Die Fusion der Pfarreien im Jahr 2015 zu 224 Seelsorgeeinheiten in der Erzdiözese Freiburg fasste Gemeinden, die bisher wenig miteinander zu tun hatten, in größeren Verwaltungseinheiten zusammen. In der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hegau sind zum Beispiel die Gemeinden Volkertshausen, Steißlingen, Beuren, Friedingen, Hausen und Schlatt zusammengefasst. Der Pfarrer mit Sitz in Volkertshausen, die Mitarbeiter der Seelsorgeeinheit und viele Ehrenamtlichen in den Teilgemeinden sorgen für ein lebendiges Gemeindeleben. Die Engagierten der einzelnen Gemeinden wissen oft wenig voneinander. 2030 sollen die Seelsorgeeinheiten zu 40 Pfarreien, also zu noch größeren Einheiten, zusammengeführt werden.

Stärken zeigen, Kräfte bündeln

Das Projekt „Abraham verlasse dein Land“ der Gemeindeassistentin Nicole Tutuianu aus Volkertshausen will erreichen, dass sich die Christen im mittleren Hegau auf den Weg machen, sich besser kennenzulernen, die Aktivitäten und Stärken jeder Gemeinde aufzuzeigen und Kräfte zu bündeln. „In einer Besprechung stellte eine Wortgottesdienstleiterin fest, das die Christen der Teilgemeinden viel zu wenig voneinander wissen“, beschreibt Tutuianu die Entstehung des Projekts. Es sei doch spannend, zu erfahren, welche Einrichtungen, Gruppen und Traditionen eine Gemeinde prägen, was gut laufe und wie man voneinander lernen kann. Die Mitwirkenden tauschen sich seit September 2020 einmal im Monat aus und erstellen jeweils einen Beitrag über ihre Arbeit in den Gemeinden. Jede Gruppe darf ihrer Kreativität freien Lauf lassen: Es soll Aktionen, Gespräche, Plakate und Videobotschaften geben. Sie sollen zeigen, wer in der Gemeinde wirkt, wie das kirchliche Leben gestaltet wird und was die Gemeinde ausmacht. Geplant war als Höhepunkt ein Pilgertag mit einem Tag der offenen Kirchen am 24. Januar, an dem sich Christen gegenseitig besuchen: Zu Fuß, mit dem Rad oder in Kleinbussen. Vor Ort sollten sich die Gruppen, wie zum Bespiel Frauengemeinschaften oder Pfadfinder und kirchlichen Einrichtungen vorstellen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Pilgertag in den Sommer oder Herbst 2021 verschoben. Am 24. Januar soll es einen Gottesdienst als Auftaktveranstaltung geben, der auf dem Youtube-Kanal der Seelsorgeeinheit übertragen wird.

„Menschen machen Kirche aus“

Ziel des Projekts ist es, dass die Einheit zusammenwächst und Jung und Alt motiviert werden, sich einzubringen und zu vernetzen. „Es sind die Menschen vor Ort, die eine lebendige Kirche prägen und ausmachen, sie sollen im Mittelpunkt stehen und sich präsentieren“, erklärt die Gemeindeassistentin. Die Mitwirkenden sehen das Projekt auch als Chance, die Gemeinde als Ganzes in den Blick zu nehmen und auf Menschen zu achten, die am Rand der Gesellschaft stehen oder einen anderen Glauben haben. Außerdem sollten möglichst viele Menschen sehen, was die engagierten Christen in ihrer Gemeinde leisten. Hindernisse für die Zusammenarbeit in der Seelsorgeeinheit sieht Tutuianu in der mangelnden Beweglichkeit vor allem älterer Menschen und Kinder. Sie seien auf die Angebote vor Ort angewiesen. Wobei Absprachen und Fahrgemeinschaften dieses Problem lösen könnten. Von der Resonanz und der Bereitschaft der Gemeindemitglieder mitzuarbeiten, ist die Gemeindeassistentin begeistert. „Wir haben rund 25 Mitwirkende, Vertreter aus allen Gemeinden und vor allem auch junge Leute, die sich bei den Treffen, die inzwischen online stattfinden, einbringen“, erklärt Tutuianu.

Bild: Tesche, Sabine

Ralf Ruder arbeitet seit September mit einer halben Stelle als Pastoralreferenten und sieht in dem Projekt eine Möglichkeit, die Menschen der Seelsorgeeinheit kennenzulernen und zu sehen, welche Aktivitäten es gibt: „Außerdem unterstütze ich meine Kollegin natürlich.“ Pfarrer Werner Mühlherr ist als Nachfolger von Pfarrer Ruf in Volkertshausen für die Seelsorgeeinheit zuständig und noch keine 100 Tage im Amt. Er will über das Projekt mehr über die Gemeinden erfahren.

Bild: Tesche, Sabine

„Es ist wichtig, voneinander zu wissen und seinen Horizont zu erweitern“, erklärt Pfarrer Mühlherr. In der Corona-Zeit seien viele Christen ängstlich und besuchten nur die Gottesdienste vor Ort. Durch die Vorstellung der Aktivitäten werde vielleicht ein Anreiz geschaffen, in Zukunft Angebote in anderen Kirchen wahrzunehmen. Das Abraham-Projekt sei in diesen Zeiten eine Möglichkeit, das Gemeindeleben zu gestalten, Gemeinschaft zu leben und Kontakte untereinander zu knüpfen. Ressourcen und Begabungen könnten so sichtbar und im Hinblick auf noch größere Verwaltungseinheiten gebündelt werden.