Frau Volz, was konkret ist Ihre Aufgabe als Klimaschutzmanagerin der Stadt?

Der Klimaschutz ist eine sogenannte Querschnittsaufgabe und bedarf der Koordination mit verschiedenen Stellen. Ich versuche dafür zu sorgen, dass der Klimaschutz in allen Belangen berücksichtigt wird. Ein wichtiger Aspekt ist, immer wieder aufzuklären, zu sensibilisieren, sowohl die Öffentlichkeit, als auch Kolleginnen und Kollegen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Wenn beispielsweise eine Kita gebaut wird, ist es meine Aufgabe, die Bauabteilung zu sensibilisieren, auf die Verwendung klimafreundlicher Materialien hinzuwirken, eine Solaranlage in Erwägung zu ziehen, die Grünflächen insektenfreundlich zu gestalten und vieles mehr. Anschließend gilt es, Gemeinderat und Bürgerschaft davon zu überzeugen.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der heutzutage geradezu inflationär gebraucht wird. Können Sie diesen bitte noch einmal erklären?

Ja, das stimmt, viele Menschen wissen nicht genau, was der abstrakte Begriff wirklich beinhaltet. Nachhaltigkeit beschreibt die ausgewogene Betrachtung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem und zwar immer zukunftsbezogen. Wenn ein Projekt in Planung steht, gilt es diese drei Dimensionen abzuwägen und auszubalancieren und Akzeptanz bei den Beteiligten aller Gruppen zu schaffen. Das Ziel ist eine „enkeltaugliche“ Entwicklung, das heißt die Entwicklung hin zu einer Zukunft, in der auch unsere Enkelkinder gut und gerne leben.

Bleiben wir bei dem Beispiel Kita-Bau. Was würde das hier bedeuten?

Für den Bau einer neuen Kita wäre es notwendig, Flächen zu versiegeln, Grünflächen für Insekten fallen weg und so weiter. Nichtsdestotrotz ist der Bau unter sozialen Gesichtspunkten wichtig. Aus ökonomischer Sicht muss überlegt werden, ob genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen oder ob man sich langfristig verschuldet.

Die einzelnen Vertreter der Gruppen fordern zu Recht ihre Interessen ein. Hier gilt es alle drei Dimensionen gegeneinander abzuwägen und auszubalancieren, so dass die Entscheidung Akzeptanz bei den Beteiligten findet. Nehmen wir ein anderes Beispiel: Wenn ein Radweg gebaut werden soll, dann werden zunächst einmal kostspielig Flächen versiegelt und es ist ein Eingriff in die Natur. Wenn der Radweg aber dazu dient, dass mehr Leute das Auto stehen lassen, weil sie sich dort mit dem Rad sicher fühlen, dann haben wir damit einen größeren Nutzen erzielt.

Ihr Fokus liegt auf der Ökologie?

Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahrzehnten der Fokus insbesondere auf der Ökonomie und dem Sozialen gelegen hat und da heißt es nun nachzuziehen.

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Was empfinden Sie bei ihrer Arbeit als die größte Hürde?

Einerseits ist es schwierig, nicht mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten, andererseits können wir nur etwas erreichen, wenn wir immer wieder aufmerksam machen und Menschen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren. Verbote nützen wenig, wir müssen auf das Verständnis der Menschen setzen und Anreize schaffen.

So wie Sie nun in Bäckereien und To-Go-Läden Kaffeebecher mit Pfandsystem eingeführt haben.

Ja, hier war für die Unternehmen vor allem der wirtschaftliche Aspekt ein Ansporn. Einweg-Kaffeebecher sind teuer und schaffen Müll. Die vermeintlich kompostierbaren Becher sind in der Anschaffung sehr teuer und landen letztendlich auch im Restmüll. Das macht keinen Sinn.

Mehrweg-Kaffeebecher im Pfandsystem vermeiden Müll, sind günstiger und haben sogar noch einen sozialen Aspekt, denn man begegnet anderen damit in der Innenstadt, fühlt sich irgendwie ein wenig verbunden und kommt bei der Abgabe ins Gespräch.

Wie können sich Bürger einbringen für ihren Beitrag für nachhaltiges Leben?

Wir haben bei der Stadt eine Agenda-Gruppe, die Projekte durchführt – auch mit Bürgerbeteiligung. Diese Gruppe wird nun vergrößert. Für den Herbst planen wir einen Nachhaltigkeitsworkshop. In einem offenen Austausch können Bürgerinnen und Bürger Ideen sammeln, auf welche nachhaltigen Projekte sie Lust haben, die sie aber alleine nicht stemmen können.

In Kleingruppen gehen wir dann an Planung und Umsetzung. Generell ist es aber wichtig, dass jede und jeder von uns den Alltag etwas nachhaltiger gestaltet, nur so können wir einer enkeltauglichen Zukunft näherkommen.

Was wünschen Sie sich?

Nachhaltig zu leben ist gar nicht so schwer, es erfordert einfach nur ein wenig mehr Bewusstsein und Planung. Ich möchte den Gedanken nach außen tragen, dass es nicht notwendig ist, Verzicht zu üben oder schlechter zu leben, sondern seinen Lebensstil in kleinen Dingen ein wenig zu ändern oder anzupassen.

Denn eines ist klar: Wir können noch so viele gute Ideen haben, Aktionen planen, Flyer drucken und aufklären, aber die Nachhaltigkeitswende funktioniert nur, wenn alle mitmachen.

Fragen: Nicola M. Westphal