Eigentlich war es eine gute Nachricht. Als Stephanie Clauß dem Gemeinderat die Kriminalstatistik vorstellte, konnte die Polizeichefin erstmals seit Jahren von einem Rückgang der Gewalt gegen Polizisten berichten. Kam es im Jahr 2016 mehr als 80 Mal vor, dass man gegen Ordnungshüter Hand anlegte, so waren es 2017 nur noch 56 Vorfälle. Und trotzdem wirkt das Wörtchen "nur" deplatziert: Mindestens einmal pro Woche ist ein Polizist im vergangenen Jahr in Singen attackiert worden. Beschimpfungen nicht miteingerechnet.

Wie muss sich das anfühlen, Montagmorgens mit dem Wissen zur Arbeit zu fahren, dass es diese Woche wieder einen der Kollegen treffen wird? Dass man in den nächsten Tagen selbst zum Opfer werden könnte? Die Belastungen für ihre Kollegen seien sehr hoch, sagt Stephanie Clauß – und die Zahlen geben ihr Recht. In einer Studie des Instituts "DGB-Index Gute Arbeit" erklärten 55 Prozent der befragten Polizisten, dass in ihrem Berufsalltag oft oder sehr oft Konfliktsituationen auftreten – das ist viermal höher als der Durchschnittswert aller Beschäftigen. Jeder vierte Polizeibeamte gibt an, häufig bis sehr häufig herablassend behandelt oder angefeindet zu werden.

Bemerkenswert, dass die Frauen und Männer in Blau ihren Dienst trotzdem in den meisten Fällen abgeklärt verrichten. Leicht fällt ihnen das mit Sicherheit nicht. Im Rahmen der Studie erklärten 67 Prozent der Ordnungshüter, dass sie bei der Arbeit ihre Gefühle unterdrücken und verbergen müssten. Ja, es gibt wohl keinen Job, der psychischen und physischen Druck in dieser Form kombiniert. Vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken, das nächste Mal, wenn einem ein Polizist gegenüber steht. Hinter jeder Uniform steckt immer ein Mensch!