Könnten Gegenstände reden, man verstände in der großzügigen Beletage an der Laube sein eigenes Wort nicht mehr. Doch im Saal des Auktionshauses liegt Stille, bis Carlo Karrenbauer dem Sammelsurium eine Stimme gibt und beginnt, die Geschichten zu erzählen. Besonders nahe geht ihm der Weg von kuriosen Gegenständen, deren Weg durch den Bürgerkrieg in Spanien (1936-1939) bestimmt war. Unter den Hammer kommt eine Sammlung von Gegenständen, die auch bei uns in katholischen Familien benutzt wurden oder bis heute werden: kleine Weihwasserbecken, die Familien zumeist im Schlafzimmer aufgehängt hatten. Beim persönlichen Gebet bekreuzigen sich die Gläubigen mit dem geweihten Wasser oder zeichnen den Kindern zur Nacht damit ein Kreuz auf die Stirn.

Ein deutscher Kaufmann, der in den 30er-Jahren in Madrid lebte, sammelte zahlreiche solche Weihwasserbecken im Wortsinn von der Straße: Während des steckenweise kirchenfeindlichen Bürgerkriegs warfen viele das Symbol der Religiosität weg. Das tat dem Kaufmann, obgleich Protestant, weh: Ein Gegenstand, in dem so viel Zuversicht und Trost steckte, gehörte in seinen Augen nicht auf den Müll.

Carlo Karrenbauer kann die Geschichte nacherzählen, weil ein Arzt aus dem Raum Konstanz die Sammlung – auch eine Tabernakel-Tür und ein liturgischer Kelch gehören dazu – erwarb. Dessen Nachfahren lieferten das ungewöhnliche Los ein, und Karrenbauer ist selbst gespannt, wer die zumeist unscheinbaren Weihwasserbecken aus schlichter Keramik ersteigert. Manche, sagt er, stammen aus dem 18., andere aus dem 20. Jahrhundert. Ihren materiellen Wert ermittelt die Auktion. Der ideelle steht für Karrenbauer schon jetzt außer Frage: "Ich habe viel gesehen, aber diese Sammlung hat wirklich eine ungewöhnliche Geschichte."


Auktion am Samstag, 13. Mai, ab 14 Uhr. Vorbesichtigung von Samstag, 6. Mai, bis Donnerstag, 11. Mai, von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr (nicht Sonntagvormittag und Donnerstagnachmittag), Obere Laube 46