darstellen", erläuterte Hürten weiter.

Professor Dennis Hürten und Studentin Maike Lüchow präsentierten die Forschungsergebnisse.
Professor Dennis Hürten und Studentin Maike Lüchow präsentierten die Forschungsergebnisse. | Bild: Reinhold Buhl

Im SÜDKURIER am häufigsten präsent

Bei den Ergebnissen hinsichtlich der Medienpräsenz des Narrengerichts in Printprodukten zeigte sich, dass bei den Printmedien der SÜDKURIER eindeutig die Nase vorne hat. Was sich allerdings auch bestätigte: "Zeitungen mit überregionaler Reichweite sind kaum vertreten". Auch in den sozialen Netzwerken taucht das Narrengericht kaum auf. Von den 409 Befragten konnten immerhin 16,6 Prozent etwas mit Hans Kuony anfangen.

Beim Bezug zum Tourismus besteht Nachholbedarf

Die wissenschaftliche Untersuchung konnte kaum Zusammenhänge zwischen dem Narrengericht und dem Tourismus nachweisen. "Hier besteht Nachholbedarf", sagte ein Teilnehmer. Die Studentinnen hatten Vorschläge, wie man den Bekanntheitsgrad des Narrengerichts und der Stadt verbessern könnte. Ein Hans-Kuony-Pfad angeregt, der an den fasnächtlich relevanten Punkten entlang führen sollte. Auch sollte die Homepage des Narrengerichts besser mit der städtischen Homepage verknüpft werden. Für das Stadtbild sei eine Bank mit Hans-Kuony-Bronze-Figur angebracht, fanden die Studentinnen, die die Stockacher Fasnacht vor ihrer Untersuchung nicht kannten und unvoreingenommen an das Thema herangingen.

Narrenrichter Jürgen Koterzyna (rechts) überreichte Professor Denis Hürten von der Hochschule Nürtingen-Geislingen ein Buch über die Gerichtsverhandlungen am Narrengericht.
Narrenrichter Jürgen Koterzyna (rechts) überreichte Professor Denis Hürten von der Hochschule Nürtingen-Geislingen ein Buch über die Gerichtsverhandlungen am Narrengericht. | Bild: Reinhold Buhl

Auch die ausländischen Gäste im Blick haben

In der Diskussionsrunde forderte die HHG-Vertreterin Anja Schmidt: "Fasnacht sollte man das ganze Jahr ins städtische Geschehen einbauen" und die Vertreterin der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT), Sina Leonhard, erinnerte daran, bei allen Aktivitäten die Internationalisierung nicht zu vergessen, da der Anteil der ausländischen Touristen im Bodenseeraum zunehme.