Ab sofort gilt am Böhringer See striktes Badeverbot. In den vergangenen Tagen haben sich die Blaualgen im See stark vermehrt, sodass die Stadtverwaltung Radolfzell zu dieser Vorsichtsmaßnahme greifen musste, wie sie in einer Pressemitteilung wissen ließ. Derzeit ist nicht absehbar, wann das Badeverbot wieder aufgehoben wird.

Der Kiosk am Böhringer See hat weiterhin zu den üblichen Zeiten geöffnet. Das Gelände ist während des Badeverbots kostenfrei zugänglich. Für die Pächter des Badeplatzes und den benachbarten Kiosk geht die Sperrung des Sees mit einem erheblichen Umsatzrückgang einher.

„Das hat auf jeden Fall Auswirkungen auf das Geschäft.“Markus Biller, Pächter des Bistros am Böhringer See
„Das hat auf jeden Fall Auswirkungen auf das Geschäft.“Markus Biller, Pächter des Bistros am Böhringer See

Bayram Ünal, der Neffe des Badeplatz-Pächters, steht praktisch allein auf der Anlage. „Die Badesaison war in diesem Jahr ohnehin nicht sonderlich gut“, sagt er. Aber nun fielen zusätzlich die umsatzstärkeren Wochenendtage weg, an denen bis zu 300 Badegäste am See sind. Auch Kiosk-Betreiber Markus Biller ist von der Sperrung betroffen: „Das hat auf jeden Fall Auswirkungen auf das Geschäft“, sagte er auf Nachfrage. Er muss es wissen. Er hatte den Betrieb im Jahr 2014 übernommen, als es das letzte Mal zu einem massiven Blaualgenproblem am Böhringer See kam.

Eine Blaualgenblüte verursacht eine intensiv bläulich-grüne Farbe oder grünlich-rötliche Schlieren im See. Blaualgen können Reiz- und Giftstoffe produzieren, die gesundheitsschädigend sind. Während der Zeit der Blaualgenblüte wird daher wegen der gesundheitlichen Gefahren dringend geraten, vom Baden im See Abstand zu nehmen. Auch Hunde sollten nicht zum Trinken an den Badesee geführt werden.

Leere Tische, leere Liegewiese: Im Böhringer See darf bis auf weiteres nicht mehr gebadet werden, die Gäste bleiben aus. Bild: Gerald Jarausch
Leere Tische, leere Liegewiese: Im Böhringer See darf bis auf weiteres nicht mehr gebadet werden, die Gäste bleiben aus. Bild: Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Begünstigt wird das Algenwachstum laut Stadtverwaltung, wenn das Wetter längere Zeit kalt und windig ist und dann eine Schönwetterperiode mit viel Sonne und warmen Temperaturen eintritt. Hinzu käme aktuell ein Biberdamm in einem Abflussgraben des Sees.

Das Gesundheitsamt entnimmt wöchentlich Proben, um die Wasserqualität zu überprüfen – zusätzlich überprüft die Stadt die Qualität des Wassers alle zwei Wochen. Die Mitarbeiter der Abteilung Landschaft und Gewässer entnehmen von Hand aus verschiedenen Tiefen Wasserproben. Der Böhringer See ist anfällig für ein vermehrtes Blaualgenaufkommen.

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In den Jahren 2012 und 2014 erfolgte schon einmal ein Badeverbot. In der Folge ist auch eine Umwälzanlage auf dem Böhringer See installiert worden, um das Algenaufkommen einzudämmen. „Das war die Empfehlung eines Experten, allerdings wies er schon darauf hin, dass der Betrieb alleine nicht ausreichen könne“, sagt Diehl. Der Böhringer Ortsvorsteher hält aber dagegen, dass wenigstens in den vergangenen fünf Jahren kein Blaualgenvorkommen über dem Grenzwert mehr gemessen wurde. Die Aquamotec-Anlage braucht drei bis vier Wochen, um das Wasser des Sees einmal umzuwälzen. Die Stadt hatte sie gebraucht für rund 80 000 Euro angeschafft. Sie läuft ganzjährig und sei relativ wartungsarm, so Diehl.

Zudem habe man Flächen am nördlichen Ende aus der intensiven landwirdschaftlichen Nutzung genommen, dort darf nicht mehr gedüngt werden. Der Böhringer See wird nach Angaben von Ortsvorsteher Bernhard Diehl von verschiedenen Quellen und dem Sauriedgraben gespeist. An der tiefsten Stelle ist der Böhringer See elf Meter tief.