Die stetige Zunahme von bestätigten Corona-Fällen hat nun auch die Verantwortlichen in den Gemeinden Allensbach und Reichenau dazu bewogen, mit einigen Maßnahmen die schnelle Ausbreitung des Virus möglichst einzudämmen. Die Bürger müssen sich also auf Einschränkungen des öffentlichen Lebens einrichten. „Große Teile der Verwaltung werden heute schließen und vermutlich am Montag auch nicht öffnen“, sagte Bürgermeister Stefan Friedrich am Freitag.

Friedrich: „Es wird Einschnitte in unser aller Leben geben“

Es sei eine Situation, die es „für die meisten von uns noch nicht gegeben“ habe, sagte Stefan Friedrich. „In 30 Jahren werden wir uns wahrscheinlich alle noch an das Jahr 2020 erinnern.“ Die Einschnitte dürften sich auch wirtschaftlich auswirken. Allensbach profitiert wie alle Gemeinden am Bodensee von seiner Attraktivität für Gäste aus Deutschland und angrenzenden Ländern.

Hat allein für ein Allensbacher Hotel 150 Stornierungen gezählt: Bürgermeistger Stefan Friedrich.
Hat allein für ein Allensbacher Hotel 150 Stornierungen gezählt: Bürgermeistger Stefan Friedrich. | Bild: Oliver Hanser

Viele Stornierungen im Hotel

Wie das Tourismusbüro mitteilte, habe allein ein Hotel gestern 150 Stornos gemeldet. Und das Hotel Garni „Die Ente“ habe gemeldet: „Da die Schmieder-Kliniken keine Besucher mehr zulassen, haben wir für dieses Wochenende nur Stornos erhalten.“ Friedrich sagte zum Thema Tourismus: „Das ist ein wichtiges Standbein für uns.“ Mit Blick beispielsweise auf die Campingplätze als Eigenbetrieb gehe er von einem der schlechtesten Jahre überhaupt aus. Auch das Kloster Hegne leidet als Wirtschaftsbetrieb, nicht zuletzt weil Firmen keine Tagungen mehr veranstalten.

Sorge um die Gesundheit

Tatsache sei aber auch, dass „solche monetären Ausfälle zwar wehtun, aber unsere Sorge sollte der Gesundheit gelten“. Rückblickend sei es daher auch richtig gewesen, die für vergangenen Mittwoch geplante Vocals-Night in der Bodanrückhalle wegen der Infektionsgefahren durch das Corona-Virus abzusagen. Für das Konzert war mit rund 600 Besuchern gerechnet worden. „Natürlich hat uns die Entscheidung weh getan, zumal sich die Lage damals noch nicht so zugespitzt hatte“, sagt Friedrich.

Vocals-Night soll nachgeholt werden

Jetzt zeige sich, dass man damit vorab den richtigen Weg gegangen ist. Das Konzert soll – nach heutigem Stand, wie man inzwischen dazusagen muss – im Herbst nachgeholt werden. Derweil weiß Kulturbüroleiterin Sabine Schürnbrand aktuell aufgrund der Ungewissheit nicht, wie sie die Umsonst & draußen-Reihe im Seegarten organisieren soll. Ende Mai soll dort eigentlich die neue Bühne eröffnet werden. Auch die Lokale Agenda hat jüngst zwei kleinere Veranstaltungen abgesagt.

Reichenaus Bürgermeister Wolfgang Zoll (links) will für Kinder von Rathausmitarbeitern eine Betreuung anbieten. Neben ihm der Reichenauer Kultur- und Tourismuschef Karl Wehrle.
Reichenaus Bürgermeister Wolfgang Zoll (links) will für Kinder von Rathausmitarbeitern eine Betreuung anbieten. Neben ihm der Reichenauer Kultur- und Tourismuschef Karl Wehrle. | Bild: Zoch, Thomas

Vereine zu Verzicht aufgefordert

Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll erklärte, er habe aufgrund der gestrigen Empfehlung des Landratsamts alle Vereine aufgefordert, nicht notwendige Versammlungen und Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben. Die Feuerwehren in beiden Gemeinden haben dies bereits getan. Letztlich müssten das die Vereine als Veranstalter entscheiden, sagte Zoll, doch: „Ich gehe davon aus, dass dies umgesetzt wird.“

Probebetriebe sind eingestellt

Ansonsten werde er mit den Betreffenden Kontakt aufnehmen. Bereits eingestellt sei der Probebetrieb von Kirchenchor, Münsterorchester und Bürgermusik. Letztere werde zudem ihr Frühjahrskonzert am 28. März absagen, so Zoll. „Ich halte es auch für sinnvoll, den Kontakt zwischen den Menschen auf das Notwendigste zu begrenzen, um eben die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen oder gänzlich zu stoppen, wenn das geht.“

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Rästeln über Gemeinderatssitzung

Ob der Bürgermeister selbst die für 30. März geplante Gemeinderatssitzung abhalten wird, wolle er bis Ende nächster Woche entscheiden und bis dahin die weitere Entwicklung abwarten. Er werde aber ab sofort Besprechungen im Rathaus in größeren Räumen ansetzen, damit ein gewisser Abstand eingehalten werden könne. Dass auch in beiden Gemeinden ab Dienstag Schulen und Kindergärten geschlossen sein werden, sei natürlich ein Riesenproblem, so Zoll.

Bild: Müller, Cornelia

Als Arbeitgeber in der Pflicht

„Wir werden als Arbeitgeber im Rathaus schauen, dass die Mitarbeiter ihre Kinder mitbringen können und diese oder andere Mitarbeiter im Wechsel die Betreuung übernehmen. Da steht der Arbeitgeber jetzt in der Pflicht.“ Zoll sagte zwar: „Wir wollen die Öffnungszeiten im Rathaus nicht reduzieren.“ Doch er appelliert an die Bürger, das Rathaus möglichst nur per Telefon oder E-Mail zu kontaktieren. Die richtigen Ansprechpartner finde man auf der Gemeinde-Homepage.

Eine dynamische Lage

„Die Lage ist dynamisch“, so Zoll, sie ändere sich von Tag zu Tag. „Man muss aktuell darauf reagieren. Was heute gilt, kann sich in ein paar Tagen schon wieder anders darstellen.“ Doch Zoll äußerte sich verhalten optimistisch aufgrund der ergriffenen Maßnahmen, des deutschen Gesundheitssystems und der permanenten Abstimmung der Vorgehensweise zwischen Behörden und Gemeinden. „Ich gehe davon aus, dass sich die Dinge in absehbarer Zeit positiv entwickeln werden.“

Zoll verzichtet auf Händeschütteln

Er selbst verzichte aktuell auch aufs Händeschütteln und wasche sich öfter als sonst die Hände. Doch er gehe auch nach wie vor Einkaufen oder in Lokale. Gestern habe er zum Beispiel noch in einem Restaurant auf der Reichenau zu Mittag gegessen. „Man muss auch Augenmaß walten lassen“, meinte Zoll. „Es muss auch einen gewissen Alltag geben, der weiter funktionieren soll.“

So reagiert das Kloster Hegne

Hygiene gelte dabei als wichtigste Maßnahme zur Prävention. „Die fachliche Ausführung, Begleitung und Kontrolle unserer Hygiene im Allgemeinen ist bei unseren Hauswirtschaftsleitungen in sehr guten Händen“, sagt Kloster-Sprecherin Julia Pryss.

Die Schulen im Marianum-Zentrum für Bildung und Erziehung müssen wie alle ab kommenden Dienstag bis zum Ende der Osterferien schließen. „Größtenteils kann Unterricht online erteilt werden“, so Pryss.

Im Altenpflegeheim Maria Hilf, der sensibelsten Einrichtung, seien unter anderem Besuchsmöglichkeiten und -zeiten sehr stark eingeschränkt. Dringende Besuche seien nur täglich von 14 bis 17 Uhr sowie Montag bis Freitag auch von 9 bis 11.45 Uhr und natürlich in Notfällen möglich.

Im Hotel St. Elisabeth würden die Stornierungen täglich zunehmen, erklärte Pryss. Konkrete Konsequenzen hieraus oder eine Anweisung zur Schließung lägen aber aktuell – noch – nicht vor. „Wir haben aber auch weiterhin Buchungen und können zu dem Zeitpunkt die Gesamtsituation nicht beurteilen“, so Pryss. Die Theodosius-Akademie habe bis zum Ende der Osterferien alle Angebote abgesagt oder verschoben.

Das Haus Ulrika bleibe momentan noch geöffnet, so Pryss. Die Theodosius-Stube dagegen sei bis auf weiteres geschlossen, ebenso die öffentlichen Toiletten im Haus Josef. (toz)