Die Sorge des Singener Oberbürgermeisters Bernd Häusler blieb unbegründet. Auch der Hohentwiel ist im Schriftzug auf dem neuen Zug erwähnt, so wie es auch am Singener Bahnhof steht. Bei der Feier in Singen zum 25-jährigen Bestehen der Seehas-Linie wurde ein Zug auf den Namen „Singen/Hohentwiel„ getauft.

Auch der Initiator des immer besser frequentierten Schienenverkehrsangebots, der ehemalige Landrat Robert Maus, war zum Jubiläum gekommen. Für ihn gab es eine kleine Überraschung: Auf dem Zug ist nämlich das Bildzeichen einer Maus angebracht. Sichtlich erfreut nahm Robert Maus diese nette Geste auf. Bereits 1973 hatte Robert Maus sich erstmals mit der Idee eines grenzüberschreitenden Nahverkehrs intensiver befasst. 1977 war der Vorschlag erstmals im Kreistag vorgestellt worden. Dann sollte es noch bis zum 9. Dezember 1993 dauern, bis der Vertrag zwischen dem Landkreis, der Deutschen Bahn und der Schweizerischen Mittelthurgaubahn unterschrieben wurde. Am 29. Mai 1994 fuhr der erste Seehas auf der Strecke Engen-Weinfelden. Eine Jury hatte sich nach einem Publikumswettbewerb für den Namen „Seehas„ entschieden.

Landrat Zeno Danner bezeichnete beim Jubiläumsfest in Singen die S-Bahn-ähnliche Zugverbindung „als Rückgrat der Region“ und dankte den Mitstreitern der ersten Jahre, dass sie das Verkehrsangebot an den Start gebracht hatten. Seit 2006 fährt der Seehas unter dem Betreiber SBB Deutschland GmbH (eine 100-prozentige Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen AG mit Sitz in Konstanz) mit den neuen Flirt-Zügen. Die Fahrgastzahlen hätten sich von anfangs knapp 10 Millionen Nutzern im Jahr auf nun knapp 20 Millionen nahezu verdoppelt. Danner dankte dem Geschäftsführer der SBB GmbH, Patrick Altenburger, dass man vor zwei Monaten den Vertrag um weitere acht Jahre bis 2027 verlängern konnte. Ab Dezember 2020 werde die Mitnahme von Fahrrädern im Seehas kostenlos sein, kündigte Danner an.

Für Patrick Altenburger waren vor allem Robert Maus und Peter Joss, damaliger Direktor der Mittelthurgaubahn, die Motoren für die Realisierung dieser Zugverbindung. „Unsere Flirt-Züge haben nun aber nach 15 Jahren ein Alter erreicht, wo der Lack ab ist“, so Altenburger. Die Züge würden nach und nach überarbeitet, weshalb die Seehas-Züge nicht immer mit allen Waggons fahren können. Parallel laufe auch das Modernisierungsprogramm auf der Strecke. Die Sanierung dauere leider länger als erwartet.

Gerd Hickmann vom Verkehrsministerium gratulierte im Namen von Verkehrsminister Winfried Hermann zu 25 Jahren Seehas: „Der Landkreis Konstanz war mit dem Seehas ein Pionier bei der Renaissance des Nahverkehrs auf der Schiene“. Dass der Seehas zu einem solchen Erfolgsprojekt wurde, verdanke man der SBB GmbH, die hier ein gutes und verlässliches Angebot auf die Schiene bringe. Für die Zukunft sollte man die Kapazitäten am Wochenende ausweiten und das Ziel sei es, auch am Abend im Halbstundentakt zu fahren.

Der Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler dankte den Entscheidern und Geburtshelfern, die vor über 25 Jahre das Seehas-Projekt in Angriff nahmen. In Singen seien täglich etwa 15 000 Menschen am Bahnhof, darunter viele Schüler, die den Zug nehmen.

Zwei historische Züge pendelten anlässlich des Jubiläumsfests den ganzen Tag auf der Seehas-Strecke zwischen Konstanz und Engen. Zudem gab es in Singen auf dem Vorplatz des Hegau-Towers ein buntes Unterhaltungsangebot.

Langer Weg zum Seehas

1977 stellt der damalige Landrat Robert Maus seine Überlegungen für einen grenzüberschreitenden Nahverkehr auf der Schiene vor. 1988 werden Pläne für ein S-Bahn-Angebot entwickelt. In den Folgejahren entsteht das Konzept einer Verbindung Engen-Konstanz-Weinfelden-Wil. Am 29. Mai 1994 wird die Seehasstrecke Weinfelden-Engen eröffnet. Der Name Seehas resultiert aus einer Publikumsbefragung. Ab 2005 pendelt der Seehas nur noch zwischen Konstanz und Engen. 2006 gibt es einen Betreiberwechsel. Seither ist die SBB der Vertragspartner. (sgr)