"Achtung Gleisrillen Unfallgefahr" steht auf dem Schild seitlich der Hafenstraße, auf der täglich hunderte Radfahrer und Fußgänger unterwegs sind. Ein Schild, das offenbar schnell übersehen wird – denn trotz der Warnung passieren dort immer wieder Unfälle. Zuletzt brach sich am vergangenen Samstag eine Radfahrerin den Arm, weil sie die Gleisrillen zu spät bemerkte und stürzte.

"Da sich Radfahrer auf der meist stark begangenen und befahrenen Straße auf Fußgänger, Kleinkinder und andere konzentrieren müssen, werden die Hinweisschilder leider nicht oder sehr spät bemerkt", berichtet Bruno Loser. Abgelenkt durch das Verkehrsgeschehen habe seine Frau ein erhöhtes Gleis zu spät bemerkt, sei in einem flachen Winkel darauf zugefahren und auf die Straße gestürzt. Die Diagnose: eine Fraktur am Oberarm. Von den Passanten habe Loser erfahren, dass es an dieser Stelle immer wieder zu Unfällen kommt.

Die Gleise führen immer wieder zu Unfällen

Ralf Seuffert, der Kreisvorsitzende des Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC), hat seinen Fahrradladen gleich um die Ecke am Bahnhof. Seine Erfahrungen decken sich mit den Berichten der Passanten. "Das ist eine Stelle, auf die wir immer wieder hingewiesen haben und auf die uns auch immer wieder Kunden ansprechen", so Seuffert. Dieses Jahr hätten ihm zwei Radfahrer von Stürzen an der Stelle berichtet. Wie auch Bruno Loser hält Seuffert es für sicherer, die Gleisrillen ganz zu entfernen oder sie mit einem dauerhaften Straßenbelag zu überdecken. "Schließlich werden die alten Gleise nicht mehr gebraucht", so Seuffert.

Schienen wurden früher zum Befüllen der Schiffstankanlage gebraucht

Bis vor rund zehn Jahren, erklärt Ulrich Hilser von der städtischen Pressestelle, waren die Gleise noch in Betrieb und wurden von den Bodensee-Schiffsbetrieben zum Befüllen der Schiffstankanlage auf der Werftmole genutzt. Zudem wurden mit der Bahn angelieferte Schiffe mithilfe der Schienen zum Kran an der Hafenhalle befördert und dann mit Hilfe des Krans ins Wasser gelassen.

"Um die Schienen auszubauen, müsste die Stadt für die mehrere hundert Meter lange Strecke eine Summe in die Hand nehmen, die sich schätzungsweise im sechsstelligen Bereich bewegen würde. Eine nicht unerhebliche Summe, die sicherlich an anderer Stelle fehlen würde", so die Stadt. Die Forderung, die Gleise zu entfernen, ist nicht neu. Vor Jahren, so die Stadt, kam man überein, die Gleise zu belassen und die Gleisrillen zu verfüllen.

Für Radfahrer gilt hier Schrittgeschwindgkeit

"Aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen stellen die Schienen keine Gefahr dar und für eine ausreichende Beschilderung ist ebenfalls gesorgt, zumal dieser Streckenabschnitt auch keine offizielle Raddurchgangsstraße ist", erläutert Hilser. Auf der Strecke, die als Fußgängerzone mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“ ausgewiesen ist, gilt für Radfahrer Schrittgeschwindgkeit. Halte man sich daran, "stellen die Gleise aus Sicht der Stadt keine Gefahr dar".