Urlaubsregionen stehen derzeit unter besonderer Beobachtung, was das Infektionsgeschehen mit dem Corona-Virus angeht. Sorge bereitet aktuell die Lage in den Strandbädern am See und dass die Badegäste die Abstandsregeln missachten – auf keinen Fall soll die Bodensee-Region einen Anstieg der Corona-Fallzahlen mit begünstigen.

Öhningens Ortsvorsteher Bruno Bohner informierte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, dass er nach der überfüllten Situation im Strandbad Wangen den Zugang an Wochenenden limitiert und ihn mit Eintrittspreisen reglementiert.

Das Strandbad in Horn hat eine Fläche von 33.000 Quadratmetern. 2000 Badegäste dürfen das Areal nutzen. Es empfiehlt sich einen Sonnenschirm für schattenlose Freiflächen mitzubringen, denn unter den Baumschatten kann es eng werden.
Das Strandbad in Horn hat eine Fläche von 33.000 Quadratmetern. 2000 Badegäste dürfen das Areal nutzen. Es empfiehlt sich einen Sonnenschirm für schattenlose Freiflächen mitzubringen, denn unter den Baumschatten kann es eng werden. | Bild: Georg Lange

Der Bürgermeister von Moos, Patrick Krauss, bat den Polizeiposten in Gaienhofen, ein Augenmerk auf die Strandbäder in Moos und Iznang zu werfen. Trotz der Größe des Horner Strandbads mit einer Fläche von 33.000 Quadratmetern könne es durch Schließungen von Strandbädern auch in Horn zu Überfüllungen kommen, befürchtet Gaienhofens Bürgermeister Uwe Eisch.

Am Freitag, einem der besonders heißen Tage, war wider Erwarten relativ viel Grünfläche auf den Liegewiesen der Höri zu sehen. Bei wolkenlosem Himmel, sengend heißer Sonne und einer Lufttemperatur von 36 Grad Celsius im Schatten gruppierten sich die Strandbad-Besucher mit ihren Badelaken vornehmlich im Kreis um die Stämme ausladender Bäume.

Ortsvorsteher sieht sich zu Reglementierung gezwungen

Sie zogen karawanenartig dem Schattenwurf der Bäume hinterher, suchten den Schatten unter Sonnenschirmen der Freiluft-Gastronomien oder kühlten sich im Wasser des Sees ab. Für viele Einheimische und Touristen war es definitiv zu heiß für einen Strandbesuch.

Wie sich die Lage in den Strandbädern der Halbinsel Höri jedoch bei gemäßigteren Lufttemperaturen entwickelt, bleibt offen. Ein kleiner Vorgeschmack gab die Situation im Strandbad von Wangen vor einer Woche, die den Ortsvorsteher zu einer Reglementierung des Strandbadbetriebs zwang.

Im Strandbad Iznang bevorzugen Besucher an einem heißen Tag den Schatten der Bäume.
Im Strandbad Iznang bevorzugen Besucher an einem heißen Tag den Schatten der Bäume. | Bild: Georg Lange

Heidrun Löhle von der Ortsgruppe der DLRG Öhningen wirft einen kritischen Blick auf das Strandbad in Wangen. Vor einer Woche schloss Öhningen wegen einer Überfüllung den weiteren Zugang zum Strandbad.

Enttäuschte Badegäste zogen in das Strandbad von Wangen weiter und überfüllten dort die Anlage. Wie die Ameisen seien die Badegäste eingefallen. Kein Mensch habe sich an den pandemiegebotenen Abstand gehalten, zeigte sich Löhle selbst eine Woche später noch sichtlich erschrocken.

Eigentlich seien die Deutschen ein vernünftiges Volk, so Löhle, doch am vorletzten Wochenende kam sie ins Zweifeln. Nun zeigte sie sich positiv überrascht, dass sich die Gäste an die Abstandsregeln hielten.

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Seit letztem Wochenende gibt es in Wangen nur noch einen Haupteingang in das Freibad. Höchstens 250 registrierte Gäste dürfen sich auf dem Gelände gleichzeitig aufhalten. Löhle spricht unachtsame oder leichtsinnige Gäste auf das Corona-Regelwerk an. Drei Monate hätten die Menschen dies eingeübt. Es sei unwahr, dass die Regeln in einem Freibad nun nicht gelten würden – es komme sonst zu keinem Ende der Pandemie.

Jürgen Singer vom Polizeiposten in Gaienhofen überprüfte die Situation in den Mooser Strandbädern. Menschen, die sich nicht kennen, müssten eineinhalb Meter voneinander Abstand halten, so der Polizeihauptkommissar: Familien dürften auf den Liegewiesen zusammen sitzen.

Darauf wolle er in Gesprächen mit den Strandbadpächtern einwirken und mit seiner Präsenz den Verordnungen und Vorschriften Nachdruck verleihen.

DLRG-Chef bescheinigt Iznanger Badegästen Disziplin

Die Badegäste in Iznang verhielten sich diszipliniert verhalten, beobachtete der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe von Iznang, Uwe Nehlsen. Ein Problem sei jedoch der fehlende Schatten auf dem Gelände. Dessen Liegeflächen waren nahezu leer. Die Gäste lagen dicht unter den wenigen Bäumen zusammen.

Nehlsen empfiehlt die Mitnahme eines Sonnenschirms, damit leere Freiflächen besser genutzt werden könnten. Im Strandbad Iznang zählte Nehlsen 650 Badegäste. Bei 700 Besuchern werde der Zugang abgeriegelt. Während der Pandemie seien die Umkleidekabinen und die Duschen mit Warmwasser geschlossen.

Registrierung wie in Gaststätten

Was ihm jedoch Sorge bereite, sei die Nutzung der sanitären Anlagen. Acht von zehn Besuchern würden die Räume ohne einen Mundschutz betreten. Immer wieder habe er trotz Plakate die Gäste auf das Regelwerk hinzuweisen.

Im Strandbad von Horn klingelte am Vormittag innerhalb von zwei Stunden rund 20 Mal das Telefon. Pächter Murad Aktas gab bereitwillig Auskunft, dass das Strandbad geöffnet sei. Die Menschen verhielten sich vorsichtig, so sein Eindruck. Jeder Gast werde fürs Nachverfolgen etwaiger Infektionsketten registriert.

Pächter lässt in Horn Vorsicht walten

5000 Besucher fasst das Strandbad in Horn. Gemäß der Corona-Regeln dürfen sich auf dem Areal rund 2500 Badegäste aufhalten. Doch Murad Aktas ist noch vorsichtiger. Er limitiert den Zugang auf 2000 Besucher.

Mit seiner Familie und mit Freiwilligen der DLRG patrouilliert er und überprüft die Abstände der Badegäste. Bisher sei alles unter Kontrolle, so Aktas. Der Pächter verzichtete auf die Badeinseln im See und sperrte den knapp 60 Meter langen Badesteg. Dort könne kein Abstand gehalten werden.

 

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