Stephan Okle ist noch ganz entspannt. Für den internationalen Halbmarathon und den Zehn-Kilometer-Straßenlauf, die am Sonntag, 16. September auf der Insel Reichenau stattfinden, haben sich zwar noch nicht ganz so viele Teilnehmer angemeldet, erklärt der Abteilungsleiter Leichtathletik des Sportvereins Reichenau. Aber: „Wir sind im Soll, so wie die letzten Jahre.“

Denn als Hauptorganisator weiß er aus Erfahrung, dass viele sich erst wenige Tage vor der Veranstaltung melden, viele sogar erst am Tag selbst. Und so rechne er wieder mit rund 600 Teilnehmern im Alter von sechs bis über 80 Jahren wie zuletzt, bei dieser Zahl habe es sich eingependelt. Es dürften natürlich gern auch mehr sein, so Okle. „Wir sind glücklich über jeden, der läuft.“

Der Laufboom geht etwas zurück

Wobei es vor einigen Jahren schon mal mehr gewesen seien, bis zu 800, so Okle: „Da waren wir eigentlich an der Kapazitätsgrenze.“ Damals habe es einen Laufboom gegeben, jetzt sei der Trend auch anderorts etwas rückläufig. Ein anderer Trend gehe zum Zehn-Kilometer-Lauf, die Mehrheit der Teilnehmer wähle diese Strecke, bei der man die Insel einmal umrundet.

„Da hat man eine Sightseeing-Tour, man kommt an allen drei Kirchen vorbei“, erklärt Okle. Beim Halbmarathon laufe man drei mal eine verkürzte Inselrunde, ohne Niederzell. 50 bis 60 Mitglieder und Freunde des SVR werden im Einsatz sein, damit alles funktioniere, so Okle.

Drei Läufer erzählen von ihrer Motivation

Bild: Zoch, Thomas

Moritz Zähringer, 17 Jahre, Gymnasiast aus Radolfzell

„Ich trainiere hier, weil es auf der Reichenau eine ziemlich gute Laufgruppe gibt. Es bietet sich an und passt gut, wenn man mit anderen Läufern trainieren kann. Bei der Leichtathletikgemeinschaft Radolfzell sind wir auf der Mittel- und Langstrecke nur zu zweit.

Ich bin eigentlich ein 800- und 1500-Meter-Läufer, trainiere fünf bis sechs Mal die Woche. Ich mache auf der Reichenau die zehn Kilometer mit. Es ist am Anfang der neuen Saison einfach gut, mal längere Strecken zu laufen als Ergänzung. Da geht es ums Ausdauertraining.

Auf der Reichenau bin ich zum zweiten Mal, 2015 war ich auch beim Zehn-Kilometer-Lauf. Da war ich 14 Jahre und habe noch andere Disziplinen in der Leichtathletik gemacht. Das ist nicht vergleichbar. Mein Ziel ist es wie beim Megathlon in Radolfzell dieses Jahr, die 40-Minuten-Marke zu unterbieten.

Die Platzierung spielt für mich bei solchen Volksläufen gar keine Rolle. Da geht es mir darum, eine neue persönliche Bestzeit zu laufen. Bei Meisterschaften ist das was anderes. Bei den Badischen ist es immer das Ziel, unter die ersten Drei zu kommen, bei den Baden-Württembergischen oder Süddeutschen unter die ersten Acht, da ist die Konkurrenz größer. Der Zug an die deutsche Spitze ist für mich schon etwas abgefahren.

Gut finde ich am Laufen im Vergleich zur Leichtathletik insgesamt, dass man immer an die Grenze seines Körpers stößt und das Maximum herausholen muss. Es geht um die Herausforderung, den Kampf mit dem eigenen Körper. Der erste Gegner ist man immer selbst.“

Bild: Zoch, Thomas

Fabian Sirch, 30 Jahre, Kfz-Mechatroniker von der Reichenau

„Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Reichenau dabei, ich bin erst vor fünf Jahren hergezogen. Ich bin die zehn Kilometer gelaufen, die Platzierung weiß ich gar nicht mehr so genau. Aber darauf kommt es mir nicht so an. Mir macht das Laufen an sich viel Spaß.

Es ist mal nett, bei solch einem Wettkampf mitzumachen, aber für vorne reicht’s nicht mehr. Ich bin früher nicht so wirklich viel gelaufen, in der Jugend galt mein Hauptaugenmerk dem Schwimmen. Der Wechsel hat sich so ergeben. Ich finde das Laufen nach der Arbeit schön – zum Entspannen, zwischen acht und zehn Kilometern.

Ich trainiere mit der Laufgruppe des Sportvereins jeden Mittwoch, da laufen wir eine Inselrunde, das ganze Jahr über. Das Laufen in Gemeinschaft, mit Freunden und Bekannten, gefällt mir, und es tut der Gesundheit gut. Man kann diesen Sport auch überall ausüben, selbst im Urlaub, man ist an nichts gebunden, muss nur seine Schuhe dabei haben.

Ich mache nicht so viele Wettkämpfe, da bin ich nicht der Typ dafür. Ich laufe, weil es mir persönlich Spaß macht. Ich nehme außer auf der Reichenau noch an den vier Crossläufen im Landkreis teil, wenn es zeitlich möglich ist. Da finde ich die Natur immer ganz schön.

Auf der Reichenau mache ich den Zehn-Kilometer-Lauf. Da hat man alles mit dabei, auch Steigungen. Mein Ziel ist es: Besser als im letzten Jahr möchte ich schon sein, ich möchte mich immer verbessern. Aber die Frage ist immer, was man selbst schafft.“

Bild: Zoch, Thomas

Peter Wehrle, 48 Jahre, Fliesenleger von der Reichenau

„Ich bin seit 33 Jahren als Läufer aktiv. Beim Insellauf habe ich seit 1987 nur drei Mal gefehlt, war also 28 Mal dabei. Früher gab es noch einen 25-Kilometer-Lauf.

Ich habe bei den Strecken immer gewechselt, mal Halbmarathon, mal zehn Kilometer. Das laufe ich dieses Jahr wieder, weil eine Woche später in Singen der Halbmarathon ist. Zwei Halbmarathons innerhalb so kurzer Zeit ist nicht so günstig. Und mir gefällt auf der Reichenau auch die Zehn-Kilometer-Strecke ganz gut.

Ich trainiere vier bis fünf Mal die Woche – viel auf der Reichenau, am Wochenende gehe ich meistens in den Wald. Das Minimum ist acht Kilometer, vor allem am Tag nach einem Wettkampf zum Auslaufen, aber sonst sind es meist schon zehn bis 15 Kilometer.

Mein Ziel ist es immer, in der Altersklasse einen vorderen Platz zu haben. Ich will die Leistung vom Vorjahr meistens wieder bringen, orientiere mich an meinen Zeiten. Meine beste Platzierung auf der Reichenau beim Halbmarathon war der sechste Gesamtplatz. Das ist schon eine zeitlang her, das war 1994. Von dieser guten Zeit bin ich mittlerweile ein Stück entfernt.

Im Jahr habe ich so um die 20 Wettkämpfe. Was ich eigentlich jedes Jahr mache, ist die Bodensee-Crosslaufserie, die Halbmarathons in Freiburg und Heidelberg, die Läufe in Singen und Konstanz, und beim Schienerberglauf habe ich noch nie gefehlt, seit es ihn gibt (2006).

Laufen ist vor allem gut für die Gesundheit. Und man kann es das ganze Jahr machen – gerade auch nach Feierabend und im Winter. Und bei vielen Läufen ist die Umgebung schön. Man kommt rum und sieht immer wieder mal was Neues. Das Wichtigste sind gute Laufschuhe.“