Als es vorbei ist, reibt sie sich die Hände. „Es war so witzig, dass ich gar nicht gemerkt hab, wie kalt es ist“, sagt die Zuschauerin zu ihrer Nachbarin in der ersten Reihe. Ein schöneres Kompliment kann man den Rielasinger Narren an diesem Vormittag gar nicht machen. Denn um 11.11 Uhr zeigt das Thermometer an diesem 11.11. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt an. Die meisten der knapp 300 Zuschauer vor der Freilichtbühne haben sich in Schals und Decken eingemümmelt.

Holger Reutemann, der Vorsitzende des Narrenvereins, stimmt die Zuschauer auf den ersten Akt des Stücks ein.
Holger Reutemann, der Vorsitzende des Narrenvereins, stimmt die Zuschauer auf den ersten Akt des Stücks ein. | Bild: Tesche, Sabine

Ein Luxus, den sich die Darsteller nicht erlauben können. Gerd Schoch, der bei der Aufführung von „So goht‘s it“ den Bader mimt, muss sich in der nächsten Stunde sogar barfuß durch das feuchte Laub kämpfen. Ja, es geht rau zu im Mittelalter. Das bekommen zu Beginn des traditionellen Martinispiels der Rattlinger auch die Bauernfrauen zu spüren. Gerade haben sie die Tafel gedeckt und dekoriert, Brot und Wecken gebacken, sich herausgeputzt und fröhlich singend das Festmahl vorbereitet.

Bild: Tesche, Sabine

Doch dann die Enttäuschung. Nach einem anstrengenden Arbeitstag auf dem Feld würdigen die Herren der Schöpfung die Bemühungen ihrer Gattinnen keines Blickes. Duschen, Fingernägel schneiden, sich ordentlich anziehen? Nein, danke. „Hygiene, isch uns doch wurscht – hoch die Tassen, wir ham Durscht!“ Das Bier schwappt über die Becherränder und auch, dass im allgemeinen Tohuwabohu das Grillgut im Dreck landet, ist den Männern wurstegal. Essen kann man das allemal noch...

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Aber: Die Frauen setzen sich zur Wehr

Womit sie nicht gerechnet haben: Die Frauen lassen sich nicht so einfach den Schneid abkaufen: „Banausen“, „Dreckspatzen“, schallt es ihnen über die mittlerweile ziemlich ramponierte Tafel entgegen. Applaus auf den Rängen als Marita Reitze-Fürst den Herren mit ihrem Wischtuch über den Nacken fährt. „Ich bin weg – und du kannst dich suhlen im Dreck„, schleudert sie ihrem Gatten entgegen. Die anderen Bauernfrauen folgen ihrem Beispiel.

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Lange können die Männer ihre Freiheit aber nicht genießen. Als sie tags
drauf mit brummenden Schädeln erwachen, verdonnern Junker Hans und Burgvogt Spindler ihre Untergebenen zum Aufräumen. Keine leichte Aufgabe, wenn einem Bier und Grillwurst des Vorabends noch im Magen liegen. Und: Wie funktioniert diese Hausarbeit überhaupt? Gelächter, als die Bauern die Teller unter Einsatz der eigenen Spucke polieren und sich in der Wäscheleine verheddern.

Bild: Tesche, Sabine

Spätestens beim Anblick der Klobürste wird klar: Ohne ihre „Wiber“ sind sie aufgeschmissen. Auch den Burgherren stinkt es. Die Männer sollen sich gefälligst im Badhaus reinigen lassen, befehlen Junker und Vogt. Dann muss ein Plan her, um die so schmerzlich vermissten Frauen zurückzugewinnen.

Sieg über die Flammen entfacht das alte Feuer

Aber natürlich sind die schon einen Schritt voraus. An ihrem neuen Arbeitsplatz, dem Badhaus, warten sie nur darauf, die Männer mit Ellbogen, Nudelhölzern und Zangen „zu massieren“.

Auch Junker Hans (Andreas Fürst, links) und Burgvogt Spindler (Michael Blum) bekommen im Badhaus die Rache der Bauersfrauen zu spüren.
Auch Junker Hans (Andreas Fürst, links) und Burgvogt Spindler (Michael Blum) bekommen im Badhaus die Rache der Bauersfrauen zu spüren. | Bild: Tesche, Sabine

Aber dann die Wende: Ein Feuer bricht aus. Die Geschlechter müssen sich zusammenraufen und gemeinsam die Flammen besiegen. Danach glätten sich die Wogen im Badhaus. Eigentlich haben sich ja doch alle gern.

Die Männer geloben sogar, künftig bei der Hausarbeit zu helfen. Ein Happy-End, das – wenn auch nicht die Zehen – zumindest die Herzen der Zuschauer erwärmt.

Trotz der kühlen Temperaturen amüsieren sich die Zuschauer an der Burgruine prächtig.
Trotz der kühlen Temperaturen amüsieren sich die Zuschauer an der Burgruine prächtig. | Bild: Tesche, Sabine