Konstanz – Auf den ersten Blick ist keine Veränderung bei Eugens Biomanufaktur zu erkennen. Erst bei genauer Betrachtung fällt der runde, mintgrüne Aufkleber an der Scheibe ins Auge, der die Patisserie in der Münzgasse als neuen Partner der Firma Recup ausweist.

Das Start-Up-Unternehmen mit Sitz in München wurde 2016 mit dem Ziel gegründet, einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. Es stellt Mehrwegbecher aus dem Kunststoff Polypropylen her und beliefert damit seine Partnercafés. Kunden bekommen diese dort für einen Euro Pfand ausgehändigt und können sie nach dem Kaffeegenuss entweder behalten, oder bei einem der Recup-Partner wieder abgeben und ihren Pfandbetrag zurückerhalten.

Bis zu 500 Mal kann ein Recup-Becher laut Hersteller gespült und wiederverwendet werden und bietet damit eine umweltfreundliche Alternative zu den altbekannten Einwegbechern. Darauf weist auch schon der Name hin: Recup stammt aus dem Englischen und setzt sich aus „re“ (wieder) und „cup“ (Becher) zusammen. Als Anreiz wird der Kaffee im Mehrwegbecher etwas günstiger verkauft als in seinem Einweg-Pendant.

Wie finden die Kunden das System? „Die Idee mit Mehrwegbechern finde ich sehr gut, man sieht ja, wie viel bei uns weggeworfen wird", antwortet  Silvia Trautmann aus Konstanz. 

Bild: Laura Marinovic

Auch Chasna Marichal Schäfer aus Konstanz findet die Idee gut, merkt aber an: "Der Becher muss aber dicht sein".

„Wir finden das gut, der Becher muss aber dicht sein.“Ulrike Wildanger und Chasna Marichal Schäfer, Konstanz
Bild: Laura Marinovic

Stündlich werden in Deutschland etwa 320 000 Wegwerfbecher verbraucht

Wie die Deutsche Umwelthilfe bekannt macht, werden in Deutschland stündlich etwa 320 000 Wegwerfbecher verbraucht – das sind fast drei Milliarden pro Jahr (Stand: September 2015). Um mögliche Belastungen durch mineralölhaltige Substanzen oder Druckchemikalien zu vermeiden und weil beim Recyclingvorgang die Papierfasern stark verkürzt werden, verwendet man bei ihrer Herstellung vor allem Neumaterial. Noch dazu kann nur ein Bruchteil dieser Mengen aufgrund der Innenbeschichtung aus Kunststoff recycelt werden. Die Ressourcenverschwendung, die bei der Entsorgung betrieben wird, sei also enorm.

Und dünne Kunststoffbecher, die nach einmaliger Verwendung ihren Weg in den Abfall finden, werden zwar recycelt, können danach aber durch den Qualitätsverlust nicht mehr zu neuen Bechern verarbeitet werden. Glaubt man nun der Deutschen Umwelthilfe, so wirkt der Gebrauch von Mehrwegbechern dagegen Wunder: 87 000 Tonnen CO2 pro Jahr kann durch ihren konsequenten Einsatz in Deutschland eingespart werden, dazu 1,2 Milliarden Liter Wasser, 64 000 Tonnen für die Papierherstellung nötiges Holz und genügend Strom, um 89 000 Musterhaushalte ein Jahr lang zu versorgen.

„Das sind wirklich enorme Zahlen“, sagt Elena Schägg von der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Mit der Herstellung von Mehrwegbechern ist Recup zwar nicht allein auf dem Markt, bei der Einführung eines Pfandsystems jedoch Vorreiter. Die Firma habe „als erstes Unternehmen ein innovatives Mehrweg-Pfandsystem entwickelt, das flächendeckend Einwegbecher durch Mehrwegbecher ersetzt“, wirbt Recup im Internet. Und das hat auch Eugens Biomanufaktur überzeugt.

Über die Stadtwerke, die die Mehrwegbecher Anfang dieses Jahres auf der Fähre Konstanz-Meersburg eingeführt haben, wurde Heike Zakbert, die in der Patisserie für Leitung und Verkauf zuständig ist, auf Recup aufmerksam. „Wir haben immer nach einem System gesucht, das für uns passt, denn Bio und Einwegbecher, das geht nicht“, sagt sie über die Entscheidung.

Auch andere Cafes und Bäckereien sollen mitmachen

Und Inhaber Eugen Bücheler ergänzt: „Das Thema Nachhaltigkeit ist in jeder Hinsicht unsere Philosphie.“ Aus diesem Grund habe man zuvor schon Mehrwegbecher aus Keramik angeboten, die von den Kunden jedoch oft vergessen wurden. Ein Pfandbecher, den man im Zweifelsfall auch mehrmals ausleihen und dann einfach wieder zurückgeben könne, sei da natürlich viel praktischer. Nun möchten die beiden auch andere Cafés oder Bäckereien in Konstanz vom Umstieg auf Mehrwegbecher überzeugen. „Wir haben da kein Konkurrenzdenken“, meint Bücheler. Wichtig sei nur, dass mehr Menschen Zugang zu der naturschonenden Bechervariante bekommen.

Nicht alle sind vom Mehrwegbecher überzeugt

Ebenfalls von Recup überzeugt ist Martina Vogl vom Voglhaus in der Wessenbergstraße. Schon seit längerer Zeit ist sie auf der Suche nach Mehrwegbechern. Ursprünglich fiel ihre Wahl zwar zunächst auf den Dallmayr Joycup, der aus doppelwandigem Kunststoff besteht und über einen wiederverwendbaren Deckel verfügt, während Recup an diesem Zusatz noch arbeitet. Da der Joycup bisher jedoch nur 300 Milliliter Kaffee fasst, entschied sich Vogl schließlich doch dagegen. Einen Aspekt bemängelt sie auch beim Recup: Da der Kunststoff recht dünn ist, kann der Becher mitunter ziemlich heiß werden. „Wenn jemand sehr empfindlich ist oder ein sehr heißes Getränk bekommt, dann braucht man eine Papierbanderole.“ Insgesamt sei sie dennoch zufrieden. Ein wenig skeptisch zeigt sich dagegen Sebastian Graeber, Geschäftsführer des Café- und Weinlokals No. Elf. „Das ist eine gute Sache“, glaubt er zwar. Aber es habe schon oft Projekte gegeben, die Einweg- durch Mehrwegbecher ersetzen sollten und keines sei wirklich erfolgreich gewesen. Versuchen möchte er es dennoch: „Vielleicht bestelle ich ein paar Stück und versuche, die auf den Markt zu bringen.“

Bei den Kunden kommt der Recup-Becher jedenfalls gut an. Wie Heike Zakbert berichtet, musste Eugens Biomanufaktur bereits kurz nach Einführung Becher nachbestellen, so begeistert zeigen sich die Kunden. Vielleicht inspiriert das noch mehr Geschäfte, sich Gedanken über Umweltschutz zu machen und ihre Einwegbecher zu ersetzen. Zum Beispiel durch Recup.