Ein Bürgermeister startet als Krisenmanager, Schulen unterrichten aus der Ferne, Eltern werden Pädagogen, ein Brand zerstört die Heimat des Vereins, Gaststätten, Hotels und Geschäfte müssen schließen – ein Jahr mit noch viel mehr negativen Erscheinungen geht zu Ende. Ein neuer Bürgermeister, ein Pädagoge und Vereinschef sowie eine Unternehmerin blicken zurück. Sie sehnen sich aber auch optimistisch dem Jahr 2021 entgegen.

Ein turbulenter Start

„Meinen Start als neuer Bürgermeister von Hilzingen am 1. April war turbulent. Da kurz zuvor der erste Corona-Lockdown eingesetzt hatte, musste ich überwiegend als Krisenmanager tätig werden“, erklärt Holger Mayer. „Von morgens bis abends beherrschten die Corona-Verordnungen meine Tätigkeit. Es fehlte mir besonders der direkte Kontakt mit den Menschen, den ich in meinem Wahlkampf genießen durfte. Dennoch bin ich froh darüber, dass wir in Hilzingen schon viel gemeinsam erreichen konnten, wie die Eröffnung zweier Kindergärten und die Weiterentwicklung des Ortskerns“, so Mayer.

Der Bürgermeister an der Kirchenorgel

Der frühere Musiker der Band „Die Lausbuba“ spielt am Silvesterabend die Orgel beim ökumenischen Jahresabschluss-Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul. „Danach feiere ich mit meiner Freundin Judith Fetzer zuhause bei einem Glas Sekt. Ganz ohne Böller und Raketen. Darüber freuen sich auch unsere Katzen“, sagt Mayer. „Für das nächste Jahr erhoffe ich mir, dass sich das gesellschaftliche Leben, wie über die Vereine, wieder normalisiert und wir auch Feste, wie die Kirchweih, feiern können“, betont Mayer.

„Die Erfüllung der Corona-Verordnungen haben Schüler und Lehrer stark gefordert und belastet“, sagt Stephan Glunk, stellvertretender Leiter der Singener Hohentwiel-Gewerbeschule. Er leitete auch die Abiturprüfungen. „Wir haben alles gut hinbekommen, wie dies auch andere Schulleiter berichten“, so Glunk.

Stephan Glunk blickt nach dem Krisenjahr optimistisch nach vorne.
Stephan Glunk blickt nach dem Krisenjahr optimistisch nach vorne.

„Der Brand der Scheffelhalle war für uns als Zunft sehr schmerzlich. Wir haben die Heimat verloren und hoffen, dass die Halle in naher Zukunft wieder aufgebaut wird“, sagt Glunk als Poppele-Zunftmeister.

Gesellschaftliches Leben soll neu aufblühen

„Ich werde mit meiner Frau Beatrix ganz ruhig die Silvesternacht im eigenen Heim feiern“, verrät er. „Fasnacht machen wir im Februar im kleinen Kreis. Ich hoffe, dass das Impfen gegen Corona gut funktioniert, sodass das gesellschaftliche Leben neu aufblüht und sich Menschen wieder in den Arm nehmen können“, blickt Glunk voraus.

Anja Rösner betreibt zusammen mit ihren Eltern Rolf und Elisabeth Riemensperger das Hotel-Restaurant Bibermühle. Die Familie führt auch die Raststätten auf Engener Höhe, wo auch Tochter Iris tätig ist.

Sie haben den Humor trotz eines harten Jahres nicht verloren: Die Unternehmerfamilie (von links) Rolf und Elisabeth Riemensperger mit Tochter Anja Rösner.
Sie haben den Humor trotz eines harten Jahres nicht verloren: Die Unternehmerfamilie (von links) Rolf und Elisabeth Riemensperger mit Tochter Anja Rösner.

„Das Jahr war trotz aller widrigen Umstände wegen der Schließungen für mich als junge Unternehmerin sehr lehrreich. Es hat sich bestätigt, was mein Vater uns immer mitgab: in guten Zeiten zu sparen, sodass sich auch Krisenzeiten überstehen lassen“, erklärt Anja Rösner. Sie habe beim Fern-Unterricht ihrer drei Grundschulkinder bewusst keinen Druck aufgebaut.

Viel Zeit für die Familie

„Durch die verfügten Schließungen unserer Hotel-Gastronomie hatten wir noch nie soviel Familie wie in dieser Zeit. Die nutzten wir, um beispielsweise alle Hegau-Berge zu erwandern“, sagt sie. Zu Silvester sagt sie, die Familie spende lieber das Geld für Böller und Raketen an ein Kinderheim. „Die Menschen sollten gegenseitig auf sich aufpassen und das Miteinander pflegen“, wünscht sich Anja Rösner für 2021. Eine große Freude sei es auch zu sehen, dass viele Menschen an die Bibermühle kämen, wo 30 mit Lichterketten verzierte Weihnachtsbäume stehen.

Sie haben den Humor trotz eines harten Jahres nicht verloren: Die Unternehmerfamilie (von links) Rolf und Elisabeth Riemensperger mit Tochter Anja Rösner.
Sie haben den Humor trotz eines harten Jahres nicht verloren: Die Unternehmerfamilie (von links) Rolf und Elisabeth Riemensperger mit Tochter Anja Rösner.