Die Konstanzer mussten aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr auf viele lieb gewonnene Großveranstaltungen verzichten. Doch das Team der Marketing und Tourismus Konstanz (MTK) GmbH hat sich überlegt, wie es zumindest einen kleinen Ausgleich schaffen könnte. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung hat die MTK nun den Boden für den Feierabendmarkt bereitet, der am morgigen Freitag von 16 bis 20 Uhr erstmals an der Kirche am Stephansplatz stattfindet.

Ein kleines Format an der frischen Luft

„Kleine Formate an der frischen Luft“ hält Projektleiterin Sina Gogler von der MTK für eine gute Lösung in diesen Zeiten. Zum einen sei die Ansteckungsgefahr im Freien geringer, zum anderen hätten sich die Menschen an das Tragen der Mund-Nasen-Maske und an das Abstand Halten gewöhnt. Auf die Idee für den Feierabendmarkt kam Gogler wegen persönlicher Erfahrungen. Sie würde gern öfter auf dem Markt einkaufen, aber das ist ihr als Berufstätige vormittags nicht möglich. Gemeinsam mit Sandra Kollmannthaler vom Amt für Liegenschaften nahm sie Kontakt zu den Marktbeschickern auf und erarbeitete ein Konzept.

Unterstützung der regionalen Landwirtschaft

Einen Mehrwert biete der Feierabendmarkt in vielerlei Hinsicht, glaubt MTK-Geschäftsführer Eric Thiel. „Mit diesem Format können wir unsere regionalen Landwirte unterstützen“, sagt Thiel, der auf Regionalität, Nachhaltigkeit und das Prinzip der kurzen Wege abzielt. Gleichzeitig biete der Abendmarkt einen Mehrwert für die Bürger, die regionale Produkte nach Feierabend direkt bei den Erzeugern einkaufen könnten und gleichzeitig Geselligkeit – unter Einhaltung der Hygienevorschriften – pflegen könnten.

Am Freitag lässt sich der Abendmarkt besser organisieren

Und wa­rum findet der Feierabendmarkt freitags statt, wenn bereits vormittags auf dem Stephansplatz Markt abgehalten wird? „Für die Anbieter ist das unkomplizierter“, sagt Sina Gogler. Mit Holzbuchstaben werde die Feierabend-Fläche von den Parkplätzen auf dem Stephansplatz abgetrennt. „Außerdem werden wir die Kirche und die nebenstehenden Bäume illuminieren“, kündigt Eric Thiel an.

Sina Gogler und Eric Thiel von der MTK laden am Freitag ab 16 Uhr zum ersten Feierabendmarkt auf den Stephansplatz ein. Bild: Aurelia Scherrer
Sina Gogler und Eric Thiel von der MTK laden am Freitag ab 16 Uhr zum ersten Feierabendmarkt auf den Stephansplatz ein. | Bild: Scherrer, Aurelia

Das Vorbild in Radolfzell mögen nicht alle

Der Abendmarkt hat ein inzwischen gut etabliertes und erfolgreiches Vorbild. In Radolfzell gibt es ihn schon seit Jahren, auch dort vom Stadtmarketing initiiert. In der jetzigen Corona-Zeit findet er allerdings nicht statt. Das Radolfzeller Format hat eine gewisse Eigendynamik entwickelt: Ursprünglich ebenfalls als Einkaufsalternative gedacht, nutzen ihn die meisten Besucher inzwischen als Feiertreff am frühen Abend. Das kommt nicht bei allen Marktbeschickern gut an.

Eine Kundin begrüßt das Konzept

Marktkundin Gabriele Fischer begrüßt die neue Veranstaltung: „Ich finde das gut. Als Berufstätige habe ich wenig Gelegenheit, auf den Markt zu kommen. Morgens um 8 Uhr muss ich zur Arbeit. Ich werde den Abendmarkt gerne nutzen“, sagt sie. Bei den Anbietern sind die Reaktionen auf das neue Format geteilt. Stefanie Lechner, Mitarbeiterin bei Gemüse Bommer, begrüßt die Idee, räumt aber ein, dass es für den eigenen Marktstand keine Option ist. „Wir schaffen den Termin nicht noch zusätzlich“, sagt sie. Ein auf einen ganzen Tag verlängerter Markt wäre aus ihrer Sicht eine bessere Alternative.

Bild: Clauidia Wagner

Marco Turchi von Romeo Kaffee wiederum will die Chance unbedingt nutzen. An seinem Stand würden am Freitag Kaffee und Cappuccino in Porzellantassen ausgegeben, außerdem würden auch kalte Getränke angeboten, mit und ohne Alkohol. „Nach einer Testphase von vier Wochen soll das Konzept eventuell angepasst werden. Für uns ist solch ein Format wichtig, weil wir keine Aufträge fürs Catering mehr haben“, erläutert Turchi.

Thomas Romer will das Format ausprobieren

Auch Thomas Romer, Leiter des gleichnamigen Obsthofes in Litzelstetten, freut sich über die neue Option. „Ich bin immer offen für Neuerungen. Die vier Veranstaltungstage machen wir erstmal mit“, sagt er. Er sei allerdings skeptisch, ob die Konstanzer den neuen Termin annehmen – Einkaufsverhalten habe mit Gewohnheit zu tun. „Für uns Landwirte ist es eher Stress“, erläutert Romer. „Wenn man von morgens 6 bis abends 20 Uhr frische Ware präsentieren muss, dann ist das eine Herausforderung.“ Ohne entsprechendes Personal sei das nicht möglich. Beim Konzept hoffe er, dass der Schwerpunkt beim Obst- und Gemüseverkauf bleibe. „Das Letzte, was ich sein will, ist Dekoration auf einem Partymarkt“, sagt Romer.

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Petra König-Hogg, die einen Obsthof auf der Höri betreibt, ist von der Idee weniger begeistert. Das Konzept scheint ihr zu wenig auf die Bedürfnisse der Marktbeschicker ausgerichtet. „Wenn man selbst produziert, dann funktioniert solch ein Termin zusätzlich nicht“, erläutert sie. Sie beginne ohnehin morgens um 5 damit, das Auto zu beladen, fahre um 6 Uhr los. Für einen kleineren Betrieb sei ein abendlicher Einsatz nicht möglich. Aus ihrer Sicht sinnvoller wäre es, den Markt um ein bis zwei Stunden zu verlängern. Das könnte den Landwirten tatsächlich helfen.

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