Gegen 1 Uhr nachts erdröhnt noch einmal laute Musik. Vom Herosé-Park kommend zieht der Bass lastige Sound an der Bischofsvilla vorbei in Richtung Bodenseeforum. „Die wollen jetzt nur noch provozieren und ziehen gleich ab“, sagt Jens-Peter Volk, der direkt hinter der Villa in einer Mietswohnung mit kleiner Terrasse lebt.

Die Bischofsvilla ist unter den Feiernden ein beliebter Platz, um die Notdurft zu verrichten. Statt die rund 100 Meter zum Toilettenhäuschen zu gehen, stellen sich die Männer an die Mauer. Auch der angrenzende Vorgarten wird gerne genutzt.
Die Bischofsvilla ist unter den Feiernden ein beliebter Platz, um die Notdurft zu verrichten. Statt die rund 100 Meter zum Toilettenhäuschen zu gehen, stellen sich die Männer an die Mauer. Auch der angrenzende Vorgarten wird gerne genutzt. | Bild: Schuler, Andreas

Der Vorgarten der Anlage wird gerne als Toilette benutzt. Wenn die Notdurft der hier Feiernden zu sehr drückt, wird der Weg zu den Toilettenhäuschen am beiden Enden der Promenade zu kurz. „An einem Sonntag haben an der Mauer mal sechs Männer nebeneinander gestanden“, sagt der 54-Jährige. „Irgendwann wird es echt ekelig.“

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Die Prachtmeile hat einen ereignisreichen Sommer mit Ruhestörungen, verbalen Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Feiernden oder Müllbergen hinter sich. Das Wochenende war wahrscheinlich das letzte richtig warme in diesem Jahr. Am Samstag tummeln sich bereits am Mittag hunderte von gut gelaunten Menschen hier.

Gegen 20 Uhr füllt sich die Promenade mit Menschen, die hier einen lauen Spätsommerabend verbringen wollen. Die deutliche Mehrzahl bleibt ruhig und besonnen.
Gegen 20 Uhr füllt sich die Promenade mit Menschen, die hier einen lauen Spätsommerabend verbringen wollen. Die deutliche Mehrzahl bleibt ruhig und besonnen. | Bild: Schuler, Andreas

„Dagegen hat niemand etwas“, erzählt Anwohner Michael Scholtz. „Doch der Lärm die halbe Nacht – das geht gar nicht.“ Er habe bereits Schallschutzfenster einbauen lassen, „und trotzdem hören wir alles. Ich kenne Menschen, die ihre Wohnungen verkaufen wollen oder nicht mehr vermietet bekommen“.

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Auf einem Spaziergang am frühen Abend entlang der Promenade fällt ein junger Mann auf, der mit seinem E-Bike in hoher Geschwindigkeit eine Art Slalom fährt zwischen den vielen verdutzen Menschen hindurch – immer und immer wieder. Auch kleine Kinder springen hier umher. Wie durch ein Wunder passiert nichts, entweder der Radfahrer oder die Passanten können trotz der zunehmenden Dämmerung stets im letzten Moment ausweichen.

Vor wenigen Wochen erst frisch gestrichen und nun schon wieder demoliert verschmiert: Das Toilettenhäuschen neben der Fahrradbrücke.
Vor wenigen Wochen erst frisch gestrichen und nun schon wieder demoliert verschmiert: Das Toilettenhäuschen neben der Fahrradbrücke. | Bild: SK

Michael Scholtz mit seiner Taschenlampe stellt den Mann zur Rede. Es dauert keine Minute und ein weiterer junger Mann ist vor Ort, bedrängt und provoziert Michael Scholtz. Der Hinzugekommene baut sich vor dem 70-jährigen Rentner auf: „Ich lass‘ dich nur in Ruhe, weil du so alt bist und ich Respekt vor dem Alter habe. Du solltest dich schämen, so mit jungen Menschen umzuspringen. Was wir machen, geht dich nichts an. Hau‘ ab.“ Sein Freund gefährdet mit seinem E-Bike weiterhin fahrlässig sich und andere.

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Kurz vor 23 Uhr sind an der Fahrradbrücke mehrere Gruppen junger Menschen, sie spielen Trinkspiele oder unterhalten sich. Noch ist die Musik recht laut. In der Stunde vor Mitternacht beginnt das Lärmverbot. „Da ist ja schon eine Stunde Karenzzeit eingerechnet“, sagt Martin Scholtz. „Und doch schaffen es einige wenige nicht, sich daran zu halten.“ In dieser Nacht jedoch bleibt es verhältnismäßig ruhig.

Jens-Peter Volk unterhält sich auf seiner Terrasse neben der Bischofsvilla mit Michael Scholtz, der ebenfalls ganz in der Nähe wohnt.
Jens-Peter Volk unterhält sich auf seiner Terrasse neben der Bischofsvilla mit Michael Scholtz, der ebenfalls ganz in der Nähe wohnt. | Bild: Schuler, Andreas

Daniel und Matthias kommen vorbei. Der 25- und der 29-Jährige schlendern sie gemütlich am Seerhein entlang. „Ich denke, dass 23 Uhr ein fairer Kompromiss ist“, sagt Daniel. „Irgendwann genügt es ja auch. Im Interesse der Bewohner sollte der Lärmschutz eingehalten werden.“ Matthias findet es sehr schade, dass Clubs und Discos nach wie vor geschlossen sind, „denn irgendwo müssen junge Menschen ja feiern am Wochenende“.

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Claudia und Jochen Hildenbrand wohnen in erster Reihe direkt an der Promenade. Im Frühling und im Hochsommer haben sie teilweise den Spaß an ihrer schicken Wohnung mit dem Balkon zum Rhein hin verloren. „Wir können nur für uns und den Ausschnitt Hofgarten drei sprechen“, sagt Claudia Hildenbrand am Sonntag. „Es ist durch das Musikverbot besser geworden, unserer Ansicht nach ist es allerdings wichtig, dass das Musikverbot durch konsequente Kontrolle flankiert wird. Was außerdem im gesamten Bereich noch fehlt: ein Hinweis, dass es dieses Musikverbot gibt.“

Zwei Botschaften sendet dieses Bild aus: Die Verursacher des Mülls legen denselben lieber neben einen Mülleimer als ihn daheim zu entsorgen – außerdem stehen offenbar zu wenige Mülleimer zur Verfügung.
Zwei Botschaften sendet dieses Bild aus: Die Verursacher des Mülls legen denselben lieber neben einen Mülleimer als ihn daheim zu entsorgen – außerdem stehen offenbar zu wenige Mülleimer zur Verfügung. | Bild: SK

Mehrmals ist am Abend und in der Nacht auf Sonntag eine Streife unterwegs. Ganz offenbar dient dies der Prävention. „Es ist hilfreich, wenn wir vor Mitternacht hier und da schon mal Gespräche mit den Menschen suchen, damit wir uns schon kennen, wenn es nach Mitternacht zu Einsätzen kommt“, erklärt ein Streifenpolizist. „Das wirkt deeskalierend. Gegen 22 Uhr werden Schüsse im Bereich Herosépark/Bischofsvilla gemeldet. Die Beamten treffen laut Polizeisprecher Markus Schmidt drei Jugendliche an, die sofort vor ihnen flüchten.

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„Beim Bodenseeforum und der Reichenaustraße konnten wir sie festhalten“, sagt Markus Schmidt. „Sie hatten aber keine Waffe dabei und erzählten, dass sie die Schüsse oder Böller ebenso gehört hatten.“ Somit war der Einsatz beendet. Ansonsten seien keine weiteren Vorkommnisse zu vermelden.

Eine Polizeistreife fährt nach Mitternacht an der Bischofsvilla vrobei Richtung Herosé-Park.
Eine Polizeistreife fährt nach Mitternacht an der Bischofsvilla vrobei Richtung Herosé-Park. | Bild: Schuler, Andreas

Eine Gruppe junger Erwachsener zieht kurz vor ein Uhr von dannen, hinterlässt noch schnell Tüten eines Schnellrestaurants auf dem Fahrradweg, schüttet Brausegetränke aus und schleudert Flaschen auf die Wiese. Laut grölend gehen die offenbar angetrunkenen Männer in Richtung Ebertplatz, wo sie sich niederlassen.

Bild: Schuler, Andreas

Passanten werden provoziert, doch aufgrund besonnener Reaktionen bleibt es friedlich. „Die kenne ich, die sind oft unterwegs. Da genügt ein Wort und es eskaliert“, sagt Jens-Peter Volk. Er zieht es nun vor, die Sicherheit seiner Wohnung aufzusuchen. Nachtruhe hingegen ist zumindest im Sommer ein seltenes Gut.