Zehn Jahre von der Idee bis zur Verwirklichung sind oftmals eine lange Zeit. Der häufig damit verbundene Hickhack kann nerven. Aber obwohl es auch ein Jahrzehnt dauerte, bis Mainau Ruhewald verwirklicht werden konnte, kann Mainau-Geschäftsführer Björn Graf Bernadotte diesem langen Zeitraum ausnahmsweise viel Gutes abgewinnen.

Björn Graf Bernadotte ist Geschäftsführer der Mainau.
Björn Graf Bernadotte ist Geschäftsführer der Mainau. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Das war ein sehr intensiver Prozess. Es hat allein zwei Jahre für die Standortsuche gebraucht. Eine sehr komplexe Aufgabenstellung“, erklärt er. Und führt weiter aus: „Wir hatten damit sehr viel Glück, dass es so lange gedauert hat. Wir konnten acht Jahre an Erfahrung mitnehmen und von den Erfahrungen anderer Bestattungswälder profitieren. Die Zusammenarbeit mit der Stadt war wirklich gut. Es gab immer Diskussionsbereitschaft, bis wir einen Kompromiss gefunden haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Der Erfolg gibt ihm Recht. „Wir rechnen mit rund hundert Bestattungen im Jahr“, erläutert Sabine Neufang, Geschäftsführerin der Mainau Ruhewald GmbH. In die Zählung mit eingeschlossen werden auch die Vorsorgeverträge.

Sabine Neufang, Geschäftsführerin der Mainau Ruhewald GmbH zeigt, wie sich mit Hilfe des Smartphones, GPS und Kompass der genaue Urnenstandort finden lässt.
Sabine Neufang, Geschäftsführerin der Mainau Ruhewald GmbH zeigt, wie sich mit Hilfe des Smartphones, GPS und Kompass der genaue Urnenstandort finden lässt. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Davon gibt es etwa 40. Bestattungen gab es in den ersten neun Monaten des Bestehens rund 30. Insgesamt seien bereits über 70 Urnenplätze belegt, berichtet Neufang. Hochgerechnet auf ein Jahr reicht das schon fasst an die angepeilte Zahl heran.

Die Holzbrücke mit Knick führt über vom Litzelstetter Friedhof in den Ruhewald.
Die Holzbrücke mit Knick führt über vom Litzelstetter Friedhof in den Ruhewald. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Bestattungen in einem Ruhewald gelten als kostengünstige Alternative zu einem herkömmlichen Urnen- oder Erdgrab auf einem normalen Friedhof. Das ist auch in Konstanz so. Im Vergleich mit der Waldruh Sankt Katharinen, dem Bestattungswalds auf dem Bodanrück, sind die Preise im Mainauer Ruhewald jedoch etwa doppelt so hoch.

Für die Kostenkalkulation hätte man sich Unterstützung durch ein Fachunternehmen geholt, erläutert Björn Graf Bernadotte. Die zu berücksichtigenden Posten mussten auf einer sieben Seiten umfassenden Tabelle eingetragen werden, erklärt Sabine Neufang.

Zukünftige Kosten müssen berücksichtigt werden

Die beiden Geschäftsführer wollen auf diese Weise sicherstellen, dass auch zukünftig anfallende Kosten berücksichtigt werden. So könne es etwa vorkommen, dass ein Baum ersetzt werden muss, an dem die Asche eines Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt wurde.

Ein Baum mit Urnengräbern wird mit einer runden Plakette und einer Zahl gekennzeichnet. Die Farbe der Plakette weist die Kategorie aus. Angaben zum Bestatteten werden auf einer Messingplatte (links am Baumstamm zu erkennen) festgehalten.
Ein Baum mit Urnengräbern wird mit einer runden Plakette und einer Zahl gekennzeichnet. Die Farbe der Plakette weist die Kategorie aus. Angaben zum Bestatteten werden auf einer Messingplatte (links am Baumstamm zu erkennen) festgehalten. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Der Baum müsse zudem eine entsprechende Größe aufweisen, was sich natürlich im Preis niederschlägt. „Wir müssen auch eine gewisse Sorge für den Wald betreiben und den Ausfall an forstlichen Tätigkeiten berücksichtigen“, ergänzt Björn Graf Bernadotte.

Ruhewald kann erweitert werden

Immerhin läuft der Vertrag mit der Stadt bis zum 31. Dezember 2100. Und eine Verlängerung ist möglich. Der Wald ist Eigentum der Mainau und ist an die Stadt verpachtet. Derzeit sind rund tausend Urnenplätze ausgewiesen, eingeteilt in fünf Kategorien. Sollte es Bedarf geben, lässt sich der Ruhewald auch erweitern. „Das war mit einer der Gründe für die Wahl dieses Standorts. Und es gibt dort wohl kaum eine Stelle, wo nicht ein Fitzelchen vom See zu sehen ist“, erläutert Björn Graf Bernadotte.

Von der Andachtsstelle Mainau Ruhewald ist der Blick auf den Überlinger See möglich.
Von der Andachtsstelle Mainau Ruhewald ist der Blick auf den Überlinger See möglich. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Der Mainau Ruhewald ist eine gute Ergänzung für das städtische Friedhofs- und Bestattungsangebot. Es freut mich, dass dieses neue Angebot so gut angenommen wird. Das bestätigt uns auch, dass wir einen würdigen Ort des Gedenkens geschaffen haben“, erklärt Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Seinem Dezernat sind die Technischen Betriebe angegliedert, die wiederum für die Friedhöfe zuständig sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Urnengrab im Mainau Ruhewald ist bereits ein bis zwei Wochen nach der Versenkung des Urnengefäßes nicht mehr zu erkennen. „Die Familienangehörigen bekommen daher einen ausführlichen Plan, auf dem die GPS-Koordinaten des Baumes verzeichnet sind; dazu die genau Himmelsrichtung und Entfernung vom Baumstamm“, erläutert Sabine Neufang.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.