Der Name ist Programm beim UnterhaltungsorchesterReichenau (UHO). Bei seinen Winterkonzerten in der Inselhalle bot das Ensemble wieder gut drei Stunden lang beste und kurzweilige Unterhaltung. Und dies auf erstaunlich professionellem Niveau, wenn man bedenkt, dass die rund 50 Musikerinnen und Musiker sowie fast 20 Vokalisten alle Amateure sind.

Das Unterhaltungsorchester Reichenau bot unter der Leitung des neuen Dirigeten Nikos Ormanlidis abwechslungsreiche und kurzweilige Winterkonzerte auf hohem Niveau. Bild: Thomas Zoch
Das Unterhaltungsorchester Reichenau bot unter der Leitung des neuen Dirigeten Nikos Ormanlidis abwechslungsreiche und kurzweilige Winterkonzerte auf hohem Niveau. Bild: Thomas Zoch | Bild: Zoch, Thomas

Unter der Leitung des neuen Dirigenten Nikos Ormanlidis boten sie eine großartige Show – vom fulminanten Auftakt mit dem schwungvollen Walzer „Tanzen möcht' ich“ aus der Operette „Csardasfürstin“ als fürstlich-üppige Ouvertüre bis hin zum Finale, das mit dem Song „Tonight“ aus dem Musical „Westside-Story“ großes Gefühlskino bot, bei dem Ines Happle-Lung und Alexander Weltin mit ihren starken Stimmen ein glanzvolles Duett präsentierten.

Großes Gefühlskino als Finale boten Ines Happle-Lung und Alexander Weltin im Duett mit Tonight aus der Westside-Story.
Großes Gefühlskino als Finale boten Ines Happle-Lung und Alexander Weltin im Duett mit Tonight aus der Westside-Story. | Bild: Zoch, Thomas

Der frühere Dirigent Hartmut Spitzhüttl, der als Moderator mit ebenso trockenem wie schelmischem Humor unterhaltsam durchs Programm führte, hatte eingangs zum Publikum gesagt: „Wir hoffen, dass wir mit unserer Musikauswahl Ihren Geschmack treffen.“ Am Ende konnte man bilanzieren: Es war ein Volltreffer. Das Publikum in der mit jeweils rund 400 Besuchern dreimal ausverkauften Halle war begeistert, spendete reichlich Applaus und immer wieder Jubelrufe.

Der frühere Dirigent Hartmut Spitzhüttl führte als Modeartor humorvoll durchs Programm.
Der frühere Dirigent Hartmut Spitzhüttl führte als Modeartor humorvoll durchs Programm. | Bild: Zoch, Thomas

Die 81-jährige Anna Wagner meinte: „Die machen dem Fernsehen Konkurrenz.“ Für ältere Besucher wie sie sei natürlich der erste, klassische Programmteil am schönsten, aber ihr würden auch die moderneren Sachen gefallen. „Sonst ginge ich nicht ins Konzert. Auch die Darstellung als solche ist wunderbar“, sagte die Reichenauerin.

Ebenso begeistert äußerte sich der weit jüngere Stefan Hanoeffner aus Niederbayern, der zu Besuch war. „Mir gefällt das Konzert sehr gut. Ich bin beeindruckt, dass so eine kleine Zahl an Menschen eine so professionelle Darbietung hinkriegen.“ Es werde Musik aus unterschiedlichen Zeiten und für verschiedene Altersgruppen geboten, die gut kombiniert sei. Und begeistert sei er auch vom Moderator, der ebenso sachlich wie humorvoll sei: „Das ist ein Naturtalent.“

Die Darbietungen bewegten sich fast durchgängig auf sehr hohem Niveau, doch einige Momente müssen besonders hervorgehoben werden. So etwa im wie üblich klassisch geprägten ersten Teil, der sehr wuchtig und temperamentvoll ausfiel, der feurige spanische Zigeunertanz mit filigranen Streichern und kraftvollen Bläsern – und mehr noch der finale Walzer von Schostakowitsch, bei dem Ormanlidis selbst zum Instrument griff und im wahrsten Sinne die erste Geige spielte, wobei er nebenbei mit dem Bogen dirigierte.

Das Unterhaltungsorchester Reichenau bot unter der Leitung des neuen Dirigeten Nikos Ormanlidis abwechslungsreiche und kurzweilige Winterkonzerte auf hohem Niveau. Der Dirigent griff dabei auch selbst einmal zum Instrument und spielte die erste Geige.
Das Unterhaltungsorchester Reichenau bot unter der Leitung des neuen Dirigeten Nikos Ormanlidis abwechslungsreiche und kurzweilige Winterkonzerte auf hohem Niveau. Der Dirigent griff dabei auch selbst einmal zum Instrument und spielte die erste Geige. | Bild: Zoch, Thomas

Im zweiten Teil die Premiere der jugendlichen Johanna Frick, die mit ihrem Papa Joachim zauberhaft „Endlich sehe ich das Licht“ aus dem Disney-Film „Rapunzel“ sang – begleitet von einem sehr zart aufspielenden UHO.

Ein zauberhafter Auftritt: Die junge Johanna Frick gab zusammen mit ihrem Papa Joachim eine gelungene Premiere auf der Bühne des UHO.
Ein zauberhafter Auftritt: Die junge Johanna Frick gab zusammen mit ihrem Papa Joachim eine gelungene Premiere auf der Bühne des UHO. | Bild: Zoch, Thomas

Oder die ebenfalls recht junge Carina Gartner mit ihrer beeindruckenden Stimme, die bei „Keiner ist wie du“ dem Original Sarah Connor in nichts nachstand und danach mit Benedikt Blum und Marius Senger mit „Light of day“ von der Little River Band ein starkes Trio bildete.

Carina Gartner überzeugte sowohl mit Soloauftritten als auch im Trio mit Benedikt Blum und Marius Senger bei einem Song der Little River Band.
Carina Gartner überzeugte sowohl mit Soloauftritten als auch im Trio mit Benedikt Blum und Marius Senger bei einem Song der Little River Band. | Bild: Zoch, Thomas

Ebenso witzig wie großartig war zudem das Katzenduett von Rossini mit inbrünstigem Miau-Gesang von Juliane Epp und Ines Happle-Lung.

Juliane Epp (rechts) und Ines Happle-Lung lieferten mit inbrünstigem Miau-Gesang ein witziges Katzenduett.
Juliane Epp (rechts) und Ines Happle-Lung lieferten mit inbrünstigem Miau-Gesang ein witziges Katzenduett. | Bild: Zoch, Thomas

Im dritten Teil bewiesen das UHO und diverse Sänger noch einmal großes Können – so etwa Alexander „Frankie“ Weltin mit dem schwungvollen Sinatra-Hit „I Get A Kick Out Of You“, zu dem Martin Gasser ein Saxofonsolo beisteuerte. Den nötigen knackigen Einstieg zum Breitwand-Sound bekam das UHO auch gut hin beim Peter-Gabriel-Hit „Sledgehammer“, den Bene Blum mit seinem rauen Organ gut interpretierte, sowie bei der James-Bond-Nummer „You Know My Name“ mit Joachim Frick am Mikro.