Inmitten des abgedunkelten und ruhigen Raumes liegt ein menschlicher Leichnam, von Kopf bis Fuß fein säuberlich aufgeschnitten in daumendicke Scheiben. Dass dies ein Mann ist, ist noch gut erkennbar. Zu diesem Ausstellungsstück gesellen sich über 200 plastinierte anatomische Exponate. Arme, Beine, Köpfe, ein Herz und etliche andere Organe sowie Körperteile sind speziell konserviert, der Verwesungsprozess wurde dadurch gestoppt. Diese besonderen Ausstellungsstücke sind bis einschließlich Sonntag in der Talwiesenhalle zu begutachten. Die Körper kommen alle aus den USA, zu Lebzeiten hatten sich die Menschen laut Jeremy Sperlich, technischer Leiter des Ausstellungsteams, für medizinische Zwecke freiwillig zur Verfügung gestellt.

Blick auf die schwarze Raucherlunge

Der Titel der Ausstellung lautet „Anatomische Ausstellung, echte menschliche Körper – Die Lehre der Toten“. In diesem Sinne sind die menschlichen Reste in gläsernen Schaukästen nebst ausführlich beschriebenen Schautafeln ausgestellt. Skandalöse, provozierende oder aufregende Darstellungen sucht man hier vergeblich. Die Themen beziehen sich unter anderem auf das menschliche Skelett und den Bewegungsapparat, das Gehirn, das Nervensystem, die menschlichen Geschlechtsorgane, Herz und Blutkreislauf sowie verschiedene Organe. Außerdem wird die Gelegenheit geboten, sich mit den Themen Organspende, Krebs, Aids, Alkohol und Nikotin auseinander zu setzen. Der Blick auf eine schwarze Raucherlunge bleibt einem dabei nicht erspart. Oder auch der Anblick einer komplett abgezogenen Menschenhaut, an der die Erkrankung Hautkrebs erklärt wird.

Der große Besucheransturm blieb am Donnerstag zur Eröffnung der Ausstellung erstmal aus. Das kann an den hochsommerlichen Temperaturen gelegen haben oder auch an der ethischen Fragwürdigkeit einer solchen Schau. Der deutsche Mediziner Gunther von Hagens hat das Plastinationsverfahren in den 1980er-Jahren entwickelt und sorgt seitdem damit immer wieder für Gesprächsstoff. Bekannt wurde er mit den „Körperwelten“-Ausstellungen. Kritik an diesen kann Jeremy Sperlich gut verstehen. Denn die „Körperwelten“ seien mit wenig medizinischem Hintergrund, dafür aber sehr viel extremer und aufregender aufgebaut.

Der Zuschauer im Zwiespalt

Lehrreich und informativ? Oder geschmacklos? Der Zwiespalt könnte die Faszination der toten Körper ausmachen. Befremdlich könnten ausgestellte tote Neugeborene und Föten wirken, aber auch dieses Themengebiet wird wie die anderen eher wissenschaftlich als skandalös dargestellt.

Rielasingen-Worblingens Bürgermeister Ralf Baumert kommentierte: „Tod und Leichen gehören zum Leben dazu.“ Er steht der Körper-Ausstellung positiv gegenüber, vorausgesetzt alle rechtlichen Vorgaben werden eingehalten. Jeder könne schließlich für sich selbst entscheiden, ob er so etwas sehen möchte oder eben nicht.

Medizinisch könnte es lehrreich sein

Pfarrer Arthur Steidle, Leiter der Seelsorgeeinheit Aachtal: „Wenn nicht das Geldverdienen, sondern das Positive im Vordergrund steht, ist eine solche Ausstellung für mich persönlich kein Problem“. Der für viele Themen offene Pfarrer sieht eine Sinnhaftigkeit in konservierten menschlichen Körpern, wenn dies medizinisch lehrreich sei. So könnten Menschen, die anderen helfen wollen, vieles über die menschliche Anatomie lernen.

Birgit Steiner, geschäftsführende Schulleiterin in Rielasingen-Worblingen: „Eine Ausstellung dieser Art mag interessant sein, wenn man sich pathologisch informieren möchte.“ Inwieweit man Schüler damit konfrontieren sollte, müsse der Pädagoge entscheiden, der sich auch um die Vor- und Nachbereitung eines solchen Themas kümmere.