Die öffentliche Gemeinderatssitzung in Moos endete am Donnerstag mit einem Paukenschlag. Zu diesem Zeitpunkt hatten die letzten Zuhörer bereits den Raum verlassen. Dabei hätten sie bei einem Verbleib eine höchst unerwartete Meldung mit nach Hause nehmen können. Bürgermeister Peter Kessler kündigte nach dem letzten Tagesordnungspunkt nämlich noch eine Nachricht „in eigener Sache“ an, wie er sagte. Und die überraschte tatsächlich alle Gemeinderäte. Peter Kessler will nämlich zum Anfang des kommenden Jahres aus dem Amt des Bürgermeisters von Moos ausscheiden und dieses zur Verfügung stellen.

Kessler nennt persönliche Gründe

Damit wird Kessler nach 20 Jahren und rund dreieinhalb Amtszeiten (siehe Infokasten) den Posten vorzeitig verlassen. Der Entscheidung liegen nach eigenem Bekunden „ausschließlich persönliche Gründe“ zugrunde, die „sorgsam durchdacht“ seien, wie er sagte.

Weder Unstimmigkeiten im Gemeinderat noch in der Verwaltung sollen ein Grund zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Amt sein, wie er weiter erklärte. Vielmehr habe die Einsicht, dass viele persönliche und private Dinge in den zwei Jahrzehnten hätten hintanstehen müssen, zu dem Entschluss geführt: „Work-Life-Balance war für mich lange ein Fremdwort, aber ich merke zunehmend, dass es neben dem Beruf auch andere Dinge im Leben gibt, die für mich persönlich wichtig sind“, erklärte Peter Kessler.

"Den idealen Zeitpunkt wird es nie geben"

Was er auf keinen Fall machen wollte, war, das Amt die nächsten Jahre auslaufen zu lassen. Weil er sich selbst „aber nie für unverzichtbar gehalten hat“, sei nun ein geeigneter Zeitpunkt gekommen, die Geschäfte an einen Nachfolger abzugeben: „Den idealen Zeitpunkt wird es nie geben, aber viele große Themen wie Sporthalle, Kindergartenanbau, Gas- und Breitbanderschließung sind zum Ende des Jahres in einem Stadium, dass man sie übergeben kann“, befand er.

Den genauen Ablauf mit allen Terminen will Kessler mit den Fraktionssprechern im Gemeinderat, seinen Stellvertretern und der Kommunalaufsicht des Landkreises in den nächsten Tagen besprechen und bekanntgeben.

In den verbleibenden Monaten wird er „die anstehenden Themen wie bisher vorantreiben“, versprach Peter Kessler abschließend. Seine Zukunft will er zunächst auf sich zukommen lassen: „Ich bin in der komfortablen Lage den Anspruch auf Versorgung zu haben. Ich werde mir sicherlich keinen neuen Job suchen“, sagte Kessler auf Nachfrage des SÜDKURIER. Geplant sind nun Neuwahlen im Spätherbst. Die Übergabe der Amtsgeschäfte könnte dann zu Beginn des neuen Jahres stattfinden.

"Er hat keinen Termin ausgelassen"

Die Entscheidung des Bürgermeisters wurde im Rat zunächst wortlos und überrascht aufgenommen. Gestern äußerten Fraktionssprecher Respekt für den Entschluss Kesslers: „Das war für uns alle wie ein Schock. Mit einem Rücktritt hat niemand gerechnet. Peter Kessler hat Tag und Nacht für das Amt gelebt und vielleicht war genau das das Problem. Ich glaube, er hat jetzt die Notbremse gezogen, Es gehört wirklich viel Mut dazu, deswegen habe ich großen Respekt vor dieser Entscheidung“, sagte sein Stellvertreter Albin Land (UWV).

Ähnlich fiel die Einschätzung von Anne Overlack (RGL) aus: „Wir haben die Entscheidung mit großem Bedauern entgegengenommen. Peter Kessler war und ist ein exzellenter Bürgermeister. Es gibt wohl keinen Termin, den er ausgelassen hat, deshalb wird das ein großer Verlust sein“, sagte sie.

Für den Gemeinderat Stefan Heck (CDU) scheidet mit Kessler praktisch der Inbegriff des Bürgermeisters aus dem Amt: „Ich kann mir die Gemeinde ohne ihn gar nicht vorstellen“, sagt der 30-Jährige. „Es wird sicherlich schwer einen adäquaten Nachfolger zu finden. Das sind große Fußstapfen.“