Die Stadtverwaltung hat dem Technischen und Umweltausschuss (TUA) die Umplanung für das Döbele-Quartier vorgelegt. Der Ausschuss lehnte es allerdings ab, über das Konzept zu entscheiden. Zu zentral seien die vorgenommenen Änderungen. Darüber müsse zwingend der neu gewählte Rat entscheiden, der aber erst im September zusammen kommt. Dies ist auf dem Döbele-Areal aktuell geplant:

  • Das Quartier: Eigentlich war vorgesehen, die Entwicklung des Döbele-Quartiers mit Wohnraum und unterirdischem Parkraum in die Hände eines Investors zu legen. Die Stadtverwaltung hat nun umgeplant, um zu erreichen, dass der Wohnungsmarkt am Döbele-Areal weitgehend spekulationsfrei bleibt. Zudem wollte die Verwaltung eine EU-weite Ausschreibung umgehen. Zwei Blockrandbebauungen sind vorgesehen. Carolin Gayko von der Bauleitplanung der Stadt Konstanz spricht von einer vier- bis sechsgeschossigen Bebauung und 300 Wohneinheiten. Die Vergabe solle kleinteilig an Baugenossenschaften und Baugemeinschaften erfolgen. Der Vorschlag zieht bis zu 60 Prozent Baugemeinschaften und 40 Prozent sozialen Wohnungsbau in Betracht, erläuterte Marion Klose, Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt (ASU). Eine weitere gravierende Änderung: Lediglich die Stellplätze der Wohnungen sollen unterirdisch unter den Gebäuden angelegt werden.
Bild: Birgit Orlowski
  • Straßen: Der Döbeleboulevard, der neu gebaut wird, wird künftig den zentralen Eingang in die Innenstadt von Süden her darstellen. Er schließt das Quartier an die Obere Laube und die Bodanstraße an. Der neue Boulevard wird die bestehende Verbindung von der Grenzbachstraße zum Schnetztorknoten ersetzen, heißt es in der Vorlage des TUA.
  • Mobilität: 630 Stellplätze, die es im Moment auf dem Döbele-Areal gibt, sollen umverteilt und in einem öffentlichen Parkhaus untergebracht werden. Das Parkhaus mit sechs Geschossen wird als Mobilstation geplant, heißt es in der Sitzungsvorlage des TUA. „Die Hochgarage ist wandelbar, schließlich wissen wir nicht, wie sich die Mobilität in den nächsten 20 Jahren entwickelt“, so Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. So sollen auch alternative Mobilitätsangebote geschaffen werden, etwa ein Car-Sharing-Angebot sowie eine Fahrradverleihstation. Der öffentliche Nahverkehr wird über den neuen Döbeleboulevard erreichbar sein. Private Stellplätze werden in zwei separaten, gemeinschaftlich genutzten Tiefgaragen unter den Baufeldern mit den Kellerräumen untergebracht. Oberirdisch wird es keine Stellplätze im Quartier geben.
  • So beurteilen die Räte das Mobilitätskonzept: Das separate Parkhaus sieht Sabine Feist (CDU) als vernünftig an, vor allem wegen der Rückbaubarkeit. Positiv sei der Ausbau als Mobilpunkt, so Heinrich Fuchs (CDU). „Eine Wahnsinns-Fläche in Premiumlage: Das tut in der Seele weh“, sagte Anne Mühlhäußer (FGL) über das Parkhaus. Der Standort missfiel auch Jürgen Ruff. „Da müssten eher Wohnungen hin“, meinte er. Matthias Schäfer (JFK) sprach sich dafür aus, die Stadt solle das Parkhaus selbst betreiben, das als Einnahmequelle dienen könne. Er geht nicht davon aus, dass es in absehbarer Zeit umgenutzt wird. Er forderte die zeitnahe Realisierung einer auf- und abbaubaren Parkpalette, die viel Verkehr abfange. „Ein Gemeinderat, der in grauer Vorzeit vor zwei Monaten den Klimanotstand ausgerufen hat, preist jetzt ein Parkhaus mit über 600 Stellplätzen an“, kommentierte Holger Reile (Linke Liste): „Für uns geht es um Wohnraum und nicht ums Parken.“
Das könnte Sie auch interessieren
  • Finanzierung: Welche Kosten kommen auf die Stadt zu? Diese Frage stellte Johann Hartwich. Dabei dachte er an die Erschließung und die Baukosten für die Straßen sowie an die notwendige Verlegung des Grenzbachs. Zudem befinde sich am Döbele das Notbecken zur Frischwasserversorgung. „Ein Notbecken mit 15 000 Kubikmeter Fassungsvermögen soll nach Kreuzlingen verlegt werden“, so Hartwich, der hierfür von Kosten in Höhe von einer Million Euro sprach. Weder von Deutschland noch von der Schweiz gebe es für die Verlegung eine Genehmigung. „Vorher kann man nicht planen“, konstatierte er.

Eine Entscheidung über das Projekt lehnte der TUA ab. Zu viele Fragen seien offen, darunter der Punkt, welche Kosten die Stadt zu tragen habe, so die Auffassung der Stadträte. Dass mit der Umplanung der Verwaltung der große Wurf gelungen sei, wurde bezweifelt. Jürgen Ruff (SPD) kritisierte: „Die Vorlage ist oft unkonkret.“ Auch Johann Hartwich machte Defizite der Vorlage aus.

Dass die Entscheidung über die Planung verschoben wurde, ist für Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn kein großes Problem. Wichtig sei vielmehr, dass die Konzeption für eine weitgehend spekulationsfreie Entwicklung des Quartiers Zustimmung gefunden habe. Bis September könne die Verwaltung die Anregungen der Stadträte in die Planung einarbeiten.

Die Umsetzung wird sich verzögern

  • Zeitplan: Die Entscheidungen zum umgeplanten Döbele-Quartier sind vertagt. Die Verwaltung muss an dem Konzept arbeiten und Fakten liefern, damit der neue Gemeinderat eine Entscheidungsgrundlage hat. Die von der Verwaltung geplante ambitionierte Zeitschiene wird sich also verzögern. Geplant war: Ab Mitte 2019 bis Mitte 2021 Bebauungsplanverfahren und Umsetzung der Grenzbachverlegung, ab Anfang 2020 bis Ende 2022 Planung und Umsetzung der Verkehrserschließung, von Anfang 2020 bis Ende 2023 Planung und Realisierung des öffentlichen Parkhauses, 2020 bis Ende 2022 Planung des Wohnungsbaus, ab Anfang 2023 Realisierung des Wohnungsbaus. Mit der Verzögerung des Bauvorhabens wird eine neue Diskussion über die Realisierung einer Interims-Parkpalette aufkommen. (as)
  • Klimaschutz: Ziel ist, ein Quartier zu entwickeln, das wenig Energie verbraucht und sich an den Vorgaben der 2000-Watt-Quartiere orientiert. Für das Döbele-Areal ist analog zum Hafner eine klimaneutrale Energieversorgung das Ziel. Erreicht werden soll dies durch die Nutzung regenerativer Energien, durch flächensparende Wohnformen und klimafreundliche Mobilität. Der in der Nachbarschaft vorbeiführende Abwasserhauptsammler der Stadt Kreuzlingen bietet ein hohes Abwasserwärmeepotential zur Versorgung des Areals.