Radolfzell – Besucher des "Eisman" am Hafenbecken des Yachtclubs Radolfzell beobachteten eine Extremsportart, die wahrhaft nichts für Jedermann ist. Dort tummelten sich am Samstag 95 Schwimmer, die trotz einer Wassertemperatur von gerade einmal drei Grad nichts Schöneres finden konnten, als dort in den sportlichen Wettstreit zu treten. Beim Eis-Schwimmen jagten Schwimmer aus 13 Nationen der besten Zeit nach.

Vier Frauen über die 1000-Meter-Strecke

Im ersten Wettstreit um 10 Uhr am Morgen wagten sich vier Frauen, zwei aus Argentinien und zwei aus England, auf die 1000-Meter-Strecke. Dazu mussten sie 40 Mal eine 25-Meter-Distanz hinter sich bringen. Nachdem die Hüllen gefallen waren – beim Eis-Schwimmen dürfen weder Neoprenanzüge getragen noch schützende Cremes genutzt werden – stiegen die vier Frauen ohne sichtliche Qualen in das kühle Nass. Die Argentinierin Victoria Mori ließ im ersten Lauf des Tages ihren Konkurrentinnen keine Chance und kletterte nach rund 20 Minuten wieder aus dem Wasser, als sei nichts gewesen. Lediglich ihre rote Haut verriet ein wenig, wie sich der Körper gegen die Elemente zur Wehr setzte.

Mit einer mobilen Sauna

Trotz der eiskalten Verhältnisse stiegen alle Schwimmer wohlbehalten aus dem Yachtclub-Hafenbecken. Um zumindest die Regeneration der Sportler etwas zu befördern, hatten die Veranstalter von Aqualung aus Singen unter anderem eine mobile Sauna und einen heißen Holzzuber bereit gestellt. Beides wurde von den Startern gerne in Anspruch genommen, denn im Laufe des Tages zog ein kräftiger Wind auf, der nicht nur das Schwimmen erschwerte, sondern auch den Aufenthalt außerhalb des Wassers unangenehmer machte.

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Nur die Haut darf schützen

Doch Eisschwimmer sind ein hartes Völkchen, die sich oftmals von verschiedenen Wettbewerben kennen und ihre Robustheit nicht allzu sehr zur Schau tragen. Wenngleich die eigene Haut als natürlicher Neoprenersatz, den gestandene Eis-Schwimmer wie Christof Wandratsch sich im Laufe der Jahre angelegt haben, durchaus von Vorteil ist. Der wohl bekannteste deutsche Eis-Schwimmer, der auch schon mal schwimmend den Bodensee durchqueren wollte, war ebenfalls am Samstag in Radolfzell am Start.

Ein Format für Radolfzell

Das Gleiche gilt für den Mögginger Ortsvorsteher Ralf Mayer. Er hatte sich für seine persönliche Premiere die Kurzstrecke von 25 Meter vorgenommen. Im kommenden Jahr ist vielleicht auch die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH, Nina Hanstein, mit von der Partie. Sie fand so viel Gefallen an der Veranstaltung, dass sie den Ausrichtern praktisch versprach, bei einer Wiederholung in Radolfzell selbst dabei zu sein: "Das ist genau das Format, was wir in Radolfzell suchen. Eine Veranstaltung, bei der wir einfach nur unsere Infrastruktur nutzen und nichts verändern müssen."

Die Chancen, dass es zu einem weiteren Eis-Schwimmen in Radolfzell kommt, stehen durchaus gut, ließ Organisator Mark Koitka wissen: "Mit dem Umzug von Ludwigshafen nach Radolfzell haben wir alles richtig gemacht", sagte er. Einzig die böigen Winde, die ab dem frühen Nachmittag das Wasser aufwühlte, trübten seiner Aussage den Wettbewerb ein bisschen ein. "Rekordzeiten waren heute nicht möglich", bilanzierte er. Zum Schutz mussten sogar einige der Zelte abgebaut werden, die der Veranstalter als mobile Umkleidemöglichkeiten aufgestellt hatte.