Eigentlich hatte ich keine Ahnung, um was es ging. Aber „Auf ihr Brieder in die Palz“ schmetterte ich schon als Grundschüler immer gerne mit. Vom „Zwiwwelkuche“, den die „Marie-Tante“ backt, ist in dem pfälzischen Volkslied die Rede – eine ganz spezielle „Pälzer Hausmannskoscht“. Dass mir der alte Schunkelsong dieser Tage beim Einkaufen in den Sinn kam, hat aber eher mit dem darauffolgenden Reim zu tun: „Schmeckt erscht rischdisch zu em fedderweiße Moscht. Jeder haut do nei und frot net lang was‘s koscht!“

Eine Übersetzung ins Hochdeutsche erspare ich mir und Ihnen an dieser Stelle. Denn auch wenn die Pfälzer Zwiebelkuchen und Federweißer gerne für sich beanspruchen würden: Der Hegauer kennt sich damit mindestens genauso gut aus. Alleine der Name des herbstlichen Süßgetränks – das ich mir gestern zum ersten Mal dieses Jahr gegönnt habe – unterscheidet sich von Region zu Region.

Von wegen ein reines Pfälzer Nationalgetränk: Die Trachtengruppe „Bauernsch(l)au“ verwendet zum Mosten gar eine historische Spindelpresse. Hier sind die Männer während des Suser- und Streuobstfests auf dem Allensbacher Rathausplatz abgelichtet worden.
Von wegen ein reines Pfälzer Nationalgetränk: Die Trachtengruppe „Bauernsch(l)au“ verwendet zum Mosten gar eine historische Spindelpresse. Hier sind die Männer während des Suser- und Streuobstfests auf dem Allensbacher Rathausplatz abgelichtet worden. | Bild: Zoch, Thomas

Suser stand auf meiner Flasche. Ein Name, in dem die besäuselnde Kraft des neuen Weins mitschwingt. Bremser, Rauscher oder Brauser wird das Getränk anderorts genannt. Der Österreicher sagt: Sturm. Naturgewalt kommt darin zum Ausdruck. Und die spiegelt sich auch in der Beschreibung des Deutschen Weininstituts wider: „Mit dem Ohr am Glas klingt Federweißer wie Meeresrauschen.“ Wie poetisch.

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Keinesfalls nüchterner, aber ein Schlückchen praxisorientierter heißt es danach: „Idealerweise trinkt man Federweißen auf halbem Weg vom Traubensaft zum Wein, wenn sich Süße, Alkohol und Fruchtsäure in guter Balance befinden. Zu diesem Zeitpunkt weist er einen Alkoholgehalt von etwa fünf Prozent aus.“

Aber Vorsicht. Der stürmische Saft ist nicht ungefährlich. Zum einen, weil die Süße den Alkoholgehalt geschickt übertüncht. Zum anderen, weil es sich tatsächlich um ein explosives Getränk handelt. Würde man die Flasche luftdicht verschließen, bestünde die Gefahr, dass sie zerplatzt. Grund dafür: Die Gärung ist noch nicht abgeschlossen. Ständig bildet sich Kohlendioxid, das sich gnadenlos den Weg nach außen bahnt.

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Ob Ihr Suser genussfertig ist oder nicht, entscheiden natürlich Sie selbst: Mögen Sie es lieber süßlich-spritzig, können Sie ihn schon recht schnell nach dem Kauf verzehren. Soll der Federweißer lieber reifen, um herber zu schmecken? Dann bewahren Sie ihn bei Zimmertemperatur auf. Das „Liebenswert-Magazin“ schreibt: „Lassen Sie den Most ungekühlt stehen, probieren Sie ihn am besten nach ein paar Stunden, um den für Sie idealen Geschmack nicht zu verpassen. Stellen Sie das Getränk anschließend in den Kühlschrank, bis Sie es servieren möchten. Das konserviert nicht nur den Geschmack, sondern kühlt den Saft auch schön durch.“

Gutes Gelingen, wünscht auch der SÜDKURIER-Redakteur. Und falls Sie diese Glosse in Schunkel-Laune versetzt hat, schreiben Sie mir. Sicher gibt es auch ein Hegauer Lied, in dem der Neue Wein besungen wird.

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