Brückentag. Das heißt für Robin Fischer und seine Kollegen von den Konstanzer Verkehrskadetten wieder: Großeinsatz. Rund 30 Jugendliche stehen seit heute Morgen ehrenamtlich an den Knotenpunkten, die jeder Konstanzer an so einem Tag meidet. Eine der größten Problemzonen ist der Döbele-Kreisverkehr. Seit drei Jahren sperrt Robin Fischer dort bestimmte Zufahrten ab, wenn der Verkehr droht, zu kollabieren. An seinen ersten Einsatz kann sich der heute 17-Jährige noch gut erinnern. Er kam damals nach Hause und dachte sich: "Okay. Dich hat noch nie jemand einfach so als Arschloch beschimpft." Seitdem sind drei Jahre vergangen, in denen er drei Strafanzeigen gegen Autofahrer stellen musste, wegen Morddrohung, Nötigung und Beleidigung. Ernstfälle wie diese sind die klare Ausnahme, aber Pöbeleien an der Tagesordnung. Wie gehen Jugendliche, die teilweise erst 14 Jahre alt sind, mit so einem Job um?

Erstaunlich reif und erwachsen, ist die Antwort. "In Ordnung ist das natürlich nicht. Aber man muss sich in die Autofahrer hineinversetzen", sagt Robin. "Die sind teilweise schon lange unterwegs, und kurz vor dem Ziel werden sie umgeleitet. Natürlich kann das aggressiv machen." Viele beruhigten sich schnell wieder, wenn man ihnen erklärt, wie sie vielleicht sogar schneller an ihr Ziel kommen. Die Beleidigungen, sagt Robin, verletzen ihn nicht persönlich. "Das geht ja nur gegen den Typ in der gelben Uniform mit dem Umleitungsschild." Nur eines nerve ihn: "Uns wird oft unterstellt, wir würden extra bei den Schweizern dicht machen. Dabei ist es völlig egal, welches Kennzeichen das Auto hat und wer drin sitzt.

" Die Sperrungen erfolgen nach einem festgelegten Plan, der auf der Homepage des Stadtmarketings Konstanz einsehbar ist und der laufend aktualisiert wird. Auch wenn es immer mal wieder vor allem Anwohner gibt, die sich bei den Jugendlichen für ihre Arbeit bedanken, weiß Robin aus Erfahrung: "Die Neuen werden es erst einmal schwer haben."

Ortswechsel. Im Trainingsraum der Bonsai Karate-Schule im Türkischen Sportverein im Industriegebiet, vergangene Woche. Die Neuen beim Training. Selbstverteidigung und Deeskalation. Ein fester Bestandteil der zehntägigen Ausbildung zum Konstanzer Verkehrskadetten und eine Übung für den Ernstfall, sagt Dennis Adelmann. Er hat den Verein im Jahr 2012 aufgebaut, ist seitdem Einsatzleiter und verantwortlich für 60 Jugendliche. "Wir können die Jungs während der Einsätze mit Essen, Trinken und Sonnencreme versorgen – aber wenn sie zu unreif sind, kann dieser Job auch gefährlich werden", sagt Adelmann. Unterdessen lässt sich der Karate-Lehrer Mohammad Lorzadeh von einem der Jungs am Kragen packen. "Entweder ein einfacher Körperdreh", erklärt er, "oder ein präziser Schlag auf den Ellbogen." Die Neuen sind 18 Jungs, Mädchen bewerben sich kaum. Nachwuchssorgen hat Dennis Adelmann trotzdem keine. Warum, wird schon bei der Trainingsstunde deutlich: Es ist der Spaß, im Team zu arbeiten. Viele arbeiten schon seit Jahren in den Zweier-Teams zusammen, es sind Freundschaften entstanden. Ab und zu gehen die Gruppen nach dem Einsatz grillen, einmal im Jahr gibt es eine dreitägige Herbsthütte und für jeden Einsatz eine Aufwandsentschädigung.

"Außerdem ist es auch spannend, wie Verkehrsflüsse funktionieren", ergänzt Robin. 200 000 Euro sind im Konstanzer Haushaltsplan für das Jahr 2016 für die Verkehrslenkung durch die Verkehrskadetten vorgesehen – für Arbeitsmaterial, Aufwandsentschädigung, Organisation.

Immer wieder überlegt sich die Gruppe neue, kleine Ideen für das große Verkehrsproblem in Konstanz. 2014 haben Robin Fischer und seine Kollegen zum Beispiel versucht, den Park and Ride-Platz auf dem Schänzle Nord-Areal attraktiver für das potenzielle Zielpublikum zu gestalten. Sie haben nebenan mehrere Tonnen Sand aufgeschüttet und eine Strandbar eingerichtet, boten Cocktails, Einkaufsgutscheine und Shuttlebusse in die Innenstadt. Die Aktion wurde groß beworben. Funktioniert hat es nicht so richtig. Nur ein paar Autos standen letztlich da. Bis heute ist es schwer, die Fahrer direkt Richtung Park and Ride-Platz zu locken. Ob das C-Konzept und die damit verbundene Sperrung der Bahnhofstraße es besser machen? "Da haben wir noch so unsere Zweifel", antwortet Dennis Adelmann. Das Problem, ergänzt Robin, sei schlichtweg die langsame Abfertigung am Zoll. Da könne weder ein Turbokreisverkehr noch ein C-Konzept etwas ändern. Wurden sie denn gefragt, als es darum ging, den Verkehrsfluss in der Konstanzer Innenstadt grundlegend zu ändern? "Nein", antwortet Robin.

 

Digitale Stauhelfer aus und für Konstanz

Gar nicht erst im Konstanzer Stau stehen – diese Apps für das Smartphone und Social-Media-Accounts von Konstanzer Anbietern sollen helfen:

  • App Verkehrsinfo Konstanz Hegau: Staumeldungen der Verkehrskadetten und Parkplatzzahlen in Echtzeit direkt auf das Smartphone – allerdings nur zu den Einsatzzeiten der Konstanzer Verkehrskadetten: jeden Samstag und an zwölf vordefinierten ­Hochlasttagen. Kostenlos für Android, Windows und iOs. Gute Bewertungen.
  • App Konstanz Stau: Neu entwickelt von Peter Helm aus Konstanz. 0,99 Euro für Android. Noch keine Bewertungen.
  • App Fahrinfo Konstanz: Die App für den öffentlichen Nahverkehr. Mit dem aktuellen Fahrplan der Busse, der Fähre nach Meersburg und dem Katamaran nach Friedrichshafen. Kostenlos für Android, Windows und iOS.
  • Facebook: Aktuelle Störungsmeldungen der Verkehrskadetten sind auch auf der Facebook-Seite ersichtlich – einfach auf „Gefällt mir“ klicken und alle Infos erhalten: www.facebook.com/Verkehrsinfo
  • Twitter: Unter @StadtwerkeKN ­twittern die Stadtwerke Konstanz, wenn mit größeren Verspätungen der Linienbusse wegen Stau zu rechnen ist.