Zugegeben, Schloss Langenstein ist sehr romantisch. Nur für ein Museum nicht unbedingt praktisch. Wir nehmen Sie mit auf einen Rundgang durch das altehrwürdige Gemäuer – und zeigen dabei auch, was das Museum abseits der Fasnacht zu bieten hat.

Der Weg zum Fasnachtsmuseum auf Schloss Langenstein führt über diese Wendeltreppe mit vielen ausgetretenen Stufen.
Der Weg zum Fasnachtsmuseum auf Schloss Langenstein führt über diese Wendeltreppe mit vielen ausgetretenen Stufen. | Bild: Freißmann, Stephan

Der Weg zum Museum ist nicht ganz unbeschwerlich: Wer es besuchen will, muss eine Wedeltreppe mit vielen ausgetretenen Stufen hinter sich bringen. Vor allem für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, ist das ein Problem, für Rollstuhlfahrer ist der Besuch im Museum praktisch ausgeschlossen. Denn einen Aufzug gibt es im historischen Gemäuer nicht. Und auch wenn man das zweite Obergeschoss im Schloss einmal erreicht hat, lauern dort Schwellen an den Übergängen zwischen den Räumen. Das wird sich mit einem Neubau definitiv ändern – und barrierefreier Zugang zum immateriellen Weltkulturerbe Fasnacht möglich.

Video: Freißmann, Stephan

Ganz traditionell werden die Häser der zahlreichen Zünfte derzeit dargeboten – auf vielen Figuren, die als große Gruppen in den Räumen arrangiert sind. Sie sind gewissermaßen der Markenkern des Museums. Und die Fasnacht bleibt natürlich auch der Markenkern. Nur die Darbietung der Masken soll sich komplett ändern, erklärt der Museumsvereinsvorsitzende Michael Fuchs – auch in der Folge des Bundesprojekts Museum 4.0, an dem das Museum Schloss Langenstein gemeinsam mit dem Bad Dürrheimer Narrenschopf teilnimmt. Darin geht es um Digitalisierung im Museum – und die soll im neuen Gebäude auch gleich praktisch umgesetzt werden.

Auch das ist Langenstein: Masken aus aller Welt und aus verschiedenen Materialien werden hier ebenfalls gesammelt und dokumentiert – mit ethnologischem Anspruch, wie der Vorsitzende des Museumsvereins, Michael Fuchs, erklärt.
Auch das ist Langenstein: Masken aus aller Welt und aus verschiedenen Materialien werden hier ebenfalls gesammelt und dokumentiert – mit ethnologischem Anspruch, wie der Vorsitzende des Museumsvereins, Michael Fuchs, erklärt. | Bild: Freißmann, Stephan

Die Sammlung des Fasnachtsmuseums beschränkt sich nicht auf die Fasnacht. Denn Masken gibt es im Prinzip überall, aus verschiedenen Materialien und zu verschiedenen Zwecken. Das Museum Schloss Langenstein sammelt daher auch Masken aus aller Welt – und das, so Museumschef Fuchs, durchaus mit wissenschaftlichem Anspruch. Doch zur Sammlung gehören auch Masken, die verschiedenen beruflichen Zwecken dienen – für Imker, Schweißer oder Fechter zum Beispiel. Und Masken aus verschiedenen Materialien, wie Gummi, Drahtgaze oder Pappmaschee.

Herzstück der Langensteiner Sammlung von Zizenhausener Terrakotten ist eine komplette Serie des Basler Totentanzes. Auch dabei spielen Narren eine Rolle, wie diese Gruppe, eine von 42, zeigt.
Herzstück der Langensteiner Sammlung von Zizenhausener Terrakotten ist eine komplette Serie des Basler Totentanzes. Auch dabei spielen Narren eine Rolle, wie diese Gruppe, eine von 42, zeigt. | Bild: Freißmann, Stephan

Zum Bestand des Museums gehört auch eine Sammlung von etwa 300 Zizenhausener Terrakotten. Diese kleinen Tonfiguren wurden von der Familie Sohn im ersten drittel des 19. Jahrhundert in Zizenhausen – heute ein Ortsteil von Stockach – hergestellt. Und sie haben eine Fangemeinde, die bis ins Ausland reicht. Das Herzstück der Langensteiner Sammlung ist eine komplette Serie des Basler Totentanzes, ein Ensemble von 42 Gruppen, erklärt Michael Fuchs. Auch dabei tauchen Narren auf.

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Masken finden sich auch auf diesen alten Stichen, die eine Sammlung im hölzernen Gang des Langensteiner Schlosses zieren. Dabei gehe es hauptsächlich um höfische Maskenbräuche, erzählt Michael Fuchs. Mit von der Partie: Die Figur des typischen Narren, komplett mit Hahnenkamm und Eselsohren.

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Die Fotografin Diana Pfammatter hat Masken und Fasnacht in ihren großformatigen Fotografien kreativ neu inszeniert. Seit einigen Jahren bestückt das Museum die charakteristischen blauen Wände des hölzernen Ganges mit einer Auswahl davon.

Dieser Raum des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein stellt eine Hommage an einen der Initiatoren des Museums dar – die Figur zeigt, so erklärt es Michael Fuchs, Heinrich Rehm, natürlich in einem typischen Narrenkostüm.
Dieser Raum des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein stellt eine Hommage an einen der Initiatoren des Museums dar – die Figur zeigt, so erklärt es Michael Fuchs, Heinrich Rehm, natürlich in einem typischen Narrenkostüm. | Bild: Freißmann, Stephan

Und schließlich darf eine Hommage an Heinrich Rehm nicht fehlen. Er war einer der Initiatoren des Museums. Nachdem eine Ausstellung von Fasnachtsmasken ihn 1966 stark beeindruckte, gelang es ihm, der damals Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee war, den Grafen Wilhelm Douglas davon zu überzeugen, Räume in seinem Schloss Langenstein für ein Museum bereitzustellen. Die Figur zeigt, so erklärt es Michael Fuchs, Heinrich Rehm im Kostüm mit Hahnenkamm und Eselsohren – symbolische Attribute für die Figur des Narren, der in früheren Zeiten alles Schlechte zugeschrieben worden sei, beispielsweise Geilheit, symbolisiert durch den Gockel, und Dummheit, symbolisiert durch die Eselsohren. Die Ausstellung in diesem Raum beruht auf Erkenntnissen des Völkerkundlers und weithin bekannten Fasnachts-Experten Werner Mezger, erzählt Fuchs.

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