Der Druck auf Oberbürgermeister Bernd Häusler und den Gemeinderat zur Instandsetzung der Scheffelhalle wächst. Nachdem die Poppele-Narrenzunft, die die Scheffelhalle vor allem zur Fastnacht über einen Zeitraum von rund vier Wochen nutzt, zunächst den OB sowie die Fraktionen über den Zustand der Halle unterrichtete, entschieden sich nun maßgebliche Vereine in der Stadt zu einem gemeinsamen Vorgehen zwecks Information der Öffentlichkeit. Neben der Zunft betonten Vertreter des Skiclubs, des Männerchores und des Fördervereins der Scheffelhalle gegenüber Medienvertretern die Dringlichkeit von Reparaturen.

Holz lässt sich mit dem Finger durchdrücken

So richtig bewusst geworden ist der Instandsetzungsbedarf erst vor gut einem Jahr im Zuge eines Wanddurchbruchs, mittels dessen ein Zugang zu den Damentoiletten geschaffen wurde. "Als Wand kann man das nicht mehr bezeichnen", so die Schilderung von Poppele-Säckelmeister Holger Marxer, "stellenweise gerät man mit dem Finger geradewegs durchs Holz." Als noch kritischer wird die Situation an gegenüber liegenden West- und Wetterseite der Halle eingestuft. Für den Fall eines weiteren Zuwartens befürchtet man unter anderem wegen der defekten Dachrinnen Schäden am Dachgebälk. Dieses ist wegen seiner als Zollinger Bauweise bezeichneten Konstruktion einer der Gründe für den Status der Scheffelhalle als Baudenkmal.

Vorschlag: Stück für Stück statt alles auf einmal

Trotz des nach Einschätzung der Vereine dringlichen Handlungsbedarfs, plädieren die Scheffelhallen-Lobbyisten für eine auf mehrere Jahre und in einzelnen Arbeitsschritten aufgeteilte Instandsetzung. Gerhard Bumiller, der Vorsitzende des Männerchores, plädiert für einen Zeitraum bis 2025 – dann könnte das 100-jährige Bestehen der Halle mit Konzerten, einer Operngala oder etwa Veranstaltungen des Badischen Sängerbunds verbunden werden.

Die Stückelung der Reparaturen hat nach Einschätzung von Holger Marxer zudem den Vorteil einer höheren Akzeptanz bei den Stadträten. Ein Betrag von beispielsweise 300 000 Euro pro Jahr höre sich einfach besser an als eine um ein Vielfaches darüber liegende Summe, bei der man komplett alles auf einen Schlag erledigen könnte. Deshalb auch wird der Begriff der Sanierung von den Vereinsvertretern beflissentlich vermieden, Holger Marxer spricht lieber von einem Notfallprogramm und Zunftkanzler Ali Knoblauch bezeichnet die geforderte Instandsetzung als Bestandssicherung.

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Umgekehrt darf sich die Stadt beziehungsweise der Gemeinderat keine Hoffnungen auf die Übernahme der Reparaturen oder gar der Kosten durch die Vereine machen. "Wir können bei Kleinigkeiten behilflich sein", sagt Zunftmeister Stephan Glunk, "aber ansonsten ist jetzt die Stadt gefordert." Dass die Vereine an ihre Grenzen kommen, verdeutlicht er mit Verweis auf die "katastrophale Energiebilanz", bei der zwecks akzeptabler Temperatur in der Halle bereits Tage vor einer Veranstaltung geheizt werden müsse. Gregor Leitz vom Skiclub Singen bestätigt dies vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit dem Brettlemarkt.

Vorwurf der Profilierung

Die Initiative der Vereine zur Ertüchtigung der Scheffelhalle zeigt inzwischen erste Wirkung. Sowohl die CDU- als auch die SPD-Fraktion haben Anträge für die Erarbeitung eines langfristigen Sanierungsplanes gestellt. Das wiederum sorgte für eine Reaktion des Stadtrats Dirk Oehle von der Neuen Linie. In einem Schreiben verdächtigt er insbesondere die CDU, dass sie vor der Gemeinderatswahl am 26. Mai die Idee einer Sanierung der Scheffelhalle bis zum Jubiläum 2025 als die ihre ausgeben wolle. "Der Lorbeerzweig für diese Initiative", so schreibt er, "gebührt alleine der Poppelezunft und dem Förderverein der Scheffelhalle, die alle Fraktionen überzeugen konnten, dass hier Handlungsbedarf besteht." Er verweist ferner darauf, dass die Zunft zahlreiche Untersuchungen des historischen Gebäudes in Eigeninitiative vorgenommen habe. Sein Kommentar: Die Politik solle sich nicht mit fremden Federn schmücken.

Vielfach genutzter Veranstaltungsort

  1. Die Bedeutung für die Vereine: Die Scheffelhalle hat im Vergleich zur Stadthalle den Vorteil der günstigen Miete sowie der Bewirtung mit entsprechender Einnahmemöglichkeit. Die ursprüngliche Befürchtung einer Konkurrenzsituation der beiden Hallen hat sich nach Darstellung der Vereine nicht bestätigt. Für den Fall einer Instandsetzung der Scheffelhalle gehen die Vereinsvertreter davon aus, dass sich die Belegung und Nutzung ausweiten lässt.
  2. Die historische Bedeutung: Peter Gäng vom Förderverein der Scheffelhalle bezeichnet das Gebäude als gute Stube der Stadt. An dem Gebäude seien in den knapp 100 Jahren seines Bestehens nur Schönheitsreparaturen vorgenommen worden, weitere Ausgaben habe es für die technische Ausstattung gegeben. Für den eigentlichen Bau-Kubus dagegen sei kein Geld geflossen. Gerhard Bumiller hält die Scheffelhalle darüberhinaus für ein Alleinstellungsmerkmal, das in der Konzeption zur Entwicklung Singens zu einer bedeutsamen Kulturstadt eine wichtige Rolle spielen sollte.
  3. Der derzeitige Aufwand: Durch Feuchtigkeit in der Halle werden die Bodenpanele aufgeworfen, weshalb die Narrenzunft im Vorfeld der Fastnachtsveranstaltung den Saalboden herrichtet. Der Verein mietet deshalb die Halle für mehrere Wochen, um so Zeit für die Reparaturen zu haben. Die Statik des Gebäudes ist laut Holger Marxer von den Wandschäden nicht beeinträchtigt, da der Bau vom Innengerüst getragen werde. (tol)