Rückblick: Bewohner am Alten Bannweg müssen sich auf Veränderungen einstellen. Auf einem Grundstück östlich des Friedhofs sollen vier neue Häuser entstehen, in die jeweils zur Hälfte Flüchtlinge und Einheimische einziehen sollen. In jedem Haus sollen etwa 20 Personen wohnen können. An der Bebauung gab es im Vorfeld scharfe Kritik, einige Anwohner sprachen von widerrechtlicher Planung, da die Gebäude zu hoch angesetzt seien. Bei einer Informationsveranstaltung versucht die Stadtverwaltung, die Bedenken der Anwohner auszuräumen.

So sollen die vier Hoffnungshäuser auf dem Grundstück zwischen Friedhof und Altem Bannweg platziert werden.
So sollen die vier Hoffnungshäuser auf dem Grundstück zwischen Friedhof und Altem Bannweg platziert werden. | Bild: Südkurier

Die Kritik

Thorsten Schmidt: „Es sollen also etwa 80 Personen hinzukommen. Das ist ein enormes Wachstum für das Viertel. Dann wird zusätzlich bei der Kirche ein neues Haus gebaut. Die neuen Nachbarn fahren die Kinder morgens zu unterschiedlichen Kinderkrippen, je nachdem, welche sie am vorherigen Wohnort besucht haben. Ich würde erwarten, dass die Stadtplanung ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegt.“

Martin Bialoncig: Er verweist darauf, dass auch in der nahen Umgebung gebaut werde. „Gegen das Projekt haben wir überhaupt nichts. Aber auch im Stockackerweg entstehen 80 Wohnungen. Hier an den Alten Bannweg werden so viele Personen hinziehen wie jetzt bereits Menschen hier wohnen. Die Grundschule ist voll, der Kindergarten auch. Was ist mit der Infrastruktur?“

Bettina Schütz: „Bei den Anwohnern entsteht das Gefühl: Das Maß ist voll. Es wird gebaut und gebaut, die Autos stehen täglich herum, die Polizei ist aktiv und die Feuerwehr kommt nicht durch. Car-Sharing scheitert daran, dass keine Parkplätze da sind. Ich als Anwohnerin bin genervt. Man kommt gar nicht mehr hinterher mit der Entwicklung.“

Das könnte Sie auch interessieren
Ein Blick durch Bäume und Hecken auf das Grundstück, das bebaut werden soll. Die Anwohner hätten sich gewünscht, dass die Grünfläche erhalten bleibt.
Ein Blick durch Bäume und Hecken auf das Grundstück, das bebaut werden soll. Die Anwohner hätten sich gewünscht, dass die Grünfläche erhalten bleibt. | Bild: Oliver Hanser
Das könnte Sie auch interessieren

Das sagt die Stadt zur Bebauung

Karl Langensteiner-Schönborn macht deutlich, dass die Bebauung zunächst anders geplant gewesen sei. Als die Wobak sich für das Grundstück interessierte, habe sie eine dreigeschossige Bebauung angestrebt. Eine dreigeschossige Variante sei aber beim Regierungspräsidium nicht genehmigungsfähig gewesen, die Stadt entschied, stattdessen zweigeschossig zu planen. „In dem Moment ist die Wobak ausgestiegen, weil sie zurecht darstellte, dass sie die Bebauung nicht wirtschaftlich realisieren kann“, so Langensteiner-Schönborn. Klar sei aber auch, dass eine Null-Lösung, also gar keine Bebauung, keine Option sei. „Wir müssen in Konstanz aus Platzgründen auch mit Nachverdichtung arbeiten“.

Das sagt die Stadt zur Infrastruktur

Auch die Verwaltung sieht Handlungsbedarf bei der Bereitstellung der Infrastruktur. Langensteiner-Schönborn verweist darauf, dass man die Bedarfsplanung bei der Kinderbetreuung mit dem Handlungsprogramm Wohnen abgestimmt habe. Bei den Schulen wiederum gebe es keine Schulbezirke mehr, die Schule sei somit für die Eltern frei wählbar.

Das sagt die Stadt zum Verkehr

„Sie haben Recht, wir müssen ein besseres Mobilitätskonzept haben“, räumt Langensteiner-Schönborn ein. Der Baubürgermeister setzt mittelfristig auf ein verändertes Mobilitätsverhalten, dass Quartiersbewohner zum Beispiel auf ein eigenes Auto verzichteten und stattdessen Car-Sharing-Fahrzeuge nutzen werden. Allerdings fehle dazu noch die Infrastruktur, sagt er.

Es gehe darum, dass Car-Sharing-Betreiber ihre Fahrzeuge nicht nur an lukrativen Punkten in der Innenstadt platzierten, sondern, dass auch die weniger frequentierten Bereiche in Petershausen oder Wollmatingen abgedeckt seien. In Einzelfragen sagte er zu, den Bewohnern entgegen zu kommen. So haben die Anwohner vorgeschlagen, den Alten Bannweg für den Autoverkehr zu sperren, um die Sicherheit zu gewährleisten. Auch eine verkehrsberuhigte Zone sei denkbar, so Langensteiner-Schönborn.