Einen Arztbesuch verschieben derzeit viele Patienten. Sie möchten mit dem Fernbleiben einer Praxis ihr persönliches Ansteckungsrisiko und das anderer Personen gerne reduzieren. Bei Problemen, die nicht akut sind, kann das durchaus Sinn machen. Doch die Ärzte in Radolfzell haben sich längst auf die Situation eingestellt. Mit verschiedenen Maßnahmen minimieren sie das Risiko einen Ansteckung mit dem Coronavirus und ermöglichen so gleichzeitig notwendige Arztbesuche.

Zugang über Krankenhaus ist geschlossen

Der SÜDKURIER war zu Gast in zwei Radolfzeller Arztpraxen, um sich ein Bild von den Anpassungen zu machen. In der Praxis der beiden Hals-Nasen-Ohren-Ärzte Frank Burkart und Markus Steinwaller im Radolfzeller Krankenhaus hat man verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einen Praxisbetrieb aufrecht erhalten zu können. Von zwei Zugängen ist nur noch einer offen. Der Zugang über das Krankenhaus wurde geschlossen, der Eintritt zur Praxis ist derzeit nur über den Eingang an der Seite zum Gesundheitsamt möglich. Damit sollen von vorneherein die Kontaktmöglichkeiten zwischen beiden Bereichen reduziert werden.

Regeln für die Patienten

Bereits vor dem Eintritt in die HNO-Praxis werden die Patienten darauf hingewiesen, dass ab sofort bestimmte Verhaltensregeln gelten. Dazu gehört das Abstand halten zwischen den Menschen, die sich in der Praxis aufhalten. Aber auch der Hinweis, sich im Fall einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus entsprechend zu verhalten. In solchen Fällen dürfen Patienten die Praxis nämlich gar nicht mehr betreten.

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In der Praxis fallen sofort einige Veränderungen auf: Am Empfangstresen sorgt eine aufgestellte Absperrung zwischen dem Personal und den Patienten für die nötige Distanz. Wer hier einen Stift nutzen möchte, muss ihn anschließend in eine separate Box ablegen, damit sich niemand über diesen Weg infizieren kann. Auch das Kartenlesegerät steht nun für den direkten Zugriff auf dem Tresen. Grundsätzlich werden alle Patienten dazu angehalten, möglichst wenig zu sprechen. Denn das Virus wird in erster Linie über Aerosole, also kleinste flüssige Teilchen, verbreitet.

Alle in grüner Schutzkleidung

Das rege Treiben, das sonst in der Praxis von Frank Burkart und Markus Steinwaller herrscht, ist einer auffälligen Ruhe gewichen. Das liegt unter anderem an der eingeschränkten Patientenanzahl. Weil sich nur noch sechs Patienten gleichzeitig in der Praxis aufhalten dürfen, gibt es viel Platz. „Die Anzahl der Sitzplätze im Wartezimmer haben wir von 14 auf fünf Plätze reduziert“, sagt Frank Burkart. Das gesamte Personal und die beiden Ärzte sind in grüne Schutzkleidung samt Atemmaske gehüllt, wie man es von OP-Ärzten kennt.

Aufteilung in zwei Teams

Intern wurden die Mitarbeiter in zwei vollkommen voneinander getrennt arbeitende Teams aufgeteilt, die sich nicht begegnen, um eine Übertragung auszuschließen und den Fortgang der Arbeit zu gewährleisten. Jedem Arzt sind dazu drei Fachangestellte und eine Schreibkraft zu Seite gestellt. Das eine Team arbeitet vormittags, das andere Nachmittags. Nicht nur die Arbeit, auch die Stimmung hat sich verändert: „Die Patienten sind jetzt viel freundlicher und dankbarer. Schön, dass unsere Arbeit nun wertgeschätzt wird“, stellt Frank Burkart fest.

Mit Schutzmaske: Die Ärzte Kristina Korsace (links) und Gerold Schmid mit Mitarbeiterin Lydia Hartmaier im ambulanten OP-Zentrum Bodensee.
Mit Schutzmaske: Die Ärzte Kristina Korsace (links) und Gerold Schmid mit Mitarbeiterin Lydia Hartmaier im ambulanten OP-Zentrum Bodensee. | Bild: Jarausch, Gerald

Ähnliches berichtet Chirurg und Orthopäde Gerold Schmid im ambulanten OP-Zentrum Bodensee in der Walchnerstraße, auch dort wird versucht, das gesundheitliche Risiko gering zu halten: „Unsere Maßnahmen finden die Patienten gut“, sagt er. Dazu gehört das Abstand halten, der Aufenthalt von weniger Patienten gleichzeitig in der Praxis, und die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln.

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Um genügend Atemmasken zu haben, hätte die Praxis statt über den Fachhandel welche über das Internet zu deutlich höheren Preisen erworben. Im OP-Zentrum seien alle Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet und für „nicht infiziert“ erklärt worden. Notfallpatienten könnten zu den gewohnten Praxiszeiten von 8 bis 18 Uhr kommen und behandelt werden.

Ohne Schutzmaske: Die Ärzte Kristina Korsace (links) und Gerold Schmid mit Mitarbeiterin Lydia Hartmaier.
Ohne Schutzmaske: Die Ärzte Kristina Korsace (links) und Gerold Schmid mit Mitarbeiterin Lydia Hartmaier. | Bild: Jarausch, Gerald

Um sich selbst machen sich die Ärzte trotz der ungewöhnlichen Situation nicht allzu große Sorgen. „Wir versuchen das gesundheitliche Risiko gering zu halten. Die Arbeit macht weiterhin Spaß“, sagt Frank Burkart.