Am Wochenende war ich mit einer Freundin im Kino. Und ich gebe es zu: So aufgeregt war ich zuletzt bei einem Kinobesuch mit 13 Jahren, als ich ein viel zu enges Oberteil und viel zu viel blauen Lidschatten trug, um meinen Schwarm Rolf zu beeindrucken. Es funktionierte nicht, das nur nebenbei.

Kribbeln im Bauch

Diesmal hatte das Kribbeln im Bauch einen anderen Grund: endlich wieder Normalität, Alltag, dazu gehört auch Kino. Nicht, dass ich ein großer Kinogänger wäre. Aber wenn in Corona-Zeiten das erste Lichtspielhaus wieder öffnet, will ich dabei sein. Ich malte mir fröhliche Kinder aus, Paare Hand in Hand, vielleicht bei der ersten Verabredung. Den Geruch nach karamellisiertem Zucker. Und all das.

Nur bitte keine nervigen Teenies

Hoffentlich, dachte ich, sitzt diesmal keine Horde Pubertierender vor mir im Saal und redet während des ganzen Films – so wie beim letzten Kino-Besuch 2019. Doch es sollte schlimmer kommen.

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Die erste Enttäuschung bereits vor dem Film. Ausgerechnet das eine Restaurant, in das wir danach gehen wollten, hat bis 15. Juni zu. Na danke! Da ich den ganzen Tag kaum gegessen hatte, war meine Laune sofort im Keller.

Und dann die große Live-Befragung

Pflichtbewusst wollte ich nun im Kino Leute befragen. Ganz die Reporterin live bei einem historischen Ereignis. Wie fühlen Sie sich – der erste Kinobesuch nach Corona? Nur: Im Kino war kaum jemand.

Unsere Autorin im Kinosaal.
Unsere Autorin im Kinosaal. | Bild: Steinert, Kerstin

Wir saßen zu zweit im Saal. Schön, so konnten wir besonders laut lachen und uns zwischendurch unterhalten – so, wie es sich sonst nur so mancher Jugendliche im vollen Saal traut.

Sind wir mal ehrlich ...

Und ganz ehrlich: Damals, bei der Verabredung mit meinem Schwarm Rolf, kommentierten wir den Film auch, was das Zeug hielt, und lachten über das „Psst“-Gezische der Erwachsenen. Die Moral nach diesem Wochenende? Zum Alltag gehören mehr als ein offenes Lichtspielhaus und gelockerte Corona-Verordnungen. Alltag geht nur, wenn jeder mitmacht. Erwachsene, die zischen, Jugendliche, die quatschen. Offen bleibt nur die Frage: Wann bin ich eigentlich so spießig geworden?