Linda Hartmann geht oft draußen spazieren, schließlich braucht ihr Hund Bewegung. Als sie neulich im Wald bei Hegne unterwegs war, fielen ihr seltsame Säulen auf, die aus dem Waldboden ragten. Zwei von ihnen entdeckte sie zwischen der Allensbacher Schmiederklinik und Hegne am Waldrand.

Da die 37-Jährige nicht weiterwusste, nutzte Linda Hartmann das Schwarmwissen. Sie schrieb in die Gruppe „Du bist aus Konstanz, wenn…“ im sozialen Netzwerk Facebook: „…wenn du mir verraten kannst, was das im Wald für Dinger sind.“

Da Linda Hartmann nicht wusste, was diese roten Säulen im Wald zu bedeuten haben, fragte sie die Facebook-Gemeinde um Rat.
Da Linda Hartmann nicht wusste, was diese roten Säulen im Wald zu bedeuten haben, fragte sie die Facebook-Gemeinde um Rat. | Bild: Screenshot Facebook - Kirsten Astor

Es dauerte nicht lange, da wusste ein Nutzer die Antwort: „Das sind Vorrichtungen zum Messen des Grundwasserpegels.“ Tatsächlich hat er Recht. Die Pressestelle des Landratsamts erläutert auf Nachfrage: „Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) verfügt im Landkreis Konstanz über ca. 66 Grundwasseraufschlüsse, darunter sind 36 Grundwassermessstellen.“

Zur Erklärung: Unter Grundwasseraufschluss sind Orte zu verstehen, die Zugang zum Grundwasser bieten. Das können natürliche Zugänge wie Quellen sein oder Bauwerke wie Brunnen. An den Messstellen können Experten dann den Wasserstand oder die -qualität messen.

Als Linda Hartmann im Wald bei Hegne unterwegs ist, fallen ihr rote und graue Säulen auf. Hier ist sie mit Sohn Louis und Hund Abby zu ...
Als Linda Hartmann im Wald bei Hegne unterwegs ist, fallen ihr rote und graue Säulen auf. Hier ist sie mit Sohn Louis und Hund Abby zu sehen. | Bild: Oliver Hanser

Insgesamt gibt es im Kreis Konstanz allerdings viel mehr solcher Säulen, wie Linda Hartmann sie im Wald entdeckte. Denn auch andere öffentliche und private Träger errichten und betreiben Grundwassermessstellen. „Zum Beispiel wurden entlang der Neubautrasse der B33 zwischen Allensbach und Hegne über 200 Grundwassermessstellen eingerichtet“, so das Landratsamt. Das Regierungspräsidium Freiburg verfügt zudem über rund 180 Grundwassermessstellen, die 46 unterschiedlichen Netzen zugeordnet sind. Der Landkreis Konstanz selbst betreibt keine eigenen Messvorrichtungen.

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Qualität und Wassermenge werden untersucht

Aber wozu dienen diese roten oder auch grauen Säulen, die eine Kappe zum Öffnen tragen, genau? „Damit werden die Qualität des Grundwassers, der Pegel sowie Quellschüttungen gemessen und nachverfolgt“, erläutert die Pressestelle des Landratsamts. Mit Quellschüttung ist nicht etwa gemeint, dass Quellen versiegen, weil sie zugeschüttet werden. Vielmehr wird darunter die Wassermenge verstanden, die innerhalb einer bestimmten Zeit aus einer Quelle fließt.

Durch die Erhebung der Daten wird also das hohe Gut Wasser geschützt, zum Beispiel vor der Verunreinigung durch Landwirtschaft oder Industrie. Deshalb nehmen die Experten der beauftragten Ingenieurbüros und Labore regelmäßig Proben und öffnen dazu die Säulen, die Linda Hartmann gesehen hat. Andere Messnetze haben wiederum die Funktion, die Grundwassermenge zu überprüfen – und nicht die Qualität.

Auch im Konstanzer Hockgraben befinden sich seltsam anmutende Dinger. Es handelt sich um Lüftungsschächte für einen unterirdischen ...
Auch im Konstanzer Hockgraben befinden sich seltsam anmutende Dinger. Es handelt sich um Lüftungsschächte für einen unterirdischen Technikkanal zwischen Universität und Sonnenbühl. | Bild: Oliver Hanser

„Die Ergebnisse der Untersuchungen werden durch die LUBW und die Regierungspräsidien in Jahresberichten zusammengefasst und erläutert“, so das Landratsamt. „Die Jahresberichte und ein aussagekräftiger Teil der Messergebnisse werden im Internet zur allgemeinen Information veröffentlicht.“ Für den Kreis Konstanz gibt es keinen Grund zur Sorge: „Aktuell kann der mengenmäßige und chemische Zustand des Grundwassers hier als gut bewertet werden“, schreibt das Landratsamt auf Nachfrage.

Bevor Wasserschutzgebiete wie dieses zwischen Hegne und Allensbach im Wald ausgewiesen werden können, müssen anhand der ...
Bevor Wasserschutzgebiete wie dieses zwischen Hegne und Allensbach im Wald ausgewiesen werden können, müssen anhand der Grundwassermessstellen wichtige Daten erhoben werden. | Bild: Oliver Hanser

Es werden aber nicht nur Wassermenge und -qualität überprüft: Weitere Messstellen liefern Daten, anhand derer Behörden, Unternehmen oder Privatleute beurteilen können, welche Auswirkungen zum Beispiel Bauprojekte auf das Wasser unter der Erde haben. Grundwassermessstellen werden aber auch zur Überwachung öffentlicher Trinkwasserversorgungsanlagen und Deponien mit Altlasten benötigt. Und sie liefern Daten, die vor der Ausweisung von Wasserschutzgebieten nötig sind.

Linda Hartmann findet all das ziemlich spannend. Wenn sich künftig durch den Wald spaziert, weiß sie genau, was sich hinter den grauen und roten Säulen verbirgt. „Dann kann ich mich ja auf weitere Unklarheiten konzentrieren“, sagt sie und lacht.

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