Singen Wolfgang Gedeon fürchtet um das deutsche Volk

Der AfD-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Singen/Stockach fordert die Schärfung des außenpolitischen Profils der Partei. Er hält dies für nötig, weil ausländische Kräfte die Existenz des deutschen Volkes bedrohen.

Das Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl wird vom engeren Kreis der örtlichen Parteigänger unterschiedlich beurteilt. Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon hatte zwecks Wahlanalyse zu Beginn der Woche zu einer Aussprache in den Kulturpunkt Arlen eingeladen und äußerte seine Enttäuschung. Zwar bewertet er den Einzug in den Bundestag als positiv, weil "alle nur noch von der AfD reden und die politische Klasse endgültig nicht mehr so weitermachen kann wie bisher". Gleichzeitig bezeichnete er das Protestpotenzial aber als noch längst nicht ausgeschöpft. Von den rund 25 Besuchern wird das in Teilen anders gesehen, sie sind sowohl im Bezug auf den Stimmenanteil als auch auf die öffentliche Wahrnehmung sehr zufrieden.

Laut Wolfgang Gedeon wäre bei der Wahl prinzipiell ein Ergebnis von bis zu 30 Prozent möglich gewesen. Das hält er zugleich für erforderlich, um die gesellschaftliche Mitte für die Ideen der AfD zu gewinnen. Diese Mitte veranschlagt er ebenfalls bei einem Drittel der Bevölkerung, während er das dritte Drittel für unerreichbar hält. Wer dieser Gruppierung angehöre, setze aus grundsätzlichen Überlegungen auf die Europäische Union oder befürworte aus falsch verstandener Humanität die Aufnahme von Flüchtlingen.

Wolfgang Gedeon
Wolfgang Michael Gedeon (* 23. April 1947 in Cham) ist ein deutscher Arzt und Politiker der Alternative für Deutschland (AfD). Seit März 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg. Seine antisemitischen Schriften führten zu seinem Austritt aus der Fraktion und deren zeitweiliger Spaltung. | Bild: S. Tesche

Für den Abgeordneten stellt sich nach der Bundestagswahl die Frage, wie das von ihm veranschlagte Protestpotenzial für die AfD gewonnen werden kann. Im Kern schweben ihm dabei zwei Strategien vor: Er glaubt, dass die AfD ihr außenpolitisches Profil schärfen muss, und schlägt bei der Formulierung der Forderungen eine noch deutlichere Ansage vor. Er könne beispielsweise das "Geschwafel" in der Flüchtlingspolitik nicht mehr hören, angesichts der niedrigen Zahl von Abschiebungen müsse man sehr viel deutlicher werden. Ein Alexander Gauland ist ihm "zu lau".

Inhaltlich richtig punkten kann die AfD nach Einschätzung von Wolfgang Gedeon bei der geopolitischen Positionierung. Er geht von einer Strategie ausländischer Kräfte aus, die eine existenziell bedrohliche Durchmischung des deutschen Volks zum Ziel habe. Als Drahtzieher macht er die USA, einige superreiche Privatpersonen, Nicht-Regierungsorganisationen sowie Saudi-Arabien und die Türkei aus. Als Mosaik in diesem groß angelegten Plan sieht er einen künftigen Grünen-Außenminister Cem Özdemir – ein Beispiel dafür, wie die EU von innen heraus eingenommen werden soll. Wolfgang Gedeon bezieht sich dabei auch auf eine angebliche Äußerung, wonach "wir Euch kaputt gebären werden".

Die Zustimmung zu dieser Weltsicht kam durch Einzelbeiträge zum Ausdruck. So bemerkte ein Besucher, dass allein durch den Morgenthau-Plan von 1944 klar werde, dass die "Amis uns klein halten wollen". In die Nähe der Nazis will man sich aber nicht stellen lassen. Wolfgang Gedeon verortet die Rolle der AfD (unter Berufung auf den griechischen Philosophen Heraklit) stattdessen zwischen den Extremen des Nationalsozialismus auf der einen und dem Kommunismus der Grünen auf der anderen Seite.

 

Das AfD-Ergebnis

Die AfD hat bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Konstanz 10,3 Prozent der Stimmen erhalten – bundesweit kam sie auf 12,6 Prozent. Mit 17,3 Prozent erreichte die Partei in Singen ihr bestes Ergebnis, in Rielasingen-Worblingen kam sie auf 15,2 Prozent. In den ländlichen Gemeinden schnitt sie in etwa auf dem kreisweiten Niveau ab, am wenigsten AfD-Stimmen gab es in Konstanz und Reichenau (jeweils 6,8 Prozent). (tol)

 

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