Das moderne Aparthotel neben dem historischen Gasthaus Sternen: Das Angebot zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals in Singen hätte nicht treffender sein können. Einige hundert Besucher sind am Sonntag nach Bohlingen gekommen, um das Gebäude zu besichtigen. Modern(e): „Umbrüche in Kunst und Architektur“ hieß das Motto des deutschlandweiten Denkmaltages – das neue Sternen-Ensembles hatte hier viel zu präsentieren.

„Moderne Umbrüche erfordern Kompromisse, das Konzept mit erhaltenem Fachwerk, wie hier am Sternen, ist sehr vorbildlich umgesetzt worden, der neue Dorfmittelpunkt bietet einen öffentlichen Treffpunkt für die Bürger“, sagte Tilo Brügel von der Denkmalschutzbehörde der Stadt Singen bei der Eröffnung.

Zusammen mit dem Dorfjournalisten Rolf Hirt erläuterte er in mehreren Führungen eine historische Fotoausstellung mit markanten Gebäuden und Szenen aus dem aktiven Dorfleben. „Die alten Fotos, noch dazu im Sternen, wecken Erinnerungen“, sagte Thea Zimmermann aus Bohlingen beeindruckt.

Geschichte des Wirtshausschildes

Spannend veranschaulichte Metallrestauratorin Katrin Huber aus Konstanz in einer anderen Führung die Geschichte des mächtigen Wirtshausschildes, das zur Restauration von der Fassade des Sternens abgehängt wurde. „Es ist den Voruntersuchungen zufolge eine Schlosserarbeit um das Jahr 1780/1790 gewesen, das zeigen auch die Symbole wie Vasen, Füllhorn, Adlerkopf und Weinreben“, erklärte die Expertin und verwies humorvoll auf eine ungewöhnliche, spezielle Szene des Schildes, bei der ein Hirsch einem fliehenden Wolf oder einer Hirschkuh folgt.

Huber empfiehlt den Eigentümern das brüchig gewordene Wirtshausschild künftig hinter einer Glasscheibe aufzustellen, damit es für Gäste gut sichtbar bleibe und zugleich erhalten werden könne.

Thomas Relling, Leiter der Bauherrengemeinschaft, und Susann Graf, Architektin des Bauprojektes, erklärten den Besuchern in einigen zugänglichen Apartments der beiden Gebäude die besondere Verbindung moderner Architektur und barocker Fachwerkgeschichte. „Ich bin sehr glücklich, dass den Bohlingern der neue Sternen so gut gefällt“, meinte Susann Graf und Thomas Relling fügte hinzu: „Wir hoffen nun, einen Betreiber für das Restaurant zu finden, damit auch künftig so viele Besucher wie heute da sein werden.“

Eigentümer, Denkmalschützer und Architekten gestalteten den Tag des offenen Denkmals entscheidend mit. Von links: Joel Relling, Tilo Brügel, Larissa Relling, Thomas Relling, Susann Graf und Stefan Dunaiski.
Eigentümer, Denkmalschützer und Architekten gestalteten den Tag des offenen Denkmals entscheidend mit. Von links: Joel Relling, Tilo Brügel, Larissa Relling, Thomas Relling, Susann Graf und Stefan Dunaiski. | Bild: Rolf Hirt

Mit Bewirtung und Kaffeehausmusik von der Pianistin Andrea Jäckle fand das Denkmal-Programm guten Zuspruch und die Besucher kamen bei den Besichtigungen ins Gespräch.

„Ich bin begeistert, mit wieviel Liebe der Sternen restauriert worden ist“, sagte Kornelia Grundler-Haug aus Singen. „Die Verbindung Alt und Modern ist stilsicher gelungen, beim Betreten des Hauses fühlt man sich sehr wohl“, so die Meinung von Leo Frech aus Königsheim bei Tuttlingen nach dem Rundgang.